Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 37 (16.9.1910)
- Date
- 1910-09-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nü. 37 DIEl^ELT 903 Daß die Veröffentlichung obiger Ziffern manchen Zionisten zu e er Gegenüberstellung von „Chalukkah und Nationalfonds" ver-; iassen konnte, ist begreiflich. Haben ja die Chalukkah und der F. ein gemeinsames Tätigkeitsgebiet — Palästina — und bedienen h beide der Büchse als Sammelmittel. Es liegt jedoch kein Grund r, sich über das Mißverhältnis zwischen den Eingängen für die lalukkah und für den Nationalfonds zu wundern. Wir müssen nächst berücksichtigen, daß die Chalukkah eine ziemlich alte stitution ist, während der N.-F. seinen Kinderschuhen noch.nicht twachsen ist. Es ist ferner ein Irrtum, wenn Herr Rabbiner ■\ Baer meint, daß hier keine religiösen Gefühle mitspielen. Schon e Bezeichnung „R. Meir baal Ness" beweist das Gegenteil. Und tsächlich hat die Chalukkah einen ausschließlich religiös-wohl- :igen Charakter, dank welchem sie sich einer außerordentlichen »pularität, namentlich in den Kreisen der frommen Juden, erfreut, enn z. B. solch unbedeutende Orte wie Lisko, Jaryczöw, ubaczöw u. a. Beträge von mehr als K. 1000 jährlich für die lalukkahaufbringen, so ist dies kein Verdienst der so angepriesenen rganisation der Chalukkah, sondern vielmehr ein Ausdruck der ligiösen Gefühle der kleinstädtischen jüdischen Bevölkerung, die bei der beliebigen Gelegenheit, in Not und Freuden, vor Anzünden der ibbatlichterusw.„R.Meir baalNess" ausruft. Allerdings trägtauch das ganisatorische Moment zur Vermehrung der Chalukkah-Eingänge el bei, wie z. B. die Verteilung von vielen Büchsen, die genaue idenzhaltung und pünktliche Leerung derselben und nicht inder der Umstand, daß die Chalukkah mit der Leerung ihrer ichsen durchweg ältere Leute betraut, während der N.-F. eseibe, wie überhaupt alle seine Funktionen, durch die Jugend .sorgen läßt. Zum Schlüsse noch eine Bemerkung. Ich teile nicht die Ansicht .rjenigen Zionisten, die die Eingänge dieser oder jener Institution erbeiholen, sie den Eingängen des N.-F. gegenüberstellen, um so in Mißverhältnis zu konstruieren und daher mehr Regsamkeit und ifer für den N.-F. verlangen zu können. Für mich ist es der beste nsporn, wenn ich die Eingänge des N.-F. selber im Vorjahre und i diesem Jahre vergleiche und so eine stete Progression des ■.-F. konstatieren kann. Mit Zionsgruß hochachtungsvoll Maier Henisch, N.-F.-Kommissär des südgaliz. Distriktes. * * * Anmerkung der N.-F.-Verwaltung: Es ist richtig, daß aus der iegenüberstellung unserer jungen Büchsenorganisation mit der alten Jhalukkah-Institution keine falschen Schlüsse gezogen werden dürfen. )as Mißverhältnis bei unsern Büchsen besteht vielmehr in der bedauerlichen Tatsache, daß von den bisher verteilten N.-F.-Büchsen kaum 15°jo regelmäßig geleert werden. Hier muß vor allem unsere Organisation einsetzen. II. Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! In Nummer 35 der „Welt" drückt Herr Gesinnungsgenosse Dr. S. Baer seine Verwunderung darüber aus, daß das blutarme Galizien allein nicht viel weniger für die Chalukkah aufgebracht hat, als aus fast allen Ländern der Welt für den Nationalfonds im vergangenen Jahre eingeflossen ist. Ich lebe in einer galizischen Kleinstadt unter ca. 2500 jüdischen Familien, wo im vergangenen Jahre für die Chalukkah ca. 2000 Kr. und für den Nationalfonds ca. 400 Kr. aufgebracht worden sind, und ich kann mir dieses „Mißverhältnis" leicht erklären. Die Hauptquelle der Chalukkah-Einnahmen sind die Büchsen, und es gibt kaum ein jüdisches Haus, wo sich keine Chalukkah-Büchse befindet. Die Chalukkah-Büchse wird zusammen mit der „Mesusah4* an den Türpfosten angeschlagen, und eine jede jüdische Hausfrau, auch solche, deren Männer nicht fromm sind, hält es für ihre Pflicht, an einem jeden Freitag vor dem Lichtanzünden einige Kreuzer in die Büchse zu werfen. Es gibt eine bedeutende Zahl von Frauen, die jeden Freitag 18 Kreuzer (y'tj V'n) in die Büchse werfen. Und so ist es in einer jeden galizischen Stadt, auch in den verstecktesten Winkeln. Wie ist es aber mit den N.F.-Büchsen? Z. B. in unserer Stadt, wo zwei zionistische Vereine tätig sind, befinden sich 35 N.F.¬ Büchsen, die jährlich ca. 200 Kr. einbringen. Der größte Teil der N.-F.-Büchsen befindet sich in den Vereinen, Advokaturkanzleien, Friseurstuben und in mehreren Geschäftsiokalen, wo Zionisten verkehren. Und so ist es in einer jeden Stadt, wo sich Zionisten befinden. Ich muß auch erwähnen, daß in den kleinen Städtchen, die sich auf dem Wege von Chrzanow bis Krakau (44 km) einerseits und von Chrzanow bis Bielitz (53 km) anderseits befinden, für den N.-F. kein einziger Heller, hingegen für die Chalukkah ziemlich viel gesammelt wird. Die N F.-Büchsen befinden sich noch immer nicht auf ihrem richtigen Platze, in der jüdischen Wohnung an den Türpfosten bei der „Mesusah".*) Diesen Platz sollen wir erobern! Es ist Pflicht eines jeden Zionisten, eine N.F.-Büchse in seine Wohnung zu nehmen und seiner Frau, die ohne Zweifel Zionistin ist, zu empfehlen, jeden Freitag einige Kreuzer in die Büchse zu werfen, und hierzu soll die fromme galizische Frau als Muster dienen. Ferner soll ein jeder junge Zionist eine N.F.-Büchse in die Wohnung seiner Eltern bringen und seine fromme Mutter aufklären, daß eine Spende für den N.-F. ebenso wie eine für die Chalukkah bei Gott als npns angenommen wird. Mir ist dies gelungen, und das kann einem jeden gelingen. Mit Zionsgruß achtungsvoll Hirsch Klein jun., Präses des Vereins „Bnei Zion". Chrzanow, 10. September 1910. *) Vorausgesetzt, daß die Mesusah sich nicht a ußer hal b der Wohnung befindet. L__J Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Deutschland: Adresse: Max Wollsteiner, Berlin-Charlottenburg, Sybelstraße 50.— Publikationsorgan: „Jüdische Rundschau", Berlin.) Vom 1.—31. Juli d.J. eingegangen und in den Nummern 26—30 der „Jüdischen Rundschau" detailliert ausgewiesen: Allgemeine Spenden.............. Jt 574.29 Selbstbesteuerung............... „ 87.— Sammelbogen.................. „ 4.77 Sammelbüchsen................. „ 421.19 Goldenes Buch (Teilzahlungen) . •........ „ 613.13 Ölbaumspenden................. „ 1976.— Landspenden.................. „ 120.— Summe Jt 3796.38