Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 127)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 41 D1E3SELT 1121 hier Generalversammlung, die statutenmäßig zu Beginn des Sommers hätte stattfinden müssen. Nach dem darauffolgenden Kassenbericht hat der Berliner Lokalverein dem Zentralkomitee des Esra-Verbandes im verflossenen Jahre etwa 22000 Mark überwiesen. Die Debatten eröffnete Dr. Walther Friedemann mit einer scharfen Kritik an der Untätigkeit des Vorstandes, der während des Berichtsjahres nicht eine einzige Vorstandssitzung anberaumt habe. Die Verspätung der Generalversammlung um ein halbes Jahr habe unter den Mitgliedern Befremden und Unzufriedenheit hervorgerufen. Dorn, der zugleich auch Vorsitzender des Zentralkomitees ist, müsse von der Leitung des Lokalkomitees zurücktreten. Es sei notwendig, neue, jüngere Kräfte heranzuziehen. In demselben Sinne sprach auch Dr. Arthur Hantke, der eine Reorganisation des Vereins verlangte. Dr. Hans Gideon Hey mann wies besonders auf das wachsende Interesse für Palästina in weiten Kreisen der Berliner Judenheit, hin das große Möglichkeiten für eine erfolgversprechende Wirksamkeit des Vereins bei tüchtiger Agitation biete. Auch Herr Gustav Spiewkowski trat für die Heranziehung von jüngern Kräften ein, die den Sauerteig und das treibende Element in der Vereinstätigkeit bilden würden. Unter starkem Beifall gab Konsul Friedemann, Mitglied des Zentral- und Lokalkomites, die Berechtigung der Kritik zum Teil zu, und erklärte seine Zustimmung zur Verjüngung der Leitung. Die darauffolgenden Vorstandswahlen brachten den Sieg der von den Zionisten vertretenen oppositionellen Richtung. Es wurden gewählt: Direktor Dorn, Ehrenvorsitzender; Justizrat Dzialoczynski, I. Vorsitzender; Professor Sobernheim und Professor Mittwoch, Schriftführer und II. Vorsitzender; ferner u.a. Hantke, Heyrrrann, Friedemann, Spiewkowski und F. Wagner. Außer den Vorstandsmitgliedern wurden noch sieben andere Herrn als Delegierte zu der am 9. Oktober in Berlin stattfindenden Generalversammlung des Esra-Verbandes gewählt. Elberfeld. Hier hat sich eine zionistische Ortsgruppe „Ivria" für Barmen-Elberfeld gebildet. Die Ortsgruppe zählt 30 Mitglieder. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Rechtsanwalt Dr. Bernstein, Elberfeld, als Ehrenvorsitzender, Bankier Willy MJeyer, Schwelm, 1. Vorsitzender, Kaufmann Sally Goetze, Barmen, 2. Vorsitzender, Kaufmann Bernhard Stern, Elberfeld, Schriftführer, Kaufmann Hermann Halber, Elberfeld, Kassierer. Vereinslokal: Restaurant Jäger, Große Klatzbahn. Gailingen (Bezirk Konstanz). Vor einem relativ sehr zahlreich erschienenen Publikum sprach am 25. September Herr cand. jur Ducas-Freiburg über die Psychologie des modernen Juden; ferner referierte Herr Dr. Meinrath, Konstanz über den XII. Delegiertentag fn Frankfurt. Beide Referenten fanden mit ihren Ausführungen den Beifall der Anwesenden. Unsere Ortsgruppe zählt jetzt 40 Mitglieder. Köln. Am 8. Oktober veranstaltete die hiesige zionistische Vereinigung ihre erste öffentliche Versammlung in dieser Saison, die von ca. 150 Personen besucht war. Der Vorsitzende, Herr M. Goldreich, begrüßte die Erschienenen und hieß besonders den Ehrenpräsidenten der Ortsgruppe, Herrn Dr. Bodenheimer, sowie die vollzählig erschienenen Köln-Bonner Mitglieder des Bundes Jüdischer Korporationen willkommen. Herr N. Groß sprach über „die Tätigkeit des jüdischen Nationalfonds in Palästina". Nachdem der Redner einen kurzen Oberblick über die verschiedene Sammelmittel des N. F. gegeben hatte, beleuchtete er dessen Tat gkeit in Palästina vornehmlich vom prinzipiellen Standpunkte aus. Seine Ausführungen fanden reichen Beifall; sie wurden ergänzt durch die Übersicht, welche in der dem Vortrag folgenden Diskussion der Vorsitzende des Direktoriums des jüdischen Nationalfonds, Herr Dr. Bodenheimer, über die realen Leistungen des J. N. F. bot. An der Diskussion beteiligten sich ferner die Herren Alexander, Reinhard, Goldreich und Dünner, welch letzterer der Vereinigung die Grüße der Nürnberg-Fürther Ortsgruppe überbrachte. Der Vorsitzende teilte mit, daß anläßlich der Tagung des Großen A.-C. in Köln am 22. November des Jahres eine öffentliche Versammlung stattfinden werde, und daß die Mitglieder der Ortsgruppe und ihre Freunde von jetzt ab regelmäßig an jedem Samstag abend im Hotel Berlin zur Besprechung zionistischer Fragen zusammenkommen würden. Für den jüdischen Nationalfonds wurde mit gutem Ergebnis gesammelt. Österreich Czernowitz. Unter dem Namen Jüdisch-akademischer Kulturverein, ist hier ein neuer Studenten verein gegründet worden, dessen Bestrebungen, — wie schon sein Name besagt, — rein kulturelle sind. Der Verein wird seine besondere Aufmerksamkeit den wirtschaftlichen Verhältnissen der Ostjuden im allgemeinen und der Bukowinaer Juden im besondern zuwenden. Die Wahl für das Wintersemester ergab folgendes Resultat: Obmann Abraham E. Reiner stud. phil., Obmanns Stellvertreter Edmund Melzer stud. jur., Schriftführer Pinkas Sc hör stud. jur. Jüd. akad. Verein „Emunah". Die Chargen wählen für das laufende Wintersemester ergaben folgendes Resultat: phil. Julian Silberbusch X (Präsens); iur. Hermann Glaser XX (Vizepräses)'; iur. Josef Wassermann XXX (Schriftführer). Wie im Vorjahre veranstaltet die „Emunah" auch in diesem Wintersemester ein zionistisches Seminar, das SpezialVorträge über hervorragende Persönlichkeiten in der zionistischen Bewegung, über Palästina uff. bringen wird. Auch wird ein jüdisches Jahrbuch herausgegeben werden. Kolin. Am 6. Oktober ist auf Schloß Radbor bei Kolin der Großgrundbesitzer und Zuckerfabrikant Bernhard Mandelik, Ehrenmitglied des Volksvereins „Zion", gestorben. Er war ein treuer Anhänger unserer Bewegung und hat vor einigen Jahren Palästina bereist. Komotau. Bei den Ende September hier vorgenommenen Neuwahlen in den Vorstand der Kultusgemeinde sind die zionistischen Kandidaten trotz einer heftigen Gegenagitation wiedergewählt worden. Prag. Der Distriktstag der Zionisten Böhmens ist für den 6. November einberufen worden. Am 30. Oktober wird hier Dr. Franz Oppenheimer aus Berlin in öffentlicher Versammlung über die Siedlungsgenossenschaft sprechen. Wien. (Jüdisch-akademischeVerbindung „Joria". Die Chargenwahlen für das Wintersemester 1910/11 ergaben folgendes Resultat: J. U. C. Fritz Singer X; ing. Otto Eisler XX; J. U. C. Ernst Hornung XXX. Die Verbindung wird auch heuer durch Veranstaltung von Vorträgen und Diskussionsabenden um die Verbreitung unserer Idee in der weiteren Öffentlichkeit bemüht sein. Australien Sidney. Am 15. August fand eine Sitzung der Siduey- Zionist Society statt. Eine erledigte Ausschußstelle wurde Herrn Samuel Ac km au n übertragen. Nach Verlesung der eingelaufenen Zuschriften, darunter auch solcher des Zentralbureaus in Köln, wurde beschlossen, den Namen des verstorbenen Königs Eduard VII. zum Zeichen der Dankbarkeit für seine Güte gegenüber der jüdischen Nation und als Merkmal der Loyalität der Juden für den britischen Thron in das Goldene Buch einzutragen. Der Ehren-Schatzmeister wurde beauftragt, den hierfür notwendigen Betrag an den Jewish Colonial Trust Limited zu überweisen. Es wurde ein Brief des Herrn Jaffa Solomon, Fidschi, verlesen, in dem derselbe mitteilt, daß er mittels der N.-F.-Büchsen seit seiner letzten Absendung wieder über £ 7 gesammelt hat. Neue Nationalfondsbüchsen werden in kurzer Zeit ausgeteilt werden. — Unter der Ägide der Society wurde am 11. September ein Jugend verein gegründet. Südafrika Aus dem letzten Bericht über die Sitzungen des Exekutivkomitees der südafrikanischen zionistischen Föderation sei folgender Auszug reproduziert: Propaganda. Es wurden Vorbereitungen für die Agitation*- reise der Frau B. Pevsner getroffen. In Johannesburg, Krügerdorf, Benoni imdPrätoria wurden erfolgreiche Versammlungen abgehalten. Naturalisierung. Der Sekretär der Föderation berichtete, daß mehrere neue Gesuche um Naturalisierung vorlägen. Diese seien einer Prüfung unterzogen worden, während zwei andere in der Berichtsperiode bewilligt wurden. (Bekanntlich ist die Leitung der südafrikanischen zionistischen Föderation von der Eegierung mit den Funktionen einer Einwanderungsbehörde betraut.) Urlaub. Dem Präsidenten Hyman Morris wurde die Verlängerung seines Krankheitsurlaubs bewilligt. Literatur. Es wurde von den Kabbinern Dr. J. L. Landau und Dr. J. H. Hertz eine Liste von Büchern judischen Inhalts erbeten, um auch auf diesem Gebiet propagandistisch zu wirken. Einwanderung. Der Sekretär berichtete, daß in zwei Fällen für Einwanderer, denen Schwierigkeiten bei der Immigration gemacht wurden, interveniert worden sei. König Eduard VIL-Ölbaumhain - Gedäcli tnisfonds. In Erwiderung auf einen Vorschlag des Johaunisburger Komitees zur Stiftung eines König Eduard VII.-Ölbaumhain-Gedächtnisfönds, die Subskription für diesen Fonds unter den Gesinnungsgenossen auf der ganzen Welt zu eröffnen, wurde beschlossen, beim Hauptbureau des Nationalfonds in Köln anzufragen, ob dies möglich wäre, und wenn nicht, ob es ratsam wäre, eine solche