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Die Welt · 1910-07-29 · 30 (29.7.1910) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
30 (29.7.1910)
Date
1910-07-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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734 DIE3 Organisation, und hier liege der Grund der gegenwärtigen Schwierigkeiten. Man sei auf Anregung des Herrn Wolffsohn zu einer Versammlung der English Zionist Federation und des Order of Ancient Maccabeans zusammengetreten, und man habe sich im Interesse des Friedens dahin geeinigt, daß die Maccabeans nur für dieses Jahr Schekolim direkt von dem Hauptbureau haben sollen. Die Jahreskonferenz selbst sei aber noch weiter gegangen, indem sie dieses Privilegium auf dasr nächste Jahr ausdehnte und indem sie dem Order auch das Recht, eigene Delegierte zu wählen, gab. Das sei mehr, als man ertragen könne. Rev. J. K. Goldbloom sagte, daß es ihm nicht möglich gewesen sei, der Sitzung der Exekutive beizuwohnen, als dieser Antrag auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Er sympathisiere mit den Mitgliedern der Exekutive, aber er könne ihnen nicht auf ihrem selbstmörderischen Gange folgen. Vielleicht in keinem andern Lande nehmen persönliche Fragen so sehr die Energie der Zionisten in Anspruch wie in England. Aber er stehe nicht an zu sagen, daß diejenigen, die jetzt an der Spitze der Federation ständen, mit allen ihren Fehlern Männer wären, deren Ergebenheit zum Zionismus außer Frage stände, und sie würden einen verbrecherischen Akt begehen, wenn sie den vorliegenden Antrag annehmen würden. Noch schlimmer aber wäre es, Männer, die für den Zionismus so lange Jahre gearbeitet hätten, aus der Bewegung wegen der Machinationen einiger, die den Frieden der English Zionist Federation störten, herauszutreiben. Er wende sich an die Versammlung, wenigstens bis zur Jahreskonferenz zu warten, auf der sie, wenn sie es für gut hielte, eine andere Exekutive wählen könnte. Es sprachen weiter noch Frau Liebster und die Herren I. Wassilevsky, J. L. Slobodinsky und V. Shapiro. Herr Joseph Co wen führte aus: Obgleich er ebenfalls nicht in der Exekutivsitzung bei der Fassung des Auflösungsantrages anwesend war, er trotzdem damit übereinstimme. Die Frage der Maccabeans wäre nicht erst von der gegenwärtigen Exekutive erhoben worden; schon die vorige Exekutive habe gegen den Anspruch der Maccabeans protestiert. Außerdem sei die Jahreskonferenz vollständig mit den Absichten der Exekutive vertraut gewesen. Die gegenwärtige Konferenz habe zu bestimmen, ob es zwei separate zionistische Federationen in diesem Lande geben solle. Herr .Walter Nathan beantragte folgendes Amendement: „Die Konferenz nimmt den Vorschlag der Exekutive, die English Zionist Federation aufzulösen, im Prinzip an, fordert aber, daß, bevor etwas defintiiv unternommen wird, dem Engeren Aktionskomitee Gelegenheit gegeben wird, zu erwägen, auf welche Weise der Bestand einer einzigen anerkannten Föderation in den vereinigten Königreichen gesichert werden kann, für den Zweck Schekolin zu empfangen, die Wahlen zum Kongreß durchzuführen, undalle andern zionistischen Aufgaben zufördern." Nach einer weitern Debatte wurde dieses Amendement mit 19 Stimmen gegen 9 Stimmen angenommen, in der wiederholten Abstimmung aber mit 14 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Der Vorsitzende legte dann der Versammlung den Originalbeschluß vor, daß die E. Z. F. aufgelöst werde. Dieser wurde mit 21 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Hierauf erklärte Herr Dr. Dreyfus, daß er von seinem Amte zurücktrete. Auch die Herren L. J. Greenberg, S. B. Rubenstein und Joseph Cowen erklärten ihren Rücktritt als Mitglieder der Exekutive. Unter ziemlicher Aufregung verließ Herr Dr. Dreyfus den Vorsitz und die Konferenz nahm ihr Ende, aber eine große Anzahl von Delegierten, die die Lage noch weiterhin zu erwägen wünschte, blieb beisammen. Der Sekretär wies darauf hin, daß sie in diesem Augenblick keine ordnungsmäßig konstituierte Körperschaft wären; daß aber angesichts der großen Zustimmung, die das Amendement gefunden habe, und nach der allgemein ausgesprochenen Meinung das Prinzip, daß es in diesem Lande nur eine offiziell anerkannte zionistische Organisation geben solle, nachdrücklich von der Konferenz bestätigt worden sei; es sei als Resulta t der Konferenz zu betrachten, daß die E. Z. F. weiterhin existieren solle; Es sei nunmehr seine Pflicht, wie gewöhnlich eine Sitzung der Exekutive einzuberufen, um die Vakanzen auszufüllen. Österreich Stryj. Am 18. Juli haben die hiesigen Zionisten ein Volksfest veranstaltet, welches von gutem Wetter begünstigt, einen schönen Verlauf nahm. Von den Darbietungen seien besonders eine Zeitungsausstellung und eine Nationalfondsausstellung erwähnt. Marienbad. Dienstag fand hier eine von dem hebräischen Schriftsteller S. J. Hurwitz angeregte Herzlfeier zugunsten der „Histadruth Ibrith" statt. Es sprachen Rabbi Jakob Meir, der KELT NO. 30 Chachambaschi von Saloniki, Schriftsteller Rüben Brainin und Abg. Adolf Stand. Die Versammlung verlief in imposanter Weise und hatte einen großen materiellen Erfolg. Ungarn Budapest. Die Leitung der Ungarischen Zionistischen Landesorganisation hat ihre Arbeit in vielversprechender Weise begönnen. Der rührige Schriftführer Herr J. Engel hat am 1. Juli eine Agitationsreise angetreten, auf welcher er zwölf Gemeinden besuchte. In sieben davon wurden durch seine Bemühung zionistische Vereine gegründet, und zwar in Esztergom (Gran), Györ (Raab), Kapuvär, Sopron (Ödenburg), Köszeg (Güns), Szombathely (Steinamanger) je einer, in Lakompak (Lackenbach) ein allgemeiner und ein Mädchenverein. Diese sieben Vereine befinden sich in großen jüdischen Gemeinden mit zusammen 10 000 jüdischen Seelen. Daraus ergibt sich die große Bedeutung dieser Agitationsarbeit einerseits für die Verbreitung der zionistischen Idee, anderseits für den Nationalfonds. Es wurden 200 Büchsen verteilt. Auch in Nagy Marton (Mattersdorf) und Savanyukut (Bad Sauerbrunn) hat unsere Idee dank der Arbeit des Herrn Engel festen Fuß gefaßt. Am 18. Juli kehrte Herr Engel wieder nach Budapest zurück. Seine Bemühungen haben an zwei Orten, in Csorna durch den Widerstand des orthodoxen Rabbiners, und in Komarom durch die schwankende Haltungdes neologen Rabbiners Dr. Schnitzer, vorläufig kein Resultat ergeben. Deutschland Frankfurt. Sonntag den 11. und Montag den 12. September findet hier im Saale des neuen Kaufmännischen Vereinshauses, Eschenheimer Anlage, der Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland mit folgender Tagesordnung statt: 11. September, vormittags: 1. Eröffnungsansprache des Präsidenten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herrn Dr. Bodenheimer, Köln. 2. Ansprache des Präsidenten des E. A. C, Herin David Wolffsohn. 3. Wahl des Bureaus. 4. Bericht des Geschäftsführenden Ausschusses. 5. Referate der Herren: a) Professor Dr. Otto Warburg, Berlin, b) Dr. Arthur Ruppin, Jaffa, c) Dr. Franz Oppenheimer, Berlin. Nachmittags: Generaldebatte. — 12. September, vormittags: 1. Agitation. Referat des Parteisekretärs Kurt Blumenfeld. 2. Organisation und Finanzen. 3. Anträge. Nachmittags: Wahl des neuen Zentralkomitees. Holland Eine Stiftung zur Erziehung jüdischer Jünglinge zum Gartenbau und zur Viehzucht Im Laufe des vergangenen Monats ist in Holland von Herrn J. H. Kann eine wichtige Institution begründet worden. Sie bezweckt, jüdische junge Leute, welche in Palästina den Land- und Gartenbau oder die Viehzucht ausüben wollen, dazu zu erziehen. Da in Holland der Gartenbau auf einem sehr hohen Niveau steht, wird es .möglich sein, gut geschulte Züchter auszubilden, welche auch den Export nach den Nachbarmärkten hinarbeiten können, ebenso wie in Holland hauptsächlich für den englischen Markt produziert wird. — Zu gleicher Zeit wird diese Stiftung (wenn auch nur in kleinem Maßstabe und in indirekter Weise) zu einer Linderung des Massenelends der jüdischen Proletarier in Holland beitragen können. Die Mittel des gegründeten Vereins sind noch nicht so bedeutend, daß man die Arbeit in großem Maßstabe beginnen kann. Doch erwägt man den Plan, schon jetzt mit der Gründung eines Musterlehrgutes zu beginnen, welches zu gleicher Zeit als Internat und Landwirtschaftsschule dienen müßte. Dieses Lehrgut wird eingerichtet werden in einem oder nahe einem der größern Landbauzentren in Holland und in der Nähe einer der Reichsgartenbauschulen. Sollten die Mittel im Anfang hierzu nicht ausreichen, so wird man damit beginnen, die Schüler in einer dazu geeigneten Umgebung unterzubringen. Jedenfalls wird der Plan bald praktisch verwirklicht werden. Obgleich die neue Stiftung durch ihren Zweck einen

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