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Die Welt · 1910-07-01 · 26 (1.7.1910) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
26 (1.7.1910)
Date
1910-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIV. JAHRQ. Köln, l. Juli 1910 p-pnb »oV.n'K ]ra Vd N«. 26 Bericht über meine Studienreise in Palästina*) Von Dr. Franz Oppenheimer, Berlin II. Die Arbeiterfrage. Die Arbeiterfrage zerfällt in zwei Unterfragen: Ist der jüdische Arbeiter physisch zur Landwirtschaft geeignet und eignet er sich psychisch für den genossenschaftlichen Betrieb? Was die physische Leistungsfähigkeit anlangt, so kann kein Zweifel daran bestehen, daß nicht für einen, sondern für eine ganze Anzahl von Versuchen in Palästina bereits der erforderliche Stamm physisch leistungsfähigter Arbeiter vorhanden ist und für weitere Versuche is den Heimatsländern der jetzigen Palästinenser herangezogen werden kann. Ich habe die jungen Leute bei der schwersten Art der landwirtschaftlichen Arbeit gesehen, die es gibt, bei dem Roden mit der schweren Pflanzhacke, einem Instrument, das die größte physische Kraft und Ausdauer erfordert, und ich habe kein Zeichen von physischer Überanstrengung oder Ermattung bemerkt. Ich habe die Arbeiter von Kinereth im Tiberias-See nackt baden sehen, habe beobachtet, mit welcher Kraft und Geschicklichkeit sie die in die Schwemme gerittenen Pferde im Wasser tummelten, und habe mit wahrem Stolz diese Prachtgestalten bewundert, lebendige Bildsäulen von vollendeter Form und ersichtlich zähester Muskelkraft. Und hier handelt es sich fast durchweg um junge Leute, die aus Sitzberufen stammen: um ehemalige Schreiber, Handwerker, Akademiker, Lehrer usw. Hier hat der eiserne Wille zum nationalen Ziel seine Wunder gewirkt: wenn er in den an schwere Arbeit bereits gewöhnten jüdischen Handwerkern, Bergleuten, Lastträgern usw. annähernd so stark entzündet werden kann, wie in diesen „Intelligenten", so ist es gewiß, daß jüdische Landarbeiter und Bauern in völlig ausreichender Zahl gefunden werden. Allmählich wird leben ihnen eine junge Generation im Lande geborener Landkinder aufwachsen, die nun allerdings eine noch ^anz andere Rasse darstellen. Von den Kindern, die ch sah, waren nur die Proletarierkinder von Pethach Tikwah in ihrem Aussehen und Befinden durch leider *) Vgl. „Welt" No. 25. sehr zahlreiche schwere Erkrankungen der Augenbindehaut herabgesetzt. Es handelt sich hier aber fast nur um nicht im Lande geborene Kinder armer Einwanderer. Die im Lande geborenen Kinder aber waren ohne Ausnahme wahre Prachtgeschöpfe. Man sieht ihnen an, daß sie die Kinder der höchsten Rasse im Lande sind; sie „schreiten", um einen Freytagschen Ausdruck zu gebrauchen, „mit Herrenfüßen über ihren eigenen Qrund und Boden"; die klaren Augen blicken frei, offen und mutig drein, und die Körper sind ebenso zierlich wie kraftvoll. Ich sah einen kleinen Buben auf umgesatteltem Pferde durch die Straßen von Rechoboth jagen, der sich nur mit den nackten Beinen am Halse festklammerte, während die Arme in der Luft herumjubilierten; und ich sah einen Kolonistensohn in Pethach Tikwah, einen Jungmann von 22 Jahren, 1,88 m groß, entsprechend breit und augenscheinlich riesenstark, einen echten Bauern, einen der schönsten Männer, die ich je gesehen habe. Was von der Rasse aufwächst, ist allerdings Material für eine künftige Volkssiedlung, und ihm werden auch die psychisch-physischen Eigenschaften nicht fehlen, die das Grenzerleben in Palästina erfordert: Mut und schnelle Entschlossenheit. Diese den Juden im allgemeinen sonst nicht gerade nachgerühmten Eigenschaften haben sich auch bereits bei den eingewanderten Arbeitern entwickelt; sie sind mit der Waffe vertraut, sind entschlossen, sie zu benutzen, und haben bei mancher Gelegenheit, so z. B. bei dem Uberfall eines Gutshofes durch eine unendlich überlegene arabische Streitmacht, eher zu viel als zu wenig Schneid bewiesen. In allen diesen Beziehungen sind also die Bedingungen für eine erste und manche folgende Siedlungsgenossenschaft mit Sicherheit gegeben. Daran hatten auch Kenner des Landes nicht gezweifelt. Dagegen trat mir immer wieder die Meinung entgegen, daß der jüdische Arbeiter als „Individualist vom reinsten Wasser" sich für die Genossenschaft nicht eigne. Gleich meine erste Verhandlung im Lande mit unserm verehrten Dr. Ruppin, dessen hohe Intelligenz und unbestechlicher Wahrheitsdrang gar keinem Zweifel unterliegen können, bewies mir, daß ich an dieser l

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