Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 35 (2.9.1910)
- Date
- 1910-09-02
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Consules —! (Aus der „Jüdischen Rundschau") Der IX. Zionisfenkongreß hat beschlossen, die genossenschaftliche Siedlungsmethode in den Tätigkeitsbereich der zionistischen Organisation aufzunehmen. Dieser Beschluß ist einstimmig gefaßt worden. Um die Durchführung dieses Beschlusses zu ermöglichen, überläßt der Nationalfonds der zu errichtenden genossenschaftlichen Kolonie pachtweise den erforderlichen Boden und beteiligt sich an der Herbeischaffung der zur Inbetriebsetzung desLandes erforderlichen Mittel mit 100 000 Frs., sobald der aus privaten Mitteln zu bildende Genossenschaftsfonds die gleiche Höhe erreicht hat. Damit ist die von Dr. Franz Oppenheimer bereits auf dem VI. Kongreß eingehend begründete Idee einer Siedlungsgenossenschaft im jüdischen Lande in ein akutes Stadium getreten. Eine Stunde nach der Annahme des bedeutungsvollen Beschlusses konnte der Präsident des Kongresses bekannt geben, daß der zu bildende Genossenschaftsfonds bereits die Summe von 40 000 Frs. erreicht habe. Sieben Monate später mußte das Komitee des jüdischen Genossenschaftsfonds zur öffentlichen Kenntnis bringen, daß die bisherigen Eingänge sich erst auf 40 900 JC beliefen. Es hat Menschen gegeben, die aus der begeisterten und tatfreudigen Stimmung des Kongresses den Glauben gewannen, die Bildung des Fonds werde das Werk eines Augenblicks sein. Diese Optimisten sind um eine Enttäuschung reicher geworden. Aber niemand hätte damals wohl zugegeben, daß nach Erledigung aller Vorarbeiten, — und diese machen ein volles Jahr aus, — der Beginn der Arbeit eine Verzögerung erfahren könnte, weil das von privater Seite erforderliche Betriebskapital dem Fonds noch nicht genügend zugeflossen ist. Heute darf eine solche pessimistische Ansicht nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen werden. Und doch darf dies im Anfang Unwahrscheinliche unter keinen Umständen Ereignis werden. Der Kongreß hat in jener Stunde der Begeisterung unter dem starken Einfluß einer glänzenden Persönlichkeit gestanden. Dr. Franz Oppenheinier hat damals Wunder gewirkt. Kein Wunder also, daß man glaubt, durch ein abermaliges Eingreifen Dr. Franz Oppenheimers im Laufe des Herbstes werde das noch fehlende Kapital sich einfinden. Die Rechnung ist unbedingt richtig. Aber sollte es wirklich nötig sein, daß um einer lächerlich geringen Summe willen der Prophet durch die Lande zieht und die Geister aufrüttelt? Mir scheint es nicht ehrenvoll zu sein, bis dahin zu warten. Es ist ohne Zweifel eine unaufschiebbare Pflicht derer, die auf dem Kongreß dem Oppsnheimerschen Vorschlage jubelnd ihre Zustimmung gegeben haben, in ihren Gruppen und Kreisen das schlafende Volksgewissen zu wecken. Sie mögen zusehen, daß das beschlossene Werk keinerlei Aufschub erfährt. Videant Consules, ne quid detrimenti capiat res publica! Dr. L. Weinberg. Ölbaumspenden auf den Namen Neugeborener Aus Swansea (England) schreibt uns Herr M. Foner: „Hier in Swansea hat sich der Brauch eingebürgert, bei jeder Brith-Milah auf den Namen des neugeborenen Knaben einen Ölbaum im Herzlwald zu stiften. Bisher ist es niemals vorgekommen, daß irgendeiner opponiert hätte, wenn ein diesbezüglicher Vorschlag von seiten eines zionistischen Festteilnehmers gemacht wurde. Darum wäre es meines Erachtens wünschenswert, daß eine allgemeine systematische Propaganda nach dieser Richtung hin entfaltet werde. Insbesondere sollten die Mohalim durch Flugschriften usw. aufgefordert werden, eine entsprechende Aktion bei jeder Brith Miiah einzuleiten, zumal da ein ähnlicher Brauch schon von unsern Urvätern in Palästina geübt wurde. Es wird nämlich im Talmud, Traktat Gittin, berichtet, daß es vor der Zerstörung des Tempels Sitte war, für jeden neugeborenen Knaben eine Eiche und für jedes neugeborene Mädchen eine Linde 2U pflanzen. Aus den Zw^IgeTir 6ei3ef Bäume hat man dann den Trauhimmel (Chuppah) des betreffenden Brautpaares geflochten. Die Erfahrung hat mich gelehrt, daß auch Nichtzionisten gern den Betrag für einen Ölbaum in Palästina auf den Namen ihres neugeborenen Sohnes entrichten, insbesondere wenn sie nachher ein schönes Diplom bekommen, das sie zur dauernden Erinnerung einrahmen lassen können."" Neue Ansichtskarten des J. N. F. Das Hauptbureau des J. N. F. hat soeben eine Kollektion neuer Ansichtskarten mit den Porträts von Max Nordau, David Woiffsohn, J. fi. Kann, Prof. O. Warburg, Dr. J. M. Bodenheimer, Johann Kremenezky und Prof. H. Schapira herausgegeben. Preis pro 100 Stück Mk. 4.— (exkl. Porto). Der Reinertrag fällt dem Jüdischen Nationalfonds zu. Bestellungen sind an die zuständige N. F.-Landessammelstelle oder an den Jüdischen Verlag, Köln, Karolingerring 31, zu richten. Chalukkah und Nationalfonds Folgende Zuschrift ist uns zugegangen: An die verehrliche Redaktion der „Welt" Köln. Mit größter Verwunderung lese ich in Nr. 34 der „Welt", daß die Eingänge für die Chalukkah aus Galizien im letzten Jahre 315179.— Kr. betragen haben. Ich frage mich, wie ist es zu erklären, daß das blutarme Galizien allein nicht viel weniger für die Chalukkah aufgebracht hat, als aus fast allen Ländern der Welt für den Nationalfonds im vergangenen Jahre eingeflossen ist? Man bedenke: Für den Nationalfonds sind Tau sende von begeisterten Vertrauensmännern tätig, in ca. einem halben hundert zionistischer Zeitungen und in unzähligen Versammlungen wird für den Nationalfonds ununterbrochen Propaganda gemacht, über die eingegangenen Gelder und deren Verwendung wird öffentlich Rechenschaft gelegt, und trotz alledem dieses Mißverhältnis! Man wende nicht etwa ein, daß der Chalukkah die religiösen Gefühle zugute kommen, was beim Nationalfonds nicht der Fall sei. Denn erstens wird, wie mir bekannt ist, für die Chalukkah auch seitens nicht gerade frommer Juden gespendet, und zweitens, und hauptsächlich, sollte doch dem Nationalfonds vor allem die Tatsache zugute kommen, daß er im Gegensatz zur Chalukkah, die ihre Gelder in unproduktiver und demoralisierender Weise verteilt, im Lande der Väter immer neue national und sozial bedeutsame Schöpfungen ins Leben ruft resp. fördert. Ich kann den Grund für den Erfolg der Chalukkah nur darin finden, daß sie bei ihren Sammlungen vor allem auf das organisatorische Moment so großes Gewicht legt, was bei uns noch immer nicht genügend gewürdigt wird. Während seitens der Chalukkah immer mehr Büchsen verteilt und pünktlich geleert werden, wird, wie aus der Statistik der „Welt" hervorgeht, in vielen Ländern nur ein ganz kleiner Teil der N. F.-Büchsen, und dieser nicht einmal regelmäßig, geleert Ich halte mich für verpflichtet, auf diesen Umstand, insbesondere mit Rücksicht auf die in der „Welt" angekündigten bevorstehenden Büchsenleerungen am Cholhamoed-Sukkoth hinzuweisen, damit die Freunde des Nationalfonds sich darüber klar werden, daß bei all ihrer begeisterten Hingebung in der Agitation diese auf die Dauer nicht das erhoffte Resultat bringen kann, wenn nicht die Organisation, in erster Linie der Büchsen, mit der Agitation gleichen Schritt hält. Für die Veröffentlichung der vorstehenden Zeilen danke ich im voraus und zeichne mit Zionsgruß Rabbiner Dr. S. Baer, z. Zt. Zandvoort