Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 46 (18.11.1910)
- Date
- 1910-11-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Mo. 46 DIE MKE LT 1223 Bevölkerung Führung angedeihen zu lassen und ihr den Weg in h die Zukunft zu weisen, * Genehmigen, Eminenz, unsern nationaljüdischen Gruß. Das Komitee. II. An das Sektioriskomitee des Turnvereins zu Balat. v* Meine lieben Herren! Im Auftrage Seiner Eminenz des Großrabbiners der Türkei teile ich Ihnen mit, daß derselbe zu seinem großen Bedauern trotz, seines sehnlichen Wunsches an Ihrem Feste nicht teilnehmen kann infolge einer Krankheit, an der er seit einigen Tagen leidet. Was den Wunsch betrifft, dem Sie in Ihrem letzten Schreiben Ausdruck geben, seine Meinung über Ihre Arbeit für den Fortschritt der hauptstädtischen Judenheit zu vernehmen, so wird er nicht verfehlen, ihm voll und ganz Rechnung zu tragen, sobald Sie eine Versammlung an einem passenden Orte organisieren werden. Seine Eminenz der Großrabbiner sendet Ihnen seinen Segen für Ihr Gedeihen und Ihren Fortschritt und bittet den Allmächtigen, das Ihr Werk ein fruchtbares und blühendes werde. Amen! Der Sekretär des Großrabbinats Isaac Sag es. Bemerkung des Berichterstatters: Dis griechische Lokal „Mnimosini" wird vom Großrabbiner als unpassender Ort bezeichnet. Aber der Makkabi war gezwungen, diesen Ort zu wählen, da das einzige passende Lokal, der Saal der Schule der Alliance, den Turnern, wie schon wiederholt, gesperrt worden war, obwohl er bei anderer Gelegenheit für nichtjüdische Feste zur Verfügung stand. Diese Tatsache hatte auch an dem Festabend selbst der Redner erwähnt im Zusammenhange mit allen übrigen Schwierigkeiten, die in bewußter Gegnerschaft die Alliance Israelile dem Wirken des Makkabi bereitet, um im Anschlüsse daran die ganze assimilatorische, zum Teil nach Reinachschem Rezept ganz unjüdische Erziehungsmethode dieser Gesellschaft in herben Worten zu geissein. Hier sei erwähnt, daß zu eben dieser Zeit ein Prozeß von Seiten des „Makkabi" gegen David Fresco, den Herausgeber des „Tiempo" wegen Verleumdung schwebte. Bekanntlich hatte dieser behauptet, daß der „Makkabi44 ein politischer Verein sei und eine antipatriotische Politik betreibe. Kein Wunder, daß der zitierte Brief des Großrabbiners, der dem „Makkabi" ein so prachtvolles Ehrenzeugnis ausstellt, David Fresco keine Freude bereitete. In diesem Zusammenhange wird der folgende Brief allein verständlich: III. Herrn Lucien Sciuto, Direktor der „Aurore" in Pera. Sehr geehrter Herr Direktor! Ich lese soeben in der letzten Nummer Ihres Blattes den Brief des Großrabbinatssekretariats an den Verein „Makkabi" von Balat, von Ihrem Kommentar und Ihren Folgerungen begleitet. Um nicht zu Mißverständnissen und Zweideutigkeiten Veranlassung zu geben, habe ich den Generalsekretär des Großrabbinates nach Prinkipo, wo ich noch immer das Bett hüte, kommen lassen, um ihm die folgenden Auseinandersetzungen zu diktieren, die ich Sie bitte, in Ihrer nächsten Nummer zu publizieren. Aus Höflichkeit und um nicht einen Brief ohne Antwort zu lassen, habe ich beim Empfang der Einladung des „Makkabi" dem Sekretariat eine mündliche Botschaft durch einen Kanzleibeamten übermittelt, oMe in folgenden Ausdrücken gehalten war: Mein Bedauern, an dieser Versammlung nicht teilnehmen zu können, 1. wegen Krankheit, 2. weil Ort und Zweck der Zusammenkunft mit der Würde eines geistlichen Oberhauptes nicht vereinbar waren, 3. was den Vortrag betrifft, den das Komitee des „Makkabi" von mir erbat, um für die Zukunft seine Richtlinie für die Regenerierung und den Fortschritt des osrnanischen Judentums kennen zu lernen, so ließ ich sagen, daß ich eine geeignete Gelegenheit ergreifen würde, um nach Balat zu kommen, um dieser Jugend einige Wahrheiten zu sagen, deren sie bedarf. Das sind die Aufträge, die ich übermittelt hatte. Es war mir natürlich infolge meiner Krankheit und der weiten Entfernung unmöglich gewesen, einen Blick auf ihre Abfassung zu werfen. Infolgedessen ist Ihre Besprechung meines Briefes meinen Ansichten nicht entsprechend, die ich mir übrigens vorbehalte, der Öffentlichkeit zu übergeben, um diese Jugend aufzuklären. Diese Ansichten hatten sich bei mir gebildet infolge der Konferenzen, die in verschiedenen Abteilungen des Vereins gehalten wurden. Sie haben eine gewisse Klarheit gewonnen nach der Rede, die auf dem Feste vom letzten Samstag von einem der hervorragendsten Redner des Vereins gehalten wurde. Die heftigen und aggressiven Ausdrücke in dieser Rede gegen die Alliance Israelite und ihr Werk sind nicht in der Form einer Kritik, sondern als Aufforderung, von den Worten zur Tat überzugehen, gefallen. Sind diese Ausdrücke wirklich so gewesen, wie man sie uns berichtet (was wir demnächst erfahren werden), so werde ich sogar gezwungen sein, die Ehre abzulehnen, die mir vor zwei Jahren zuteil wurde eines der Ehrenmitglieder des Vereins zu sein, denn ich betrachte diese Haltung als entgegengesetzt den Gefühlen, die ich für jenes Werk hege, zu dessen glühendsten Bewunderern ich gehöre, und als entgegengesetzt zugleich den Interessen des osrnanischen Judentums. Genehmigen Sie usw. Prinkipo, den 30. Oktober 1910. Der Großrabbiner der Türkei H. Nahoum. Bemerkung des Berichterstattters: Dieselbe Nummer der „Aurore", die diesen dem „Makkabi" selbst nicht zugegangenen Brief reproduzierte, brachte auch den Text derBalater Rede sowie ein formelles Dementi des Turnvereinspräsidenten, die beide die mangelhafte Informierung des Großrabbiners konstatierten und die Äußerungen, welche eine Aufforderung „zur Tat" bedeuten sollten, entschieden in Abrede stellten. Inzwischen hatte der Großrabbiner den Präsidenten des Turnvereins zu sich berufen, um die Zurücknahme der Klage gegen seinen Schützling zu veranlassen. Da aber der Großrabbiner es ablehnte, bevor dies geschehe, David Fresco die öffentliche Zurücknahme der von ihm gegen den „Makkabi" publizierten verleumderischen Beleidigungen vorzuschlagen, mußten die Ausgleichsverhandlungen natürlich scheitern. So ging denn, wie vorauszusehen, in zwölfter Stunde vor der Gerichtsverhandlung, der folgende Brief des Chachambaschi an den Turnvereinspräsidenten ab; IV. Sehr geehrter Herr Präsident! In Anbetracht dessen, daß die Informationen bezüglich der auf dem Feste der Makkabiabteilung von Balat gehaltenen Rede, von denen ich meinem unter dem 30. Oktober an die „Aurore" gerichteten und heute erschienenen Briefe sprach, mir bestätigt wurden und. ferner in Anbetracht dessen daß ich die von dem Vereine beobachtete Haltung als meinen Ansichten entgegengesetzt und den Interessen des Judentums abträglich betrachte, bedaure ich, die Ehre, eines der Ehrenmitglieder Ihres Vereins zu sein, ablehnen zu müssen. Genehmigen Sie den Ausdruck meiner besten Empfindungen. Der Großrabbiner der Türkei Haim Nahoum. Konstantinopel, den 4. November 1910. Mit diesem Briefe ist die von dem Angeklagten Fresco benötigte Situation geschaffen. Das Präsidium des „Makkabi" hat dem Großrabbiner folgendes Antwortschreiben zugehen lassen: Ew. Eminenz! Wir haben mit lebhaftem Bedauern von dem Inhalte Ihres Briefes vom 4. d. M. Kenntnis genommen. Noch ehe wir Gelegenheit haben, Ihre Demission dem Zentralkomitee zu unterbreiten, sehen wir uns verpflichtet, die Beschuldigungen, die Sie in Ihrem genannten Briefe formulieren, auf das entschiedenste zurückzuweisen. Wie wir bereits die Ehre hatten, Ihnen mündlich zu erklären, sind Sie bezüglich der Rede, die der Vizepräsident unserer Organisation in Balat gehalten hat, falsch informiert worden, und wir wollen Ihnen durch das gegenwärtige Schreiben zum zweitenmal ein kategorisches Dementi entgegenstellen. Was die von unserm Verein eingenommene Haltung betrifft, so können wir Ihnen nur wiederholen, daß unsere „makkabistische" Organisation in Konstantinopel keinen andern Zweck als den der körperlichen Hebung ihrer Mitglieder sowie den der Unterstützung und Förderung der Interessen des Judentums und unseres geliebten Vaterlandes verfolgt. Dies hat unser Verein durch seine fruchtbare und hingebungsvolle Arbeit bereits hinlänglich bewiesen. Aus diesem Grunde sind wir fest überzeugt, daß der Entschluß Ew. Eminenz lediglich dem Einfluß einer unserm Werke feindlichen Partei zuzuschreiben ist; andernfalls wäre es uns unbegreiflich, wie Ew. Eminenz eine Organisation wie die Makkabi als den Interessen des Judentums zuwiderlaufend ansehen können. Wir können auch nicht umhin, unserer Meinung Ausdruck zu geben, daß Ihr gegenwärtiger Entschluß, der uns so unerwartet, gerade in einem Momente trifft, wo wir im Begriffe sind, gegen einen unserer Verleumder einen Prozeß anzustrengen, — in Anbetracht