Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 22 (3.6.1910)
- Date
- 1910-06-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE ELT KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XiV. JAHRO. KÖLN, 3. Juni 1910 |:mr6 Nö'nn'N -pw h"d No. 22 DIE JAHRESKONFERENZ In der letzten Woche dieses Monats wird in Berlin die Jahreskonferenz zusammentreten. Den Vertretern der Landesorganisationen und unsern finanziellen Institutionen wird die Aufgabe gestellt sein, in einer zweitägigen Beratung alle seit dem Hamburger Kongreß schwebenden Fragen zu erörtern und einer Lösung zuzuführen. Die Beratungen der Konferenz erfolgen in ernster Stunde. Die Teilnehmer werden unter der Einwirkung der Tatsache stehen, daß sich die äußere Lage des Judentums wieder verschlechtert hat. Es vergeht kein Tag, an dem nicht von irgendwelchen Exzessen oder gesetzgeberischen Ausschreitungen gegen Juden in irgendeinem Winkel der Erde berichtet würde, kein Tag, der nicht wieder von neuem von der leiblichen und seelischen Not des Judentums redet. Und gerade die letzten Tage haben eine Verschärfung der Judenverfolgung in Rußland gebracht. Wenn solchermaßen die Konferenz unter dem Druck der bedrohlichen Gestaltung der Gesamtlage des Judentums stehen wird, so findet sie auch im Innern eine ungeklärte Situation vor. Die Diskussion, die seit dem Hamburger Kongreß über die von ihm offen gelassenen Fragen begonnen hat. kommt nicht zur Ruhe. Ein solches Problem ist besonders die Frage der Ausgestaltung des Engeren Actions-Comites. Man kann über die Notwendigkeit dieser Forderung verschiedener Meinung sein. Sicher ist, daß durch die Diskussion hierüber viele wertvolle Kräfte gebunden werden und in der Arbeit für die Verbreitung unserer Idee, für die Popularisierung unserer finanziellen Institutionen fehlen. Deshalb muß die Frage bereinigt und der unhaltbaren Situation ein Ende gemacht werden. Die Konferenz findet nach dieser Richtung genau umschriebene Vorschläge des Engeren Actions-Comites vor, welche den Forderungen, die in Hamburg und nachher laut geworden sind, Rechnung tragen sollen. Es wird die Wahl eines kollegialen Ausschusses vorgeschlagen, welcher gemeinsam mit dem Engeren Actions-Comite in allen wichtigen Angelegenheiten zu entscheiden hat. Man darf die Hoffnung aussprechen, daß die Beratung dieses Vorschlages zu einem gedeihlichen Resultat führen wird. Die Jahreskonferenz wird sich vor Augen zu halten haben, daß diese Art der Lösung einer so viel und so lebhaft erörterten Frage nur einen provisorischen Charakter haben kann, weil sie mit der — wie sich gezeigt hat — unbedingt notwendigen Reformierung der ganzen Organisationsform in unmittelbarer Beziehung steht. Die Organisation muß auf eine Basis gestellt werden, welche ihre Konsolidierung, ihren ruhigen, ungestörten Gang verbürgt. Diese Erkenntnis ist ja nicht neu, aber die Art der Organisation, wie sie heute besteht, ist von einem Kongreß beschlossen worden und kann nur von einem Kongreß geändert werden. Es muß deshalb dem nächsten Kongreß ein neues Organisationsstatut vorgelegt werden, welches eine gründliche, zweckdienliche Umformung der Organisation ermöglicht. Mit der Vorbereitung dieser Angelegenheit wird sich die Jahreskonferenz gleichfalls zu befassen haben. In dieser Besprechung werden alle die Mißhelligkeiten des Halbjahres, das seit dem Kongreß verstrichen ist, zur Austragung und, wie wir hoffen, zur Beseitigung gelangen. Die Tagesordnung der Jahreskonferenz enthält wichtige und dringende Angelegenheiten, welche die Fortsetzung unserer Kulturarbeit in Palästina betreffen. Hier wird vor allem die Konferenz ihre Aufmerksamkeit dem Bericht zuwenden, den Dr. Franz Oppenheimer, der in der letzten Zeit aus Palästina zurückgekehrt ist, über seine Vorstudien im Lande für die Möglichkeiten der Siedlungsgenossenschaft erstatten wird. Eine schwere und darum schöne Pflicht haben die Männer zu erfüllen, die sich zur Jahreskonferenz versammeln. Sie treten zur gemeinsamen Aussprache, zur gemeinsamen Beratung zusammen. Nur wenn ihre Aussprache den so nötigen Frieden bringt, wird sie neue geeignete Richtlinien für unsere Bewegung feststellen können. Die besten Wünsche und Hoffnungen der Zionisten werden ihre Beratungen begleiten.