Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 34 (26.8.1910)
- Date
- 1910-08-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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DIE30EELT 833 No. 34 Im „Yidd. Kaempfer", dem Organ der amerikanischen Poale- Zion, wendet sich das genannte Komitee mit einem sehr eindringlichen Aufruf an die Poale-Z;on selbst, in dem darauf hingewiesen wird, daß die Poale-Zion am meisten für den Oppenheimerschen Plan agitiert hätten und darum auch an der Spitze der Sammler für den Fonds schreiten müßten. — In derselben Nummer wird ferner seitens des Palästina-Komitees der Poale-Zion das Erscheinen eines Flugblattes angekündigt, das zum Sammeln für den Nationalfonds anläßlich des 9. Ab. auffordert Ein nachahmenswertes Beispiel zionistischer Opferwilligkeit Von Herrn Gg. Dr. B. (Name und Adresse sind juns genau bekannt) erhalten wir folgendes Schreiben: „ .... Es ist im höchsten Grade betrübend, geradezu entsetzlich, daß die Beträge für den Genossenschaftsfonds so langsam eingehen; man möchte manchmal an allen Idealen verzweifeln, wenn man sieht, wie lange Zeit vergeht, bis die Mittel für ein so wichtiges Projekt eingehen. Ich mache alle zwei Jahre eine zwei- bis dreiwöchentliche Urlaubsreise, die ca. 250 bis 300 JC verschlingt.. Ich werde diesmal voraussichtlich davon absehen und im Herbst den Betrag für das Oppenheimersche Projekt zur Verfügung stellen." Ein Reformvorschlag: Selbstbesteuerung durch Sammelbüchsen Das N. F.-Hauptbureau hat in den Sammelbüchsen richtig das wichtigste Sammelmittel erkannt und dringt mit unermüdlichem Eifer auf dessen straffere Ordnung. In der Tat hat die Evidenzhaltung der verteilten Büchsen durch die beim Hauptbureau und allmählich auch bei den Landessammelstellen eingeführte Kartothek, sowie die Festsetzung pflichtmäßiger Leerungstermine zu Pessach und Sukkoth den Bruttoertrag schon bedeutend gehoben, doch steht dieser noch immer in einem argen Mißverhältnis zu den gerade bei den Büchsen für deren Fabrikation, Verteilung, Evidenzhaltung und Leerung aufgewandten Investitionskosten. Hier tut eine gründliche und vor allem rasche Reform not, sollen nicht die in vielen Zehntausenden verteilten Büchsen sich abnützen und zum alten Eisen geworfen werden, ehe sie — über die Amortisierung der Investitionskosten hinaus — dem N. F. reichen Ertiag gebracht haben. Die Methode, welche mir jenem Ziel dienlich erscheint, nämlich Vereinigung der Büchsensammlung mit der Selbstbesteuerung, war schon im Berichte der Landessammelstelle Österreich an den neunten Kongreß skizziert, und sei nun näher ausgeführt: Die Selbstbesteuerung ist, obgleich sie schon 1905 durch Kongreßbeschluß allen Zionisten zur Pflicht gemacht und als solche durch Kremenezky und auch durch seine Nachfolger im Hauptbureau immer wieder eingeschärft wurde, nicht bloß unpopulär geblieben, sondern sogar in ihrem Ertrag nach dem ersten Anlauf fast ständig gesunken. Die Gründe hierfür sind klar und längst erkannt. Zunächst fällt es dem pflichteifrigsten Zionisten schwer, die monatliche Ablieferung der Selbstbesteuerungsgelder — und eine solche wurde zumeist propagiert — in Vormerkung zu halten und, wenn dies schon zutrifft, das Geld auch wirklich abzuführen. Ist der Betrag ein größerer, schreckt man leicht vor der Auslage zurück, und ist er klein, wenn nicht vor der Mühe der Absendung, so doch vor dem unverhältnismäßig hohen Porto; denn ein Posteriagschein des N. F. ist nicht stets zur Hand. Durch jeden Rückstand jedoch wird einem die Selbstbesteuerung vergällt. Diesen Bedenken zum Teil abzuhelfen, wurde die Bildung von Selbstbesteuerungs-Minjanim mit einem Leiter, welchem das Inkasso obliegt, vorgeschlagen; aber es findet sich nicht bald jemand, der dies lästige Amt übernimmt oder doch lange behält, zumal in der Großstadt, wo er die zu vermahnenden Minjanleuf.e oft schwer zu Gesicht bekommt. Der Leitgedanke der Selbstbesteuerung aber: Erziehung zur Selbstzucht und nationalem Opfersinn, ist zu hoch, als daß wir ihn technischen Schwierigkeiten preisgeben dürfen. Er soll vielmehr durch die innige Verbindung mit der gleichfalls reformbedürftigen Büchsensammlung seine Auferstehung feiern. Mein Vorschlag ist der: „Jeder Zionist — und auch jedes einzelne Mitglied einer zionistischen Familie — soll verpflichtet sein, eine N. F.-Büchse zu halten und in dieselbe jeden Tag 2 Heller oder außerhalb Österreichs eine dementsprechend zu bestimmende kleine Münze seines Landes einzuwerfen." — „Jeder Zionist . . Heute lehnt oft der bewährteste Parteigenosse die Übernahme einer N. F.-Büchse mit der nicht unstichhaltigen Begründung ab, daß bei ihm weder Kunden, noch sonstige Besucher verkehren, die er zur Bereicherung der Büchse anhalten könnte, und daß er selbst den N. F. ja gelegentlich, bei Familienereignissen Verwandter und Bekannter, bei Sammlungen im Verein und sonstwo, ohnehin bedenke. Erfloß aber einmal der Befehl zur täglichen Selbstbesteuerung, dann ist der bis nun fehlende Anstoß, die N. F.-Büchse zu benutzen, für jeden, auch für den Einschichtigsten, gegeben. Es wird sich auch niemand ernstlich widersetzen, dazu ist der abverlangte Betrag von 2 Heller täglich viel zu klein und das Bewußtsein zu lebendig, daß dieser Maßnahme alle Zionisten unterworfen sind. Nun kann die Büchse ihr nationales Erziehungswerk beginnen. Naturgemäß wird sich bald die Gepflogenheit einbürgern, den Opferkreuzer gleich jeden Morgen beim Aufstehen, damit man nicht seine Verpflichtung vergesse, in die Büchse zu tun. Einer der ersten Gedanken nach dem Erwachen wird sich so dem N. F., dem jüdischen Volk und dem Band der Pflicht ihm gegenüber zuwenden, Gedanken, welche von selbst dazu führen, die Opfergabe freiwillig zu verdoppeln und zu vervielfachen. „Wie?" wird sich manch ein Zionist fragen, „gestern habe ich so viel für meinen eigenen Genuß verbraucht und soll nun mein Volk mit einer solchen Bagatelle abspeisen? Könnte ich denn nicht meine überflüssigen Ausgaben einschränken, um den Pflichten gegen mein Volk besser gerecht zu werden und mir den Ehrennamen Zionist erst recht zu verdienen?" Und wer nicht gewissenhaft genug ist, sein eigner Kontrolleur zu sein, für den übernimmt der Büchseninkassant diese Aufgabe. Kommt dieser nämlich halbjährig zum pflichtmäßigen Leerungstermin, dann kann er beim Leeren der Büchse feststellen, ob sie zumindest 180 mal 2 H, also 3 K 60 H abwirft und wird den eventuellen Fehlbetrag vom säumigen Büchseninhaber einfordern. Niemand wird es gerne auf diese Ermahnung erst ankommen lassen, und so entsteht ein Wetteifer—besonders unter den Gliedern einer Familie, — sich durch pünktliche Pflichterfüllung und einen reichen Büchsenertrag auszuzeichnen. Die dichtere Verteilung der Büchsen und ihr garantiert größerer Ertrag wird es nun den lokalen N. F.-Kommissären, sobald sie mit freiwilligen Inkassanten nicht ihr Auslangen finden, ermöglichen, bezahlte Kräfte anzustellen, da diese jetzt mit relativ geringerer Anstrengung mehr einkassieren und deshalb mit einem kleinern Prozentsatz der Büchsenerträge als Entlohnung Genüge finden werden. Wie also die Selbstbesteuerungsidee heute schon im Verwenden der N. F.-Marken zur Frankierung der Privatkorrespondenz des Zionisten zum Ausdruck kommt, wird sie künftig auch die Büchsensammlung durchdringen und beherrschen und die gesonderte Fortexistenz des rudimentären Sammelmittels „Selbstbesteuerung" — auch zur Entlastung der N. F.-Statistik — überflüssig machen. Die Vorteile der vorgeschlagenen Reform scheinen mir zu einleuchtend, als daß nicht in ihrem Sinne vorläufig das Hauptbureau eine allgemeine Weisung an die Landessammelstellen sollte erlassen, die dann nach Bewährung der Reform eine solenne Bekräftigung durch Kongreßbeschluß erfahren mag." Dr. Egon Zweig, dzt. Leiter der Landessammelstelle Österreich.