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Die Welt · 1910-06-03 · 22 (3.6.1910) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
22 (3.6.1910)
Date
1910-06-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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NO. 22 DIE^qKELT 547 Das hygienische Institut in Palästina Die aus Ärzten zusammengesetzte Kommission in Berlin für . das hygienische Institut in Palästina ist gegenwärtig damit be-, schäftigt, bekannte Bakteriologen, Hygieniker etc. für das geplante Institut zu interessieren und ein größeres Komitee hervorragender Fachleute ins Leben zu rufen. Der ehrenamtliche Schriftführer der Kommission, Herr Dr. Hans Mühsam, hat bereits Zustimmungen von verschiedenen bekannten Gelehrlen erhalten. U.a. hat sich der .Direktor des städtischen Untersuchungsamtes in Berlin Herr Geheimrat Prof. Dr. Pros kau er bereit erklärt, dem Ehrenkomitee beizutreten. Der bekannte Biologe Prof. Jacques Loeb, Berkeley Kalifornien), der besonders durch die Entwicklung von Seeigeln aus unbefruchteten Eiern in der wissenschaftlichen Welt so jung berühmt geworden ist und dem große europäische Universitäten die ordentliche Professur angetragen haben, hat in einem ausführlichen Schreiben seine Zustimmung zu dem geplanten Unternehmen zum Ausdruck gebracht und die Hoffnung ausgesprochen, daß er nach seiner bevorstehend3n Übersiedlung nach New- York, wo er die Leitung der biologischen Abteilung des Rockefeller Instituts übernimmt, die Möglichkeit haben wird, dem hygienischen Institut in Palästina gute Dienste zu leisten. Auch andere hervorragende Kapazitäten auf medizinischem Gebiete haben ihren Beitritt in Aussicht gestellt. Nach erfolgter Konstituierung des Ehrenkomitees wird die Berliner Kommission für das hygienische Institut, unterstützt durch Zweigkommissionen in den Hauptstädten verschiedener Länder, eine größere Akiion zu Gunsten desjnstituts einleiten. Nähere Auskünfte über den Zweck des Instituts usw. erteHt Herr Dr. Hans Mühsam, Berlin W. 30, Maassenstraße 11. Rußland Ausweisungen — und kein Ende Am 25. Mai wurde Abgeordneter Friedmann von einer Abordnung von 40 jüdischen Familien aus Toropetz, Gouv. Pskow, besucht. Diese 40 Familien werden auf. Grund eines ungünstigen Zeugnisses des Landrats ausgewiesen. Indessen brachte die Deputation glänzende Zeugnisse mit, die den Toropetzer Juden vom Adeismarschall und von vielen Beamten und angesehenen christlichen Bürgern ausgestellt waren. Am 20. Mai erhielt Abgeordneter Friedmann die telegraphische Mitteilung, daß im Gouvernement Jekaterinoslaw massenhafte Judenausweisungen begonnen haben. Es werden Personen ausgewiesen, die bereits mehr als zehn Jahre im Gouvernement Jekaterinoslaw (welches, nebenbei bemerkt, zum Ansiedlungsrayon gehört) ansässig sind und das Wohnrecht besitzen. Abgeordneter Friedmann wurde um Beistand angefleht. Er wandte sich nun an Stolypin. Die Intervention Englands Aus London wird uns gemeldet: Die Präsidenten des Jewish Board of Deputies und der Anglo Jewish Association, Mr. D. L. Alexariderund Mr. Claude S. Montefiore, sprachen diese Woche wieder im Foreign Office vor. Den Anlaß dazu gab eine Reuter-Depesche aus St. Petersburg an die Westminster Gazette, welche meldete, daß die zur Prüfung der Rechte der aus Kiew auszuweisenden 700 jüd. Familien eingesetzte Kommission der Regierung empfohlen haben soll, nur I0°/o dieser jüdischen Familien zu gestatten, in Kiew zu verbleiben, die übrigen 90°/o dieser unglücklichen Familien aber sollen die Stadt nach Ablauf eines Monats verlassen. Das Resultat dieser Intervention ist noch einstweilen unbekannt, aber vielleicht gelingt es auch jetzt dem Foreign Office, die befreundete russische Regierung für eine humanere Behandlung der Kiewer Juden zu gewinnen. Aufhebung einer jüdischen Zeitschrift Das russisch-jüdische Wochenblatt „Jewreisky Mir" (Die jüdische Welt) wurde vom Petersburger Stadthauptmann wegen des Leitartikels in der letzten Nummer, der von den Kiewer Ausweisungen handelte, suspendiert. Hilfsaktion für die russischen Juden Angesichts der bedrohlichen Lage der Juden in Rußland, die großes wirtschaftliches Elend und starke Auswanderung im Gefolge hat, muß sich der Hilfsverein zu einer größern Hilfsaktion vorbereiten, für die die Commerz- und Disconto-Bank, Berlin W., Charlottenstraße 47, Beträge entgegennimmt. II^^NACHRICHTEN Ein Pogrom in Persien In der großen persischen Handelsstadt Hamadan hat sich jüngst ein Pogrom ereignet. Die Ursache war, daß ein Jude eine persische Frau geschlagen hatte. Zufällig starb die Frau nach ein paar Tagen. Unter dem Pöbel wurde nun ausgestreut, daß sie infolge eines Schlages gestorben sei, den sie von dem erwähnten Juden erhalten hatte. Der Pöbel demolierte und plünderte mehrere jüdische Häuser, schlug und verwundete?ahlreiche Juden. Der Gouverneur schritt bald energisch ein und stellte die Ruhe wieder her Die Wahlen in Bosnien Bei den Wahlen in den bosnischen Landtag wurde am zweiten Wahltag, am 23. Mai, in der jüdischen Kurie der Spaniole Herr Josua Salom mit großer Majorität gewählt. Emigrationskongreß in Wien Das Wiener Initiativkomitee zur Einberufung eines Ernigrationskongresses versendet ein Expos 6 an die jüdischen Organisationen, die sich für die Emigration interessieren, und an mehrere jüdische Gemeinden. Die Denkschrift begründet die Notwendigkeit der Regelung der jüdischen Aus-, Durch- und Einwanderung und beantragt die Einberufung eines Allgemeinen jüdischenEmigrationskongresses für Mitte September d. J. nach Wien. Verband orthodoxer Rabbiner Deutschlands Unter reger Beteiligung der Mitglieder fand am 16. und 17. Mai die Generalversammlung des Verbandes orthodoxer Rabbiner Deutschlands in Frankfurt a. M. statt. Rabbiner Dr. S. Breuer (Frankfurt a. M.) führte den Vorsitz. Den Vorstandsbericht erstattete Rabbiner Dr. R. Breuer (Aschaffenburg^ Der Verband, der 56 Mitglieder zählt, hat zu bedeutsamen aktuellen Fragen, wie Gesamtorganisation der Juden in Preußen, Sonntagsruhe, badisches Gebetbuch, französische Rabbinerversammlung usw., durch Eingaben und Erklärungen Stellung genommen. An den Vorstandsbericht schloß sich eine angeregte Diskussion. Das Referat des Herrn Dr. Biberfeld (Berlin) über „Die Lage der Orthodoxie" wurde, da der Referent am Erscheinen verhindert war, durch den Vorstand zur Verlesung gebracht. Das Korreferat erstattete Dr. Cahn (Fulda). Dr. Hirschfeld (Gießen) hielt einen instruktiven Vortrag über „Schaatnes". Dr. Bondi (Mainz) referierte über das Thema „Wie weit ist die moderne Bibelkritik beim Unterricht zu berücksichtigen?" Die Hauptversammlung der „Freien Vereinigung" Frankfurt a. M. Am 15. Mai fand hier unter starker Beteiligung die Hauptversammlung der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums statt. Nach Begrüßung der Erschienenen durch den Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. Breuer, erstattete der stellvertretende Vorsitzende, Herr Jacob Rosen heim den Geschäftsbericht, der von der regen, vielseitigen Tätigkeit der Vereinigung auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen jüdischen Lebens Zeugnis ablegte. Das Palästinensische Schulwerk der Freien Vereinigung, das unter der Leitung des Seminarlehrers Dr. Moses Auerbach in Pethach-Tikwah steht, erstreckt sich, wie der Geschäftsbericht mitteilt, bereits auf fünf Orte und ist in erfreulicher Entwicklung begriffen. Nachdem unter großem Beifall dieDecharge erteilt war, wurden die Wahlen vorgenommen. Die 13 ausscheidenden Ausschuß-Mitglieder wurden sämtlich wiedergewählt. Neugewählt wurden die Herren: Dr. med. Calvary-Posen, Bankier Georg Hermann Loewy-Rawitsch, Lehrer B. Wolff-Aurich und Kaufmann Emil Isaak-Frankfurta.M. Neben dem letztern wurden die ausscheidenden Vorstands-Mitglieder Kommerzienrat George Marx-Königsberg, Emanuel Ettinghausen, Wilhelm Hackenbroch und Adolf Stern-Frankfurt a. M. wiedergewählt. Rüben Brainins Heimkehr Der bekannte hebräische Schriftsteller Rüben Brainin ist nach halbjährigem Aufenthalt in Amerika, wo er eine Vortragstournee mit außerordentlichem Erfolg absolvierte und in weiten Kreisen der amerikanischen Judenheit für die national-jüdischen Ideen nachhaltiges Interesse wachzurufen verstand, nach Europa zurückgekehrt. Brainin wird seine Eindrücke vom jüdischen Leben in Amerika demnächst in Buchform veröffentlichen.

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