Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 51 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1356 DIE 3^ Hingegen vermissen wir leider anderseits ca. 40 Ortschaften, die wir im vorigen Jahr verzeichnen konnten. Natürlicherweise spielt hier auch der Zufall eine große Rolle, so daß manchmal zufälliger-; weise aus irgendeinem vergessenen Winkel eine Spende eintrifft. In den meisten dieser Orte sollten jedoch unsere Freunde diese stille Mahnung beherzigen, die Zeugnis dafür ablegt, daß unsere nationale Institution im letzten Jahre ohne ihre Unterstützung geblieben ist. . . . Wir sagten es längst und wiederholen es noch einmal, daß unser Fonds des guten Willens und der energischen Arbeit alier unser Gesinnungsgenossen bedarf. Tabelle 2. Eingegangen aus in den 10 Monaten des Jahres 1908 Rubel | Kop. Im Jahre Rubel 1909 Kop. Gouv. Jekaterinoslaw . 411 1 25 1128 87 Poltawa .... 290 49 1135 66 Stadt Baku'..... 272 | 96 1265 60 Warschau ... 1095 02 2301 78 Woronesch. . . 325 16 658 92 Kischinew . . . 596 26 237 08 Moskau . . . 1675 75 3507 12 Odessa .... 876 39 1567 07 Publikationen des Nationalfonds Auch in diesem Jahre waren wir bemüht, den Nationalfonds in der weitesten Öffentlichkeit zu propagieren und gaben folgende Broschüren und Flugblätter heraus: 1. Der Jüdische Nationalfonds, seine Arbeit in der Vergangenheit und der nächsten Zukunft, von Dr. E. W. Tschlenow. 2. Rechenschaftsbericht für das Jahr 1908 in Hebräisch mit einer Einleitung von Dr. Tschlenow. 3. „Die Büchse", Flugblatt (jüdisch), 4. „Der neunte Ab", Flugblatt (jüdisch), 5. „Brüder und Schwestern", 6. „Was kann und soll jeder Jude für den Jüdischen Nationalfonds tun" (russisch), 7. „Was kann und soll jeder Jude für den Jüdischen Nationalfonds tun" (Neuauflage, jüdisch), 8. 5 Zirkulare (hebräisch), 9. Der Jüdische Nationalfonds, sein Ziel und seine Organisation, von J. L. Berger, 10. Statuten des Jüdischen Nationalfonds (russisch), 11. Broschüren, die seinerzeit vom Wiener Bureau herausgegeben wurden, 12. In den baltischen Provinzen verbreiteten wir außer den obigen Schriften auch jene des Hauptbureaus in deutscher Sprache, wie Purimflugblätter usw. Zu unserm Bedauern müssen wir bemerken, daß es uns noch nicht gelungen ist, eine polnische Broschüre herauszugeben. Wenn auch die hebräischen und jüdischen Schriften dort ebenso wie in den russischen Städten verbreitet werden, halten wir eine polnische Broschüre doch für notwendig. Wir hoffen, daß unsere polnischen Gesinnungsgenossen, an die wir uns in dieser Angelegenheit wandten, diesem Mangel bald abhelfen werden. Eine mündliche Agitation konnten wir nur zeitweilig durch zu-, fällige Reisen einzelner Gesinnungsgenossen entfalten. Durch die mündliche Propaganda wird das Interesse für unsern Fonds leicht geweckt und die Einnahme vermehrt. Wir halten uns verpflichtet, unsern herzlichen Dank jenen Gesinnungsgenossen auszudrücken, die auf ihren privaten Geschäftsreisen für den Nationalfonds wirken. Durch eine ununterbrochene Korrespondenz mit den lokalen Vertrauensmännern suchten wir dieselben zu eifriger Arbeit anzuspornen. Mit ganz besonderer Genugtuung [ELT--- No. 51 stellen wir fest, daß neunundneunzig Prozent unserer gesamten Korrespondenz in hebräischer Sprache geführt wurde. Nur hier und da bat ein Freund des Nationalfonds, ihm in russischer oder jüdischer Sprache zu schreiben, weil er nicht Hebräisch lesen könne. Selbstverständlich haben wir diesem Verlangen Rechnung getragen. Ausgaben Wie wir im vorigen Berichte bekanntgaben, betrugen unsere Ausgaben im ersten Jahre 15°/o; in diesem Jahre gelang es uns, unsere Prophezeihung zu erfüllen und unsere Spesen aus den 10% von den gewöhnlichen Einnahmen zu decken. Von der außerordentlichen Spende der Frau Klur wurde nichts abgezogen und alles dem Nationalfonds zugeführt. Schlußwort Wir sehen also, daß die Eingänge gleich wie im Jahre 1908 fortwährend zunehmen und daß wir auch weiter den ersten Platz unter allen Ländern behaupten können. Das ist gewiß erfreulich, aber wir dürfen diese Tatsache nicht überschätzen. Wo Licht, ist auch Schatten, welcher unsere Freude ein wenig herabstimmt Nach der Statistik des Hauptbureaus bringen wir nachstehend folgende Tabelle: Eingegangen aus in Mark Reihenfolge nach den absoluten Eingängen Durchnitt per Kopf (Reihenfolge nach; den relativen | Eingängen Rußland . . . 128.964«) 1 2.47 18 Österreich . . 67.854 2 5.54 14 Deutschland . 48.507 3 7.98 10 Rumänien . . 43.4162) 4 16.28 4 Nordamerika . 36.246 5 2.03 19 Südafrika . . 22.685 6 57.97 1 Aus dem Vorstehenden ergibt sich, daß Rußland, sobald wir die Eingänge per Kopf rechnen, von der ersten auf die achtzehnte Stelle kommt. Nach den Beträgen, die aus Rußland eingehen, kommt auf jeden von uns etwas über eine Kopeke! Der Grund, daß uns Deutschland und Südafrika voraus sind, ist leicht zu verstehen: die Lage unserer Brüder in diesen Ländern ist eben bedeutend besser als die unsrige. Wir bleiben aber selbst hinter Österreich und, was noch mehr ist, hinter Rumänien zurück. Dieses Land der Drangsalierung und Bedrückung unserer Brüder führte aus den gewöhnlichen Einnahmen doppelt so viel dem Volksschatz zu,, als wir es taten. Daraus ersehen wir, wie winzig unser Fortschritt ist und welch große und schwere Arbeit noch vor uns liegt. Die Arbeit war bis jetzt nur ein Anfang, wenn auch ein guter Anfang. Er möge uns ein Zeichen sein für das gesegnete Arbeitsfeld, das vor uns liegt, gleich dem alten Lande unserer Väter. Wie wenig zahlreich sind auch dort die Stätten, wo zwischen Sand und Steinen mächtige und kostbare Fruchtbäume emporblühen. Es ist nur eine geübte und iebevolle Hand erforderlich, die das Unkraut ausrodet, den Samen in den Boden senkt, damit die Pflanze aufschießt und das Hundertfache vergelte. Die Bäume gedeihen dann ohne besondere Pflege und Mühe schon von selbst. Denn das Herz unseres Volkes schlägt für das Land unserer Väter. Wir sehen zuweilen einen Juden, dessen Herz im schweren Lebenskampf erstarrt ist. Die fremde Umgebung verschlingt ihn und er kehrt seinem Volke und dessen Vergangenheit den Rücken, vergißt die Leiden und Hoffnungen Israels. Woher soll ihm das Gefühl, 1) In diesem Betrag ist auch eingeschlossen die Spende der Frau Klur mit 3000O Mark. 2) In diesem Betrag ist auch eingeschlossen die Summe von 22 000 Mark als eine von den Chowewe Zion in Rumänien dem Nationalfonds übergebene Spende.