Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 24 (17.6.1910)
- Date
- 1910-06-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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„Hotel Central", die einen imposanten Verlauf nahm. Saal und Logen waren überfüllt. Die Feier wurde durch Ansprachen des D, K.-Pfäsidenten Dr. Margulies und des Obmanns des Volksvereins „Zion" Dr.Ludwig Singer (tschechisch) eingeleitet, worauf Herr Dr. Alfred Klee (Berlin), vom Publikum sympathisch begrüßt, die Gedenkrede hielt. Sie war ein rhetorisches Meisterwerk voll feinsinnigen, stellenweise leidenschaftlichen Pathos und galt besonders der Darstellung des vornehmen ausgeglichenen Wesens des Gefeierten. Die Zuhörer gaben ihrem Einverständnis mit dem Redner durch lauten Beifall und rege Beteiligung an der Sammlung für die Ölbaumspende Ausdruck. Trautenau. Eine überaus gelungene Veranstaltung des jungen rührigen Vereins „Theodor Herzl", die sowohl, in den Darbietungen als auch in dem Erfolge — es wurden über 30 Ölbäume gezeichnet — alle Anerkennung verdient, fand hier am 4. d. M. statt. Die einleitende Rede hielt Herr Baukommissär Pollaczek. Nebst einem kurzen Lebensabriß Herzls schilderte er dessen Wirken und Streben in überaus ansprechender Weise und mit starker Wirkung. Sehr passend schloß sich hieran die Vorlesung des „Mauschel" durch Herrn Rudolf Kohn. Herr Winternitz rezitierte mit fesselndem Pathos zwei glücklich gewählte Gedichte von Morris Rosenfeld, und Herr Natscheradetz erheiterte die Versammlung mit dem gelungenen Vortrage mehrerer Beda-Gedichte. Ten Beschluß machte ein Theaterstück, für dessen Darstellung den Damen Frau Rosa Nowak und Fräulein Hanna Schwarz und Herrn Paul Sornrnernitz Lob gebührt, wie Herrn Natscheradetz, der es als geübter Regisseur verstanden hat, mit den geringsten Bühnenmitteln sehr Anerkennenswertes zu erreichen. Österreich Brody. Der Verein der zionistischen Hochschüler „Techijah" in Brody plant auf Anregung der A. H.A. H. Dr. Abraham Sehen ker, Dr. Isidor Tennen bäum, Dr. Markus Ol es ker und Dr. Chaim Tartakower für den 26., 27. und 28. August a. c. anläßlich des Beitritts der jüngsten^ Gymnasialabiturienten zu unserm Vereine, die Veranstaltung einer großzügigen Feier (Kollegentag). Zur persönlichen Teilnahme an derselben werden höflichst eingeladen alle Herren, die das hiesige Gymnasium absolviert haben und irgend einer zionistischen Organisation Brodys angehörten oder derselben nahestanden oder sich auf andere Weise um die Ausbreitung der zionistischen Idee in unserer Stadt verdient gemacht baben. Betreffende Herren werden auch, insofern sie noch heute der zionistischen Bewegung mindestens sympathisch gegenüberstehen, soweit unsere Kenntnis von ihnen reicht, schriftlich eingeladen werden. Sie werden für jeden Fall höflichst gebeten, uns ihre Adresse mitzuteilen, sowie sich über die fragliche Feier zu äußern. Sämtliche Zuschriften sind zu richten an den geschäftsführenden Ausschuß der „Techijah" pr. Adresse Josef Schweig, Brody. Czernowitz. (Informationsbureau des Bukowinaer Zionistischen Landeskomitees.) Einem langgehegten Wunsche der jüdischen Bevölkerung entsprechend, hat das Zionistische Landeskomitee in Czernowitz ein Informationsbureau eingerichtet. Dasselbe hat den Zweck, in allen jüdischen, speziell zionistischen Fragen, sowohl privaten, als öffentlicher Natur Rat und Auskunft zu erteilen. Für alle diejenigen Juden, denen die Möglichkeit, einer anderweitigen Information nicht gegeben ist, soll dieses Institut, ein unentgeltlicher Wegweiser werden. Auskünfte werden von Montag den 6. d. M. angefangen, von 3—4 Uhr nachmittags, im Bureau des Zionistischen Landeskomitees, Hormuzakigasse Nr. 4, von Herrn Dr. Philipp Fleischer erteilt. Egen Alle Gesinnungsgenossen, die durch Eger reisen oder von den westböhmischen Kurorten aus Anschluß an die zionistische Organisation suchen, seien darauf aufmerksam gemachf, daß sich das Vereinslokal des Vereins „Ahavath-Zion" in Eger in Hellers Restaurant, Marktplatz, befindet. Prag. Die neugegründete Verbindung „Jordania" hielt am 4. Juni im Restaurant Heine ihren Gründungskommers ab, an dem zahlreiche Vertreter gesinnungsgenössischer Verbindungen aus andern Universitätsstädten teilnahmen. Die Mutterverbindung „Barissia" war korporativ erschienen. Aus den zahlreichen Ansprachen sei besonders die Beglückwünschungsrede des Präsidenten des böhmischen D. K., Dr. Emil Margulies hervorgehoben, der die jungen Leute besonders auf die Notwendigkeit intensiver Palästinaarbeit verwies. Der Obmann des Vereins „Theodor Herzl" in Komotau, Dr. Hirsch, schilderte die Tätigkeit der Provinz vereine, Professor Wertheimer überbrachte die Grüße des Prager Volksvereins, Redakteur Reiner die der F. Z. V. in Prag. Un}er den zahlreichen Depeschen befand sich ein Telegramm des Präsidenten des E. A. C. Herrn Wolffsohn und des jüdischen-Klubs im Abgeordnetenhaus. Beide wurden unter stürmischem Beifall verlesen. Wien. Seit dem Jahre 1906 besteht hier ein hebräischer Konversationsklub „Ivriah", der allwöchentlich Samstagabend Vorträge mit anschließenden Diskussionen in hebräischer Sprache abhält Nach Überwindung vieler im Wiener Milieu gelegenen Schwierigkeiten gelang es ihm, hier festen Fuß zu fassen. Besonders zeigte sich dies im abgelaufenen Winter, wo die Vortragsabende sehr zahlreich besucht waren und die Anteilnahme an den Diskussionen sich sehr rege gestaltete. Doch mit dieser Arbeit gaben sich viele Mitglieder aus den Studentenkreisen nicht zufrieden und schlössen sich zur Bildung eines akademischen Vereins zur Pflege der hebräischen Sprache und Kultur zusammen, um auf diese Weise eine intensivere Tätigkeit entwickeln zu können. Samstag den 15. v.M. fand die konstituierende Generalversammlung des neuen Vereins „Hat'chijah" mit folgendem Wahlergebnis statt: Präsident Dr. phil. E. Eickholz, Vizepräsident cand. iur. S. Horovitz, Sekretär med. M. Margulies, Kassierer phil. H. Freifelder, Bibliothekar phil. L. Dichter. Besondere Verdienste sowohl utn^die „Ivriah" als um die Gründung der „Hat'chijah" haben sich dieHerren Dr. Tartakower und A. B. Rosen stein erworbern. Ung.-Hradisch. Sonntag, den 22. Mai 1910 veranstalteten die jüdisch-nationalen Vereine unserer Stadt eine großangelegte Herzl- Gedenkfeier. Im Namen der veranstaltenden Vereine begrüßte Herr Dr. Arthur Brauner die zahlreich erschienenen Gäste, insbesondere die Vertreter des D. K., die der Nachbargemsinden Ung.-Brod und Ung.-Ostra und mehrerer akademischer Korporationen und schließlich mit allseits gut verstandener Ironie die nichterschienenen Vertreter der Kultusgemeinde Ung.-Hradisch. Nach einer einleitenden Darlegung der Ziele der neubegegründeten „Zionistischen Vereinigung", deren erstes Auftreten in der Öffentlichkeit dem Andenken Tn. Herzls geweiht sei, erhielt Fräulein Martha März das Wort zu einem stimmungsvollen Prologe, an den sich die Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Friedmann-Troppau, Mitglied des rnähr.-schles. D. K., anschloß. In inhaltlich und formell gleichvollendeter Rede brachte der Redner die Gestalt Herzls den Verständnissen der Zuhörerschaft näher, zeigte, wie er sich aus einem ganz fremden Milieu zu seinem stolzen jüdischen Bekenntnisse durchgerungen habe und schloß mit begeistertem und begeisterndem Appell an die Zuhörer. Nachdem Herr Theo Gr oß Ii cht das Vorwort Herzls zum Judenstaate in wirkungsvoller Weise gelesen hatte, nahm Rabbiner Dr. Zwick das Wort zu einer psychologisch tief durchdachten Würdigung des großen Juden Herzl, die von reichem Beifall gelohnt wurde. Nach einem kurzen Schlußworte des Prof. Oskar Liebens schloß der offizielle Teil, dein noch ein kurzes Beisammensein zu Ehren der auswärtigen Gäste folgte, unter Absingung der „Hatikwah". Die von den Daman Sch indler und ElsaJellinek vorgenommene Sammlung ergab für allgemeine zionistische Zwecke über 100 K., für Vereinszwecke zirka 40 K. Deutschland Halle a. S. Nach längerer Pause haben wir über einen recht interessanten Vortragsabend unserer Ortsgruppe zu berichten. Herr Berthold Hallenstein sprach jüngst über „Die gegenwärtige Lage des Zionismus". Referent gab einen Überblick über die Vorgänge im Zionismus während des letztverflossenen halben Jahres, behandelte die Bedeutung des 9. Kongresses, den bekannten Artikel Franz Oppenheimers sowie die nachfolgenden Kontroversen, und referierte dann über die bemerkenswerten Ereignisse innerhalb des deutschen Zionismus. Den Abschluß bildete anläßlich des 50. Geburtstages Theodor Herzls eine ernste Würdigung der Verdienste des Gefeierten um die jüdische Renaissancebewegung. Eine anregende und ergiebige Diskussion schloß sich an den Vortrag und läßt die Veranstaltung weiterer Vorträge auch während des Sommersemesters aussichtsreich erscheinen. Schweiz Die Verhandlungen des am 5. d. M. abgehaltenen Delegiertentages in Zürich wurden durch Begrüßungsworte des Herrn Moritz Levy-Liestal eingeleitet, in welchen er zunächst des 50. Geburtstags Dr. Herzls gedachte, und auf die Lage der russischen Juden in der Gegenwart hinwies. Das Tagespräsidium wurde bestellt und zwar fungierte als Präsident Dr. Pinkus-Zürich und als Protokollführer E. Götschel-Basel. In dem Berichte des Vorortes, von Herrn Moritz Levy erstattet, wird konstatiert, daß die alten Vereine stabil geblieben sind und zwei neue Vereine (Maccabäa-Zürich und Zion. Sekt on des jüdischen Geselligkeitsklubs-Basel) aufgenommen wurden. Es sollen Vorbereitungen getroffen werden für die Verbreitung der zionistischen Idee vor allem durch Gewinnungtüchtiger auswärtigerRedner;dieVerhandiungen darüber sind bisher noch nicht abgeschlossen. Besonderes Gewicht legte der Bericht auf die guten Erfolge des Share-Klubs der in den zwei Jahren seines Bestehens 5325 Frcs. für Erwerbung von Aktien.