Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 23 (10.6.1910)
- Date
- 1910-06-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 23 "" ' ' ' — DIE ELT ' " " - ■ ••- ' " "= 561 erscheint — endgültige Formel pressen. Ebenso intensiv fühlbar ist die Lücke, welche R u d o 1 f Q u i 11 n er -durch seinen frühen Tod zurückgelassen hat Von den Landschaftern bleibt ' nur noch Adolf Kaufmann, der seinen wöhlgegründeten Ruf alljährlich durch neue Arbeiten -dokumentiert, im Herbst in Motiven schwelgend, wie sie Liebermann liebt (Strand bei Katwyk und Kanal in Brügge) diesmal durch eine prächtige Schneelandschaft sich selbst überstrahlend. Strenger und herber, mit einem energischen Ansatz zum individuellen Ausdruck, wird Lazar Krestin. Die Poesie des Ghettojudentums hat an ihm einen anhänglichen und unermüdlichen Vertreter gefunden. Seine Liebe zu den sinnenden, studierenden, melancholisch grübelnden Judengreisen läßt ihn nicht los. Diesmal bezeugt er sie durch ein figurenreiches, trefflich durchkomponiertes Gruppenbild. Noch mehr weltabgewändt, obwohl an Krestins Motive erinnernd, erscheint Isidor Kaufmann. Seine Judenköpfe haben die geschlossenen Lippen, den in sich vertieften Blick der Asketen, die träumerische Ruhe des Weltweisen, der nach langen Irrfahrten entweder zu Gott oder zur Resignation gelangt ist. Trotzdem das Menschenantlitz für ihn die Hauptsache bleibt, reizen ihn gleichzeitig die koloristischen und leninistischen Probleme, und es ist erstaunlich für den Künstler, mit welch folgerichtiger Entwicklung er aus dem stumpfen Galerieton der Munkäcsy-Epoche zu den Lichtprinzipien der Moderne gelangt ist. Von bewunderungswürdiger Feinheit z. B. ist der zarte weiche Ton seiner Interieurwände, von dem dunklen Ton einer sitzenden Figur unterbrochen. Zu einem der geschätztesten Wiener Porträtisten hat sich Nikolaus Schattenstein entwickelt Dieser — ich möchte sagen —-gesellschaftlichen Stellung muß selbst ein großer Künstler Opfer hringen, die nicht nur im Widerspruch zur Freiheit eines Schaffenden stehen, sondern auch den Respekt vor sich selbst zu untergraben vermögen. Infolge der Kompromisse dem Modell und dem Publikum gegenüber sinkt das Porträt zum Plakat oder zur Schablone herab, und die Mätzchen, in denen sich Schattenstein bisweilen versucht, bilden den Hohlspiegel, der das wahrhaft Kühstierische in desto grellerer Verzerrung zeigt. Bezeichnend für seinen Geschmack ist das durchaus willkürlich gewählte Format seiner Bilder, das pikante Lächeln, die modische, mondäne Eleganz, die sinnliche Haltung der schönen Frauen, der hübschen Mädchen. Dem Charakteristischen weicht er in weitem Bogen aus. Nicht groß, aber ehrlich muten David Kohns in gemischter Technik (Rötel und Kohle) gezeichnete Porträts an, während Viktor Scharf in seinen ernsten, technisch vollendeten Bildnissen einer dunklen Töneharmonie zustrebt. Auf sieggewohnter Höhe steht der Altmeister Horowitz. Otto Hersehl, von dem kaufenden Publikum noch immer wenig beachtet, arbeitet unablässig, an sich. Sein Kampf um die Gabe der letzten Form darf umso erfreulicher begrüßt werden, als die Selbstgefälligkeit so vieler anderer einträglicher zu sein scheint als das geheime Ringen nach der Vollendung. Seine Altwiener Studien sind vielversprechende, ausgezeichnete Arbeiten. In CarlZewy begegnen wir einem alten Bekannten, der trotz seiner jahrelangen Tätigkeit noch kein rechtes Verhältnis zur Kunst gefunden hat. Der. Vollständigkeit halber sei noch der treffliche Plastiker Rothberger genannt. Palästina-Nuiriiiier der „Weit" Die Redaktion der „Welt" beabsichtigt, unter Mitwirkung aller hierfür in Betracht kommenden Faktoren, eine großangelegte Palästina-Nummer der „Welt4* herauszugeben, die zu Beginn des Herbstes erscheinen wird. Schon jetzt wollen wir darauf hinweisen, daß wir große Vorbereitungen getroffen haben-, i um durch eine textlich und illustrativ reiche Ausstattung der Palästina-Nummer das Interesse weiter jüdischer Kreide für Erez-Israel zu wecken und zu stärken. Diese Nummer soll aber mehr als eine bloße Propagandaschrift werden. Sie soll in kurzer, übersichtlicher Zusammenstellung alles Wesentliche enthalten, was das gegenwärtige und dashistörische Palästina an Wissenswertem bietet. Neben dem Gelehrten von Ruf soll der praktische Kolonist, neben dem Pädagogen der Volkswirt, neben dem Kaufmann der Künstler zu Worte kommen. Der ernste und hohe Zweck, den wir mit der Herausgabe dieser Nummer anstreben, kann Jedoch nur erreicht werden, wenn unsere Freunde und Gesinnungsgenossen in allen Ländern rechtzeitig für . die Verbreitung der Palästina-Nummer tätig sein werden. Darum wenden wir uns schon jetzt an alle Zionisten mit der Bitte, allerorten eine großzügige Aktion für die Verbreitung der Nummer einzuleiten. Die Expedition der „Welt". Zweite vermehrte Auflage der Herst- Gedenknummer Wir ersuchen, Bestellungen für die Herst-Gedenknummer der „Welt" unverzüglich auf sag eben, da auch die zweite vermehrte Auflage bald vergriffen sein dürfte. Der Preis für die Einzelnummer beträgt SO Pfennig. Zionistischen Vereinen, Vertrauensmännern und Kolporteuren berechnen wir: 10 Exemplare mit Mark 4.60 25 „ „ , 10.00 50 „ , „ 1700 100 „ „ 1 „ . 30.00 Die Exemplare auf Kunstdruckpapier sind bereits vollständig vergriffen. Die Nummer wird nur gegen Voreinsendung des Betrages oder Nachnahme geliefert. DIE EXPEDITION DER „WELT?' ■ Köln a. Rh., Karolingerring Nr. 31.