Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 44 (4.11.1910)
- Date
- 1910-11-04
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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; iro kleinen Entchen abgesetzt hat. Die AlliäVc^0JiivSalonik ist Gefahr; der zionistische(sie!, Hilfsverein 'der14^t's<6h<eTi Juden v. ill sie herausbugsieren und sich an ilrre" .öie'lfoar- $e\taenr; die AÜiance gibt 25 (XO Franken jährlich, derSaloniker 'Gemeinde, er Hilfsverein. biete-mehr. Und schließlich eine herzbrechende Wehklage: der französische Einfluß, dem die Alliance mit ihren UOO französisch unterrichteten Kindern in Mazedonien erste Stütze ewesen sei, gerate ins Wanken durch diesen gefährlichen Hilfserein, der von der deutschen Regierung unterhalten und voreschoberi werde .... ' T ' Der Pariser Leitung der Alliance muß etwas Schwül geworden oin bei Kenntnisnahme dieses Tempsartikels. Die Vertretung •aiizösischen Einflusses ist nämlich heutzutage in der Epoche er Auleihegesehichten gar keine gute Empfehlung in der Türk ei! Tnd die Lüge, die da dem Hilfsverein angehängt wird, gar kein Schaden! Was wird' übrigen & die deutsche Konferenzgemeinschaft ler Alliance dazu sagen, daß 6000 Alliancekinder in Mazedonien ranzösische Vorposten sein sollen? Das ist aber noch nicht alles. Die Lorbeeren des Saloniker Allianzretters haben einen Konstantiuopeler Mitarbeiter der ,Turquiew nicht schlafen lassen. Auch er schwingt das rote Tuch ler deutschen Propaganda, und noch fürchterlicher als joner. Er >eriehtet nicht mehr und nicht weniger als die Gründung einer leuen Alliance, einer Konkurrenzalliance, einer deutschen Alliance, iie zwei Millionen Kapital auf das orientalische Judentum losrissen werde, um es mit Hilfe zahlloser, ausschließlich auf der leutschen Sprache basierender Schulanstalten zu germanisieren. Armes, armes türkisches Judentum! Ärmere Alliance israelite mi vor seile! Türkische Abendkurse Einstweilen fährt der Hilisverein der Deutschen Juden fort, mit Hilfe seiner Schulen nicht zu germanisieren, sondern, den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechend, sie mit allen nötigen Bildungsmitteln *zu versorgen. So werden jetzt die türkischen Abendkurse, die bisher nur in seiner Gr Torahschule zu Gnlata abgehalten wurden, auch in seine Balater Anstalt übertragen. Der Hilfsvereinslehrer Marco Schmyl, der Begründer der sich über die ganze europäische Tüikei verbreitenden „Tamirn lissan", ler türkischen Sprachvereinigung, hat in der Achridaschule zu Balat vergangene Woche einige Quartiernotabeln zur Bildung;ines Lokalkomitees zusammenberufen. Mit den Abendkursen wird binnen kurzem begonnen werden. Aus Saloniki hat man sich an die hiesige „Tamim lissan" gewendet, um die Unterlagen für eine Saloniker Zweigorganisation zu erhalten. Jubelfeiern zu Ehren Ben Jehudas Am 23. Oktober fanden in vier Stadtteilen Konstantinopels festliche Veranstaltungen zu Ehren des Jubilars Ben Jehuda statt, in denen die jüdische Bevölkerung durch Vorträge in hebräischer, französischer, spaniolischer und deutscher Sprache mit der Persönlichkeit und dem Wirken des großen Hebraisten bekannt gemacht wurde. Aus Saloniki In Saloniki ist eine spaniolische Tageszeitung unter dem Namen „La Verdad" („Die Wahrheit") gegründet worden. — Durch einen Waisenverein wird in Saloniki oin zweiter hebräischer Kindergarten, vorläufig für 40 Kinder, eröffnet. Palästina Genossenschaftliche Strömungen unter der jüdischen Arbeiterschaft Die Pächtergenossenschaft, welche die Palestine Land Development Co. in Um el Djuni am Jordan neben ihrer Farm Kiuereth im verflossenen Winter begründet hat, wird demnächst ihr erstes Ernte- und Bilanzjahr abschließen. Der Jahresabschluß wird wahrscheinlich die Verteilung eines mäßigen Gewinns an die Gesellschaft und die einzelnen Genossen, welche außerdem regelmäßige Arbeiterlöhne im Laufe des Jahres bezogen haben, erlauben. Im allgemeinen ist dieser im kleinen Maßstahe unternommene Versuch, der als Vorläufer der groß angelegten Siedlungsgenossenschaft nach dem Plane von Oppenheimer zu betrachten ist, als geglückt zu bezeichnen. Die Arbeit der Genossen war im Laufe .des ganzen Jahres überaus fleißig, die Wirtschaftsführung sehr besonnen und sparsam, das Freundschaftsverhältnis zwischen den einzelnen Genossen, trotzdem sie zwei verschiedenen Arbeiterorganisationen angehörten, andauernd ungetrübt. Diesem Unistande auch ist hauptsächlich der günstige Ausgang des Jahres zu verdanken, da der Eifer und die Ausdauer der Genossen in erster Linie Schwierigkeiten, wie den späten Beginn der Arbeit, die erschwerte Beschaffung von Nahrungsmitteln infolge der Abgelegenheit des Ortes, schwere hygienische Bedingungen infolge pi-jOvisorischeingerichteter Uuterkunffcsstätten, überwinden konnten. Dieser Versuch soll nun im nächsten Jahre in etwas vergrößertem .Maßsrabe fortgesetzt werden. Eino Arbeitergruppe, die schon seit längerer Zeit eine kommunistische Wirtschaft führt, hat sich zur Ühernahme dieses Bodens angemeldet. Auch für die Oppenheimersche Siecllungsgenossenseh aft hat sich bereits eino größere Gruppe von Arbeitern organisiert. Auch in Ben-Sehamen bei Lydda beabsichtigt eine kleine Gruppe von Arbeitern, den Körneibau als Genossenschaft in eigene Kegie zu übernehmen. Im allgemeinen scheinen die genossenschaltlichen Bestrebungen unter der Arbeiterschaft Anklang zu finden und werden, wenn sie sich in Zukunft im breitem Umfange bewähren, zu den besten Mitteln gehören, um die Arbeiter dauernd dem Lande zu erhalten. Fremdenhaß in Haifa Haifa, 10. Okt. Seit der Ermordung Fritz Ungers ist das VerhHltniszwisehen der arabischenBevölkerung und den Europäern, insbesondere den Deutschen, ein sehr gespanntes. Der Haß wird insbesondere durch ein von christlichen Arabern geleitetes Organ „Der Kännel" geschärt. Leider mußte der Lehrer am Jt-rusaiemer Lehrerseminar des HilfsVereins, Dr. Tachauer, der zum Ferienaufenthalte hier weilte, die Folgen dieses Hasses an sich erfahren. Als er abends in Gesellschaft einer Dame spazieren ging und mit ihr in deutscher Sprache sich unterhielt, wurde er von hinten überfallen. Es wurde ihm ein Messerstich in den Rücken versetzt, infolgedessen er ohnmächtig niederfiel. Die erste Hilfe wurde ihm von seinem Freunde Dr. Auerbach zuteil. Es sind zwar aus Konstantinopel Polizeisoldaten eingetroffen, welche in Patrouillen die Stadt durchstreifen, doch reicht dies noch nicht hin. Solange die PoLzei die Missetäter nicht ausfindig macht und sie exemplarisch bestraft, wird die Ilulu1 nicht gesichert sein. Raubmord bei Rechoboth Rechoboth, 8. Okt. In der Nähe unserer Kolonie wurde einer unstrer Arbeiter, ein J einenite, von einem arabischen Raubmörder überfallen und dmch einen Revolverschuß niedergestreckt. Der Mörder raubte bei seinem Opfer 40 Fi es., die er als Arbeitslohn bei sich hatte. Der Mörder ist noch nicht festgestellt; jedoch sind einige, die des Verbrechens verdächtig sind, verhaftet worden. Rückkehr Dr. Kohan=Bernsteins nach Rußland Am 12. Oktober hat Herr Dr. Kohan-Bernstein mit seiner Familie Palästina verlassen und sich nach Rußland begeben. Trotz eingehender Bitten von verschiedenen Seiten, daß er in Palästina verbleibe, hat Herr Dr. Kolian-Bernstein auf seinem Entschluß beharrt, indem er behauptete, in Rußland ein größeres Betätigungsfeld in der zionistischen Partei für sieh zu linden, als in Palästina. Häuser für Bezalelarbeiter in Ben-Schamen bei Lydda Von den Häusern, für deren Erbauung der Nationalfonds dem Verein Bezalel eine Anleihe gewährt hat, sind zwei beinahe schon fertig und von der Ferne sichtbar. Hoffentlich werden bis zum Umzugstermin auch die weitem Wohnhäuser und eine große Werkstatt fertig werden. Die Häuser liegen an der Grenze des Nationalfondsbodens auf einer Anhöhe und sind so angelegt, daß jedes Haus von einem Garten von 4 I) uiam (für jede Familie je 2 Dunam! umgeben sein wird. Das Klima ist hier besonders gut, so daß der Aufenthalt der jemenitischen Familien, die an enge und unsaubere Wohnungen in Jerusalem gewohnt sind, in diesem Platze eine wahrhafte Erholung werden wird. Man findet an dieser Stelle zahlreiche Spuren aus aitjüdischer Zeit, insbesondere auch in Stein gehauene Gräber und mehrere Zisternen, zum Teil von ganz besonderer Tiefe.