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Die Welt · 1910-11-25 · 47 (25.11.1910) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
47 (25.11.1910)
Date
1910-11-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1242 =DIE|S ''-/' Noch eines weitern schweren Verlustes lassen Sie mich gedenken. Der große jüdische Schriftsteller Lew ins ky ist dem jüdischen Volke und uns durch den Tod entrissen worden. Lewinsky war nicht nur ein großer"Schriftsteller und Zionist, sondern auch ein Mitarbeiter des Odessaer Palästina-Komitees. Auf das Kondolenzschreiben, welches das E. A. C. an unsere Freunde in Odessa gerichtet hat, hat der Vorsitzende des Komitees, Herr Ussischkin, dankend geantwortet und gleichzeitig gebeten, daß auch wir das Andenken Lewinskys in gleicher Weise ehren mögen wie das Odessaer Komitee, das beschlossen hat, eine Stiftung in Palästina auf den Namen Lewinskys zu errichten, aus welcher ein Seminar zur Ausbildung von Lehrerinnen für Kindergärten und Elementarschulen begründet werden sojl. Herr Ussischkin richtet an uns die Bitte, daß auch wir dazu beitragen sollen, diese Stiftung ins Leben zu rufen, und jeder in seinem Kreise für sie eintreten möge. Wenn wir unserer Freunde gedenken, die uns der Tod entrissen hat, so ^müssen wir auch eines Mannes Erwähnung tun, der zwar nicht unserm Volke angehörte, aber doch ein warmes Herz für die Armen und Bedrückten unseres Volkes hatte. Ich meine den großen Dichter und Menschen Leo Tolstoi, der erst vorgestern vom Tode ereilt wurde. Sie haben, meine Herren, das Andenken der Verstorbenen dadurch geehrt, daß Sie sich von Ihren Plätzen erhoben haben, was ich zu protokollieren bitte." Es sind nun noch die Entschuldigungen einer Anzahl von Herren vorzubringen, die verhindert sind, der Sitzung beizuwohnen. Zunächst unser Freund Herr Jacob Moser, der erst jüngst zum Lordmayor der Stadt Bradford ernannt worden ist, eine Ehre, die wir bei einem Zionisten wohl das erstemal zu verzeichnen haben. Es entschuldigt sich ferner, nicht zur Sitzung kommen zu körinen, Herr Johann Kremenezky, der vor wenigen Tagen seine Silberne Hochzeit gefeiert hat. Mit der ihm eigenen Bescheidenheit hat Herr Kremenezky hiervon nichts verlauten lassen, so daß wir erst nachträglich davon Kenntnis erhielten. Ich glaube nun, in Ihrer aller Namen zu sprechen, wenn ich von hier aus Herrn Kremenezky nachträglich unsere Glückwünsche übermittele. Es haben sich ferner entschuldigt die Herren Dr. Adolf Böhm, Dr. Franzie S. B er enstein, Samuel Pineles, Dr. Ch. Weitzmann, Dr. Bela Oesterreicher, Dr. Alexander Marmorek, Herbert Bentwich. Einige Herren, die heute verhindert sind, bei der ersten Sitzung zu erscheinen, haben ihre Ankunft für nachmittag und morgen angemeldet. Es wird ein längeres Schreiben des Herrn Sc ti einkin-Jaffa verlesen, der sich entschuldigt, an der Sitzung nicht teilnehmen zu können, und vorschlägt, daß das A.-C. durch Gewährung einer Entschädigung für die Reisekosten eines seiner palästinensischen Mitglieder in die Lage versetzen soll, zum mindesten einmal jährlich an den Sitzungen teilzunehmen. Präsident Wolffsohn gibt nunmehr einen kurzen Bericht: Dem von uns erstatteten übersichtlichen Bericht habe ich nur wenig hinzuzufügen. Es ist Ihnen bekannt, daß wir eine Korrespondenz mit den Herren, die von der Jahreskonferenz für den „Beirat" in Aussicht genommen waren, gepflogen haben. Es waren dies die Herren Dr. Nordau, Sir Francis Montefiore uud Dr. Tschlenow. Wir haben uns an diese drei Herren gewandt; Dr. Nordau und Sir Francis Montefiore lehnten ab, nur Dr. Tschlenow nahm an. Es kann aber die Kommission nicht als zustande gekommen betrachtet, werden. Wir haben aber trotzdem über die wichtigsten Fragen mit den drei Herren korrespondiert und Ihnen diese Korrespondenz mitgeteilt. Nur ein Punkt, über den wir nur mit Dr. Nordau Briefe gewechselt haben, dürfte Ihnen unbekannt sein; sie betreffen den in London IE LT ... .,; . ^.—-=== - No. 47 abzuhaltenden Rassenkongreß. Wir fragten Dr. Nordau an, oh er bereit wäre, auf diesem Kongresse ein Referat zu halten. Er lehnte entschieden ab und riet uns überhaupt ab, uns am Kongreß zu beteiligen. Ferner habe ich Ihnen mitzuteilen, daß unser berühmter" Scheck für die Hedschasbahn von angellich 5000 Pfd., der in Wirklichkeit bekanntlichnur 500 Pfd. betragen hat, sich zwischen den Papieren des Ex-Sultans vorgefunden hat, und daß der ottomanische Botschafter zu Berlin hierauf betreffs dessen Einlösung angefragt hat. In unserer Antwort wiederholten wir die Darlegung der Motive, die uns zu der Spende veranlaßt haben, wie dieselben sich in unserm ersten Schreiben an den Sultan fanden. Darauf erhielten wir die Antwort, daß die Regierung sehr gern die 500 Pfd. entgegennehmen werde, und es wurde uns auch angegeben, wie der Betrag zu übersenden sei. Der Präsident berichtet ferner über verschiedene von ihm mit maßgebenden politischen Persönlichkeiten geführte Unterredungen sowie über ein von einem Mitgliede des A.-C. eingesandtes Expose* bezüglich eines politischen Interviews. Präsident (fortfahrend): Über die Lage in Rußland, die leider nach wie vor eine traurige ist, werden Ihnen unsere Kollegen aus Rußland berichten. Jn England, wo unsere Gesinnungsgenossen sich doch der größten Freiheit erfreuen und der Zionismus große Sympathien genießt, ist die Lage nichtsdestoweniger fast noch schlimmer, als in Rußland. Wir werden über diesen Punkt noch ausführlich hier beraten müssen. Die Tagesordnung ist Ihnen bekannt. Wir haben als erste Punkte das Organisationsstatut und das Ehrengericht angesetzt. Mit dem Organisationsstatut quälen wir uns nun schon seit Jahrendie Jahreskonferenz hat uns eine bestimmte Aufgabe zugewiesen, mit der wir endlieh zu einem Ende kommen müssen. Das können wir nur, wenn wir diese wichtige Fräse, für die sonst keine Zeit übrig bliebe, zunächst in Behandlung ziehen. Diese Frage hängt auch bekanntlich mit der Finanzfrage zusammen, die von gleicher Wichtigkeit ist. Bezüglich des Punktes 4) Presse wird Ihnen Herr Dr. Jacobson einen Bericht erstatten. Den Punkt 6) Chalukah haben wir auf Wunsch unserer russischen Freunde auf die Tagesordnung gesetzt. Betreffs des Agrarkreditinstituts haben wir gestern Beschlüsse gefaßt, die wir der Agrarkreditkommission unterbreiten werden. Auch hierüber wird übrigens Herr Dr. Jacobson referieren. Die Herren Dr. Boden heimer und Dr. Katzenelsohn werden über den Nationalfonds bzw. über die Bank berichten. Auf Verlangen unserer russischen Gesinnungsgenossen werden wir auch über den Relief-Fonds beraten. Es sind drei Briefe zu verlesen, und zwar ein Bericht vom Palästina-Amte, ferner ein Brief von Herrn Dr. Marmorek, ein Schreiben von Herrn Jakob Moser und schließlich ein Brief des Herrn Clarence de Sola. Die Briefe werden verlesen. Der Präsident: Wir treten nunmehr in die Tagesordnung ein, und zwar kommen wir zum Punkte „Organisation". ß. Goldberg: Ich würde es für zweckmäßig halten, über die Punkte Presse und Finanzlage vor dem Punkte Organisationsstatut zu verhandeln. Präs. Wolffsohn: Ich halte das nicht für richtig. Erst wenn wir uns über die Organisation klar sind, können wir zu den andern Punkten Stellungnehmen. Ich bitte daher, die Tagesordnung beizubehalten. Dr. Boden heimer: Es liegt Ihnen allen ein Motivenberieht vor, der Ihnen allerdings erst in den allerletzten Tagen zugehen konnte. Die frühere Zusendung war mit Rücksicht auf c\ie Schwierigkeit der Materie nicht möglich. Ich halte es daher für notwendig, zunächst nur einige allgemeine Bemerkungen »zu machen, und hoffe, daß Sie nach Durchlesung des Berichts in die Lage kommen werden, sich genau zu äußern. Die leitenden Gesichtspunkte für die Beratungen der Organisationskommission waren, daß das Große Actions-Comite arbeitsfähig zu machen sei, daß die Leitung als eine kollegiale Behörde gestaltet werden müsse und daß die Föderationsfrage befriedigend zu lösen sei. Die Aufgabe, das A. C. arbeitsfähig zu machen, war eine außerordentlich schwierige, weil das A. C. die Tendenz hatte, sich fortwährend zu vergrößern. Ursprünglich sollte es 21 Mitglieder zählen, ist aber im Laufe der Zeit auf etwa 70 angewachsen. Wären beim Schluß des letzten Kongresses in der gewohnten Weise Neuwahlen vorgenommen worden, so hätten wir heute wenigstens 85 Mitglieder! Eine solche Körperschaft kann nicht regelmäßig arbeiten. Der einzige Ausweg war, daß man ihr einen repräsentativen Charakter gebe und nicht den

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