Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 45 (11.11.1910)
- Date
- 1910-11-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1196 DIEÄELT Ho. 45 AUS DER BEWEGUNG i o o o o o o c T 3> o o o o o o o Sitzung des Aktions-Comites Die für dep 22. November ds. Js. und die folgenden Tage nach Berlin einberufene Sitzung des Aktions- Comites sowie die verschiedenen Banksitzungeh und die Sitzung des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds werden im Elite-Hotel (Neustädtische Kirchstraße 9, am Bahnhöf Friedrichstraße) stattfinden. Sitzungstafel: Sonntag, den 20. November nachmittags 3 Uhr: Direktorien der Banken. Montag, den 21. November vormittags 10 Uhr: Engeres Aktions- " Comite. Mittwoch, den 23. November nachmittags 4 Uhr: Aufsichtsrat des Jewish Colonial Trust. Donnerstag, den 24. November vormittags 9 Uhr: Direktoriuni des Jüdischen Nationalfonds. 8o. Geburtstag Dr. Karl Lippes Am kommenden Mittwoch vollendet Dr. Karl Lippe in Jassy, der Alterspräsident des ersten Kongresses, sein 80. Lebensjahr. Der greise Arzt wird diesen Tag im engsten Kreise seiner Familie, bei seinen Kindern in Przemysl (Galizien) begehen. Mit den rumänischen Zionisten wird wohl die gesamte zionistische Organisation unter den Glückwünschenden sein und dem Jubilar, den sie ungeachtet mannigfacher Differenzen nicht aufgehört hat zu den Ihren zu zählen, einen ruhigen und heiteren Lebensabend, volle und ungetrübte geistige Frische wünschen. Wie uns aus Jassy berichtet wird, rüstet die dortige jüdische Einwohnerschaft zu einem Fest, das vor der , Abreise Dr. Lippes nach Galizien veranstaltet werden wird. Oberrabbiner Dr. Niemirower, der Präsident der Bnei-Brith-Loge, deren Ehrenpräsident Dr. Lippe ist, Primararzt Dr. Burstin und der Schriftsteller Dr. Steuermann werden hierbei Ansprachen halten. Ei-n zionistischer Lord Mayor Unser Gesinnungsgenosse, Mitglied des A. C, Herr Jacob Moser in Bradford (England) ist am 9. d.M. in sein Amt als Lord Mayor von Bradford eingeführt worden. Er ist der erste Zionist, der diese Würde in England bekleidet. Herr Moser, der im Jahre 1839 zu Kappeln in Preußen geboren wurde, ist seit 1863 in Bradford ansässig. Er hat an der Verwaltung aller wichtigen Institutionen dieser Stadt, hauptsächlich jedoch an der königlichen Krankenanstalt, regen Anteil genommen und bekleidete auch das Amt eines Friedensrichters. Herr A^oser, der schon seit mehreren Jahren dem Stadtrat zuerst als „Councillor" und dann als „Alderman" angehört hat, wird nun als Lord Mayor während der nächsten 12 Monate als Vorsitzender des Stadtrates fungieren. Henry Dunant gestorben In einem Schweizer Sanatorium ist Henry Dunant, der Samariter von Magenta und Solferino, der Urheber der Genfer Konvention, hochbetagt gestorben. Henry Dunant, der in Genf, der Vaterstadt Rousseaus,. im Mai 1828 als Sohn einer protestantischen Patrizierfamilie geboren worden war, war ein Feind jeglicher .Unterdrückung. Er hat sich nicht allein gegen die Schrecken des Krieges gewendet und das Rote Kreuz schaffen geholfen. Er hat im Jahre 1858 ein flammendes, entrüstetes Buch gegen die Sklaverei in. Amerika geschrieben. Er war auch einer der ersten Philozionisten, ja einer der ersten politischen Zionisten. Er verstand es, daß dem Judentum mit Philanthropie nicht geholfen werden könne, sondern nur durch-werktätige, organisierte, großzügige Arbeit. 1864 erörterte er den Plan einer großzügigen Ansiedlung der Juden in Palästina mit dem Kardinal MermiÜod und mit Napoleon HL, der sich für den Plan sehr eingenommen zeigte. „Aber", so klagte Dunant, „der Eifer der Israeliten war sehr schwach!" Weder die Alliance Israelite, noch Baron Rothschild in Frankfurt, noch die Baroninnen Adolphe und James Rothschild, noch Albert Cohen und der Bankier Mires interessierten sich für Dunants Gedanken. Nur einer verstand ihn: Moses Montefiore. „Ich hatte",schrieb Dunant, „große Hoffnung, aber er war zu alt." Cremieux empfing ihn sehr liebenswürdig, blieb aber kalt. 1866 war Dunant in Berlin. „Im Jahre 1866 in Berlin, auf der Höhe des Ruhmes, nach dem preußisch-österreichischen Krieg vom Hofe und den vornehmsten Familien empfangen, wirkte ich für die zionistische Sache bei den Bankiers Bleichröder, Jacques usw., aber es war fruchtlos." Dunant ließ sich nicht abschrecken. Er setzte seine Bemühungen fort, bis der erste Kongreß kam, den er in einem enthusiastischen, an Dr. Farbstein gerichteten Schreiben begrüßte.- In Henry Dunant hat unser Volk einen edlen Freund, unsere nationale Sache einen begeisterten Arbeitsgenossen verloren. Die neue „Hazefirah" Alle Freunde der hebräischen Sprache und Literatur werden mit Genugtuung die frohe Botschaft vernehmen, daß die von unserm ausgezeichneten Gesinnungsgenossen und Mitarbeiter Nahum Sokolow 35 Jahre lang meisterhaft redigierte „Hazef irah/Vdie vor einigen Jahren infolge der russischen Revolutionswirren ihr Erscheinen einstellen mußte, seit kurzem wieder in Warschau unter der altbewährten Redaktion Sokolows als Tagblatt erscheint. Die ersten 15 Nummern der altneuen Zeitung, die uns vorliegen, zeigen uns die „Hazefirah" auf einer achtunggebietenden publizistischen Höhe, die diejenige der alten „Hazefirah" nicht nur erreicht, sondern in mancher Beziehung noch erheblich übertrifft. Sowohl der allgemein politische wie der jüdisch-publizistische, der Nachrichtenwie der Feuilletonteil sind außerordentlich gediegen und reichhaltig. Die lebendige Aktualität des Blattes wird durch die an. erster Stelle erscheinende Rubrik „Hajom" (Der Tag), die in kurzen Strichen die täglichen Vorkommnisse des politischen und gesellschaftlichen Lebens verzeichnet, bedeutend erhöht. Im Feuilleton begegnen wir auch unserm lieben alten Bekannten, dem „Sabbathgast" (Oreach Le- Sabbath), der in geistsprühender und sehr sinniger Weise über die bemerkenswerten Ereignisse der Woche plaudert. Wir wünschen dem neuen Zeitungsunternehmen, das eine so bedeutsame Bereicherung der hebräischen gesinnungsgenössischen Presse darstellt, von Herzen volles Gedeihen und rufen insbesondere dem verehrten Redakteur und Herausgeber Nahum Sokolow ein herzliches Glückauf! zu.