Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 20 (20.5.1910)
- Date
- 1910-05-20
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 20 DIE2 Während also der J. N. F. am Ende des Jahres 1908 ein beträchtliches werbendes Kapital in Büchsen festgelegt hatte, stand davon kein Pfennig auf der Bilanz und war der Rechnungsabschluß des Jahres mit einer verhältnismäßig schweren Ausgabe belastet die doch nicht nur zugunsten dieses Jahres, sondern im Gegenteil zugunsten einer Reihe von Jahren kam. In diesem Jahre haben wir mit jenem System gebrochen. Wir haben die im Jahre 1909 angeschafften Büchsen nur mit einem Drittel ihres Anschaffungswertes dem Jahre 1909 zur Last gebracht. Ein weiteres Drittel wird im Jahre 1910 und das letzte Drittel im Jahre 1911 abgeschrieben. Da die durchschnittliche Benutzungsdauer einer Büchse eine beträchtlich längere ist, so entspricht dieses Verfahren vollkommen einer soliden Geschäftsführung, und es ist denn auch von unsern strengen Auditors anstandslos genehmigt worden. — Auch die Anschaffung der Marken wurde 1908 ganz als Verlust abgeschrieben. Dieses Verfahren haben wir allerdings auch 1909 noch befolgt. Sollten w ir aber im Jahre 1910 eine größere Emission für eine Reihe von Jahren unternehmen, so werden wir gewiß erwägen müssen, ob wir auch diese beträchtlichen Kosten nicht über einige Jahre verteilen sollen. Der Grund dafür ist nicht der, daß wir irgendein Jahr günstig abschneiden lassen wollen, sondern nur, daß wir den Mitgliedern unserer Genossenschaft und der breitern Öffentlichkeit ein richtiges Bild von unsern Durchschnittskosten geben wollen. Der Rechnungsabschluß pro 1908 wurde auch dadurch noch beschwert, daß man einen sehr beträchtlichen Betrag (ca. 400 £) an nachträglichen Kosten der Wiener Verwaltung zu tragen hatte. Schließlich kam folgender Umstand hinzu: Der Verein Ölbaumspende hat seit der Legalisierung des J. N. F. eine gesonderte Buchhaltung geführt. Da er aber nicht über eine eigne Organisation verfügte, vielmehr fast ausschließlich seine Einnahmen aus der Sammelorganisation des J. N. F. bezog, so figurierten die allgemeinen Kosten des J. N. F., welche zu einem guten Teil auch für die Ölbaumspende gemacht wurden, im (Rechnungsabschluß des J. N. F., während die Einnahmen der Ölbaumspende darin nicht aufgeführt wurden. Wenn man in Betracht zieht, daß die Ölbaumspende im Jahre 1908 M 46000 eingenommen hat, so ist es klar, daß dadurch das Bild des Unkostensatzes beträchtlich zum Nachteil des J. N. F. verunstaltet wurde. Wie schon bemerkt worden ist, ist im Rechnungsabschluß pro 1909 die Ölbaumspende aufgenommen worden. Am besten ließe sich der J. N. F. in der Periode 1908/9 und voraussichtlich auch noch wohl in einigen kommenden Jahren, hinsichtlich der Kosten, mit einer neugegründeten Lebensversicherungsgesellschaft vergleichen. Bekanntlich haben die jungen Lebensversicherungsgesellschaften außerordentlich schwere Aufwendungen zu machen, um sich in den ersten Jahren einen Kundenkreis zu erwerben. Diese Kosten werden gewöhnlich zum größten Teil als Aktivum in der Bilanz aufgeführt und werden erst allmählich in den spätem Jahren abgeschrieben. — Dadurch erreichen die Gesellschaften eine gleichmäßige Verteilung ihrer Kosten über die in Betracht kommenden Rechnungsjahre. Selbstverständlich wäre eine solche Bilan?politik für den J. N. F. nicht angebracht, und sie ist denn auch nicht befolgt worden. Doch sollte man bei der Beurteilung unserer Rechnungsabschlüsse dieses Beispiel im Auge behalten und sich klar darüber sein, daß in diesen Anfangsjahren jedes Jahr beträchtliche Kosten für den Ausbau der Organisationen zu tragen hat. In dem Rechnungsabschluß finden sich zwei größere Posten, nämlich: Provisionen an Sammelstellen und Verwaltungs- und Propagandakosten in Köln und Berlin. Ich kann nicht umhin, zu diesen beiden Posten noch einige Bemerkungen zu machen. Die Provision für die Landessammelstellen wird zum weitaus größten Teil für die Propaganda in den einzelnen Ländern und nur zum kleinern Teil für die Verwaltungskosten der Landessammelstellen j&ELT 501 gebraucht. Beim Rechnungsabschluß pro 1910 hoffe ich in der Lage zu sein, Ihnen diese Kosten genau nach diesem Gesichtspunkte zu zerlegen, da wir bestrebt sind, eine immer genauere Übersicht über die Art und Weise, in welcher die Landessammelstellen die ihnen gewährte Provision verwenden, zu gewinnen. Insbesondere mache ich sie darauf aufmerksam, daß in diesem Posten auch die Vergütungen an eine ganze Reihe von Landesorganen für den Ausweis und für die sonstigen Veröffentlichungen des J. N. F. enthalten sind. Die zionistische Presse wird auf diese Weise nicht nur durch unsere direkten Vergütungen, sondern auch dadurch, daß das Interesse für unsern Ausweis viel zur Ausdehnung des Abonnentenkreises beiträgt, unterstützt; allerdings auch zu unserm Vorteile. Denn es ist eine Wahrheit, die uns jeder Sammler zugeben wird, daß ohne den Ausweis das Sammeln für den J. N. F. kaum möglich wäre. Anderseits w»Hen die Verwalter der Landesorgan e-uns wahrscheinlich ohne weiteres gestehen, daß die Ausweisvergütung des J. N. F. einen kaum entbehrlichen Faktor in ihren Einnahmebudgets darstellt. — Was nun den Posten der Verwaltungs- und Propagandakosten in Köln und Berlin betrifft, so sind darin alle Kosten, die für die Ölbaumspende überhaupt in Berlin gemacht worden sind (abgesehen von Provisionen an Sammelstellen) enthalten. (Da die Buchhaltung der Ölbaumspende bis jetzt in Berlin geführt wurde, waren wir hier nicht in der Lage, die Berliner Kosten zu zerlegen.) Es wird allerdings nicht leicht sein, in der Zukunft diesen Posten nach dem Gesichtspunkte der Trennung zwischen Verwaltung und Propaganda einzuteilen, da z. B. die Gehälter unserer Beamten ausnahmslos sich sowohl auf Verwaltung wie auf Propaganda beziehen. Der größte Teil ihrer Zeit und Energie wird ja von unsern Herren für die ZusammAnstellung und Verbreitung unserer Propagandamittel verwendet. Dar Posten Verwaltungskosten in Palästina ist ziemlich hoch. Es soll dabei in Betracht gezogen werden, daß unsere Ausgaben in Palästina sich durchaus nicht auf die Verwaltung unseres dortigen Landbesiües beschränken, vielmehr zu einem großen Teile den ArbMten und Untersuchungen für unsere weitem Ankäufe, Kreditgewährungen usw. dienen. Da die Bodenkaufverhandlungen in Palästina bekanntlich langwierig und kostspielig sind und nach mehreren Richtungen Verhandlungen zu pflegen sind, um ein Stück zu kaufen, ziehen wir es vor, derartige vorläufige Kosten nicht als Aktivum auf das Konto des schließlich gekauften Grundstückes zu verbuchen, sondern schreiben dieselben als Unkosten ab. — Übrigens wollen Sie nicht vergessen, daß ohne diese Vergütungen für die Verwaltung und Vertretung in Palästina die Organisation wohl kaum imstande wäre, das Palästina Amt, dessen Nützlichkeit für d;e jüdischen Interessen in Palästina weder innerhalb noch außerhalb der Organisation Widerspruch findet, zu halten. Überhaupt möchte ich darauf aufmerksam machen, daß ein beträchtlicher Teil unserer Aufwendungen andern zionistischen Institutionen wieder zufließt. Nach diesen Erläuterungen dürfte es genügend klar sein, daß weitaus der größte Teil unserer Kosten sowohl im Vorjahre wie in diesem Jahre sich aus Ausgaben für die Propaganda und für den Ausbau unserer Sammelorganisation zusammenstellt. Allerdings ist dabei kein Pfennig ausgegeben worden, ohne daß die betreffende Ausgabe in bezug auf ihre Zweckmäßigkeit sorgfältig geprüft und gewöhnlich auch mit den erprobten Leitern unserer größeren Sammelstellen und mit einigen andern bewährten Freunden von anerkannter organisatorischer Tüchtigkeit durchberaten worden wäre. Doch muß ohne weiteres zugegeben werden, daß beträchtliche Beträge für die Propaganda aufgewendet worden sind. Eine solche Politik ist schließlich nur dann zu verteidigen, wenn sie gelingt, und gelungen darf sie nur dann heißen, wenn folgendes erreicht worden ist: aus dem J. N. F. eine jüdische Volksinstitution gemacht zu haben, der, ohne irgendeine außerordentliche Welle von Begeisterung