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Die Welt · 1910-07-01 · 26 (1.7.1910) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
26 (1.7.1910)
Date
1910-07-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
Belongs to
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644 DIE3§KELT Nö, 26 NACHRICHTEN Generalversammlung der Ica Am 25. Juni d. J. fand in Paris die diesjährige Generalversammlung der Jevvish Colonization Association unter dem Vorsitz des Herrn F. Philippsohn, Vizepräsidenten des Verwaltungsrats, statt. An der Versammlung nahmen folgende Herren teil: Dr. J. Blau in Vertretung der jüdischen Gemeinde in Frankfurt, P. Errera, ti. G. Lousada, Dr. A. Netter in Vertretung der Alliance Israelite Universelle, C. Netter in Vertretung der jüdischen Gemeinde in Berlin, Fr. Philippson in Vertretung der jüdischen Gemeinde in Brüssel, S. Rein ach, J. Simon, die Direktoren der Gesellschaft 5. Sonnenfeld und E. Meyerson, der Sekretär E. Schwarzfeld, D. Cazes und A. Schmoll. Nachdem das Protokoll der vorigen Generalversammlung beglaubigt und die Bilanz des Betriebsjahres 1909 genehmigt worden war, erstattete der Vorsitzende Bericht über die Tätigkeit der -Gesellschaft im abgelaufenen Jahre. Er führte aus, daß die Tätigkeit der Ica eine überaus vielseitige gewesen sei, wenn sie auch .gemäß den Intentionen ihres Begründers hauptsächlich darin gipfelte, die jüdischen Massen dem Ackerbau zuzuführen. So sei das Kolonisationswerk in Argentinien, den Vereinigten Staaten, in Kanada und in Palästina fortgesetzt und weiter ausgebaut worden. In den Vereinigten Staaten hat die Ica ihr Augenmerk auch auf die Heranbildung jüdischer Immigranten zum Handwerk und ihre zweckmäßige Verteilung in den Provinzen gerichtet. Anderseits konnte dje landwirtschaftliche Kolonisation und die Regelung der Emigration nur einem kleinen Teil der jüdischen Massen zugute kommen. Es galt, auch das Los derjenigen unzähligen Juden zu bessern, die in den Ländern der Bedrückung und des Elends, in Rußland, Rumänien und Galizien zurückbleiben. Diesem Zweck sollen in erster Reihe die von der Ica eingerichteten und subventionierten Darlehns- und Vorschußkassen dienen. In Rußland haben im Jahre 1908 187 Darlehnskassen, die 106311 Mitglieder umfassen (die russischen Darlehnskassen sind Kooperativgenossenschaften), im Jahre 1909 270 Darlehnskassen, darunter 18 ländliche, Kredite von der Ica bezogen. Bisher hat die Ica den Darlehnskassen in Rußland Kredite im Gesamtbetrage von 1450000 Rbl. gewährt. Während in Rußland die Kredite der Ica kaum ein Siebentel des Betriebskapitals der jüdischen Darlehnskassen betragen, sind in Galizien etwa 20 Vorschußkassen fast ausschließlich mit den Geldmitteln der Ica begründet worden. Diese 20 Kassen umfassen eine Mitgliederzahl von 16 520 Personen und haben im Berichtsjahr 12 798 Darlehen im Gesamtbetrage von 2 613 060.87 Kr. an kleine Geschäftsleute, Gewerbetreibende usw. gewährt. Ferner hat die Ica auch in Jerusalem eine Darlehnskasse mit einem Kapital von 100 000 Frs. eingerichtet. Diese Kasse hat im Jahre 19Ö9 161 Vorschüsse im Gesamtbetrage von 69 979.28 Frs. ausbezahlt. Neben diesen kurzfristigen Krediten hat die Ica wie in frühern Jahren so auch in der Berichtsperiode ihren Kolonisten in Süd-und Nordamerika sehr bedeutende langfristige Agrarkredite zur Verfügung gestellt. U. a. hat sie im Jahre 1909 297 neue Kolonisten in Argentinien angesiedelt und jedem von ihnen einen Vorschuß von 3000 Dollars zum Bau ihrer Wohnhäuser, zur Anschaffung von totem und lebendem Inventar usw. gewährt. Auf diese Weise hat sie zur Installierung von Ansiedlern in Argentinien im verflossenen Jahre einen Betrag von 665 875 Dollars verausgabt, abgesehen von dem Wert der Ländereien. Die Rückzahlung seitens der Kolonisten erfolgt in 20 Jahresraten. Der überwiegende Teil der Kolonisten leistet die Rückzahlung der altern Schulden mit größter Pünktlichkeit. Deutsche Orientgesellschaft Die Deutsche Orientgesellschaft hielt Sonnabend den 18. Juni im Hause des Herrn James Simon in Berlin ihre diesjährige ordentliche Hauptversammlung ab, die von dem ersten Vorsitzenden, Admiral v. Hollmann, geleitet wurde. Zunächst wurde der Jahresbericht für 1909 vorgelegt. Über die Fortführung der Grabungsarbeiten in Babylon und Assur und über die unter Herrn Professor Dr. Sellins Leitung im Berichtsjahr zu Ende geführte Ausgrabung von Jericho waren die Mitglieder durch die „Mitteilungen der D. O.-G.", von denen 1909 die Hefte 40—42 ausgegeben worden sind, unterrichtet worden. Der Jahresbericht beschränkte sich daher auf einen kurzen Überblick über die vorjährigen Ergebnisse, dem jedoch die aus eigner Anschauung geschöpfte Schilderung von dem in Assur aufgedeckten parteiischen Palast und der altassyrischen Denkstein reihe aus dem Munde des Herrn J. Jordan, dem ältesten Mitarbeiter des Herrn Dr. Andrae^bei den dortigen Grabungen, Farbe und Leben zu geben verstand. Über die „Wissenschaftlichen Veröffentlichungen der D. O.-G." berichtet der als Delegierter der Kgl. Akademie der Wissenschaften dem Vorstande angehörende Herr Professor Dr. Edward Meyer. Erlegte die im letzten Jahre erschienenen wissenschaftlich wertvollen Bände vor: Dr. Andrae's Anu-Adad-Tempel bildet den ersten aus der assyrischen Reihe; Professor Borchardts Grabdenkmal des Nefer-ir-ke-re und Pr. Hölschers Hohes Tor von Medinet- Habu gehören der bereits ansehnlichen ägyptischen Reihe an, und mit Dr. Kohls Kasr Firaun in Petra wird eine syrisch - palästinensische Reihe neueröffnet. Von Professor Bor char dt wird der erste Teil der Veröffentlichung über das Grabdenkmal des Sahu-rg demnächst erscheinen; aus Professor Koldeweys Feder steht der erste Band der babylonischen Reihe, eine zusammenfassende Publikation \ der altbabylonischen Tempel in Kürze zu erwarten. Herr Professor Puchstein, der Generalsekretär des Kaiserlichen Archäologischen Instituts, kündigte im Anschluß hieran an, daß seine und Dr. Curtius' Veröffentlichung der Resultate der Ausgrabungen in Boghasköi binnen Jahresfrist vorliegen werden. Alsdann erstattete der stellvertretende Schatzmeister Herr James Simon den Kassenbericht. Zugleich betonte er die Notwendigkeit der Erschließung neuer Einnahmequellen angesichts der großen und wichtigen Unternehmungen, die von der Deutschen Orient- Gesellschaft bereits in allernächster Zukunft in Angriff genommen werden müssen. Eine von diesen ist Teil el-Amarna, die Residenz der durch seine Reformbestrebungen auf religiösem und künstlerischem Gebiete berühmten ägyptischen Königs Amenophis IV. Die andere ist der südbabylonische Ruinenhügel Warka. Darin schlummert, wie Prof. Sachau, der die schwer erreichbare Stätte selbst vor zwölf Jahren besucht hat, berichtete, die schon im 1. Buch Mos. genannte altberühmte Königs- und Tempelstadt Erech, deren weithin sichtbarer Stufentempel eines der vielversprechendsten Ausgrabungsobjekte darstellt. In seinem Schlußworte erbat der Vorsitzende, Admiral von Hollmann, die Unterstützung der Anwesenden und aller Mitglieder, um durch eigene Spenden und durch Werbung neuer Freunde und Gönner die Deutsche Orient-Gesellschaft in den Stand zu setzen zur weitern erfolgreichen Durchführung der Aufgaben, denen sie sich zum Besten der Wissenschaft unterzieht. Die Tragödie einer jüdischen Familie Die Zeitungen berichten über folgende Tragödie, die sich auf dem Gebiete des jüdischen Wohnrechtsmartyriums abgespielt hat. — In Kiew hatte eine Zeitlang eine jüdische Frau namens Ziwjah Gerstein mit ihren zwei Kindern gewohnt. Im Januar ds. Js. erhielt sie plötzlich den Besuch des Revieraufsehers, der sie nach dem Polizeirevier abführte. Da die Frau in Kiew kein Wohnrecht hatte, wurde si& hier festgenommen und per Schub nach ihrem Heimatsorte befördert. Einen Monat lang wurde die arme Frau von Ort zu Ort geschleppt, bis sie der Behörde in ihrem Heimatsorte abgeliefert wurde. Sobald sie freigelassen wurde, eilte sie nach Kiew zu ihren Kindern zurück, konnte dieselben aber nicht auffinden. Nach langem Suchen gelang es der Frau endlich, auf dem Polizeirevier zu erfahren, daß die Kinder so lange auf offener Straße umhergeirrt waren, bis die Polizei auf sie aufmerksam wurde und sie in einem Asyl unterbrachte. Hier wurden sie nach einigen Tagen getauft und aufs Land zu einem Bauern in Pflege gegeben. Man kann sich nun die Lage der armen, frommen Frau denken. Nach langen Bemühungen und vielen Leiden ist es der Frau endlich gelungen, die Kinder zu sich zu nehmen. Jetzt bemüht sich die Frau um die Eilaubnis, ihre Kinder wieder dem Glauben der Väter zuführen zu dürfen . . . Jüdisch-arabische Zeitungen Seit kurzern erscheint in Tunis unter dem Titel „Es-Saman" („Die Zeit") ein jüdisches Wochenblatt in judäo-arabischer Mundart und hebräischen Lettern. Herausgeber des neuen Blattes ist Moise Sitbon, Chefredakteur M. Maarek. Das Blatt vertritt eine zionistische und zugleich religiös-traditionelle Richtung. Außerdem erscheint in Tunis schon seit sieben Jahren eine jüdischarabische Tageszeitung unter dem Namen „Es-Sabah" („Der Morgen"), die von Herrn Jacob Cohen herausgegeben wird. Auch diese Zeitung sympathisiert mit der zionistischen Bewegung.

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