Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 18 (18.5.1910)
- Date
- 1910-05-18
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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406 Aus Palästina Dr. Oppenheimer in Palästina. Dr. Oppenheimer setzt seine Studienreise fort. Nachdem er die judäischen Kolonien besucht und insbesondere auf dem Nationalfondsgute in Beth-Arif und in Rechowoth* Gelegenheit hatte, mit den Arbeitern Fühlung zu nehmen, sowie im Beth-Am in Jerusalem vor einem größern Publikum seine Theorie über die Siedlungsgenössenschaft auseinanderzusetzen, begab er sich nach Galiläa. Hier hat das meiste Interesse für ihn die Siedlungsgenossenschaft, die von der Palestine Land Development Co. auf ihrem vom N. F. gepachteten Gute in Um-Djuni (Kinereth) vor 5 Monaten eingerichtet wurde. Neue Spenden des Herrn Moser Herr Moser hat neuerdings auch dem im Entstehen begriffenen hebräischen .Gymnasium in Jerusalem einen Beitrag von 5000 Frs. zukommen lassen. Diese Schule wird zur Zeit von 19 Kindern in verschiedenem Alter besucht, die von 3 Lehrern Unterricht erhalten. Durch den Beitrag des Herrn Moser hofft die Schule in die Lage zu kommen, noch zwei tüchtige Lehrkräfte — es fehlt insbesondere ein Lehrer für die naturwissenschaftlichen Fächer — heranzuziehen und dadurch* noch größeres Vertrauen zur Anstalt in denjenigen jüdischen Familien Jerusalems zu erwecken, die ihren Kindern eine Mittelschulbildung angedeihen lassen wollen. Über 20 jüdische Kinder befinden sich in katholischen und protestantischen Mittelschulen in Jerusalem, die zweifellos das Hebräische Gymnasium bevorzugen werden, wenn hier ein geordneter Unterricht erteilt werden wird. Auch dem Jerusaiemer Beth-Am hat Herr Moser 1000 Pres, gespendet. Herr Moser suchte während -seines Jerusalemer Aufenthaltes sich gründlich mit dem jüdischen Leben dieser historischen Stadt bekannt zu machen und scheute keine Mühe, wenn es nur galt, etwas Neues zu sehen. Er und seine Frau erwarben hierbei aufrichtige Sympathie weiter Kreise, wie dies bei der Abschiedsfeier, die ihnen zu Ehren der Verein Kinor-Zion veranstaltete, deutlich zum Ausdruck kam. Der Feier wohnten die zurzeit in Jerusalem weilenden Gäste Dr. Paul Nathan, Dr. Katz (Syndikus der Simon- Stiftung in Hannover), E. M. Lilien, Dr. Zlocisti u. v. a bei. Absehledsfest des hebr. Gymnasiums in Jaffa zu Ehren des Ehepaares Moser Jaffa, 14. April. Gestern fand hier ein vom hebr. Gymnasium veranstaltetest Abschiedsfest zu Ehren des Herrn Moser und seiner Frau statt, an dem der Aufsichtsrat und die Lehrer des Gymnasiums, sowie die nähern Freunde der Anstalt teilnahmen. Ansprachen hielten die Mitglieder der Direktion, Herr Scheinkin, Dr. Metmanfl, Dr. Mossinsohn, ferner die Herren Dr. Kohan- Bernstein, Dr. Tho.n, Feldmann und andere. Sämtliche Redner hoben das innige Verhältnis der^Stifter zu Palästina und seinen wichtigsten nationalen kulturellen Institutionen hervor. Herr Moser erwiderte in warmen und bewegten Worten und erklärte, daß er nach Palästina nicht des Vergnügens wegen gekommen sei; er habe die Zeit seines Hierseins lediglich dazu ausgenützt, um sich ein objektives Bild von den kulturellen Bedürfnissen des Landes zu verschaffen. Schließlich sprach er die Hoffnung aus, in Kürze wieder in Erez Israel zu sein. Institut für jüdische Musik in Jerusalem. Der durch Kompositionen wie durch originale literarische Arbeiten auf dem Gebiete jüdischer Musik bekannte Kantor und Gesanglehrer Abraham Zwi Ben-Jehuda eröffnete in Jerusalem eine Musikschule. Herr Ben-Jehuda, ein geborener Jerüsalemite, hatt aiich in Europa Musikstudien getrieben. Als Palästinaer hatte er; Gelegenheit, nicht bloß die synagogalen und weltlichen Gesänge der Aschkenasim und Sefardim, sondern auch die der Jemeniten, der marokkanischen, persischen und bucharischen Juden zu studieren und miteinander zu vergleichen. Nicht minder eifrig befaßte er sich mit den chassidischen Melodien, wie überhaupt mit der orientalischen und slavischen Musik. Da er mit von eingehenden Sachkenntnissen getragenem Eifer daran geht, den jüdischen Gesang in Jerusalem zu pflegen und zu entwickeln, so ist ihm ein voller Erfolg in seinem Unternehmen zu wünschen. Ein Konsumverein in Metullah In Metullah hat sich, »ach dem Beispiel der Kolonisten von Melhamie, ein Konsumverein gebildet, der einen eigenen Verkaufsladen eröffnet hat. — Der neue Arzt, Herr Dr. Stern, hat seinen Posten bereits angetreten. NACHRICHTEN Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands In der dritten Vorstandssitzung des Verbandes wurde u. a. ein Normalstatut angenommen. Dasselbe ist als eine Art Denkschrift zu betrachten, die über die Tendenzen und die Organisation der Jugendvereine unterrichten soll; es enthält die Richtlinien, nach denen neu entstehende Vereine ihre Satzungen abfassen, die alten Vereine die ihrigen nach Belieben abändern können. Sodann wurde über eine Spende von 2000 Mk. berichtet,, die Herr Siegfried Brün n - Berlin dem Verbände zur Verfügung gestellt hat. In der Beratung über die Verwendung des Geldes wurde von vielen Seiten betönt, daß die Einnahmequellen sich dem Verbände nur dann reichlich erschließen würden, wenn die Vereine Bestrebungen irgend einer politischen und religiösen Richtung vermeiden .würden. Die erste Nummer des Verbandsorgans, das monatlich erscheinen soll, wird anfangs September an die Vereine gelangen. Aus dem Geschäftsbericht sei folgendes angeführt: Neu begründet wurden die Vereine in Krefeld, Nürnberg, Bonn, Ratibor und Insterburg.. Aufgenommen sind die Vereine Zabrze, Halle, Liegnitz, Erfurt und Elberfeld. Die Zahl der Verbandsvereine ist somit auf 47 gestiegen. In Begründung begriffen sind die Vereine in Leipzig, Gelsenkirchen, Stargard in Pommern, Breslau, Landsberg a. d. Warthe. Mit Österreich stand der Verband auch in den letzten Monaten in Verbindung, und zwar sowohl mit Wien als auch mit Prag. Es steht zu erwarten, ' daß auch dort die Jugendbewegung in Bälde sichtbare Formen annehmen wird. Um der jüdischen Jugend an kleinern, für Vereinsgründuhgen nicht geeigneten Plätzen den Segen der Jugendbewegung zuteil werden zu lassen, und auch bei ihr Interesse für . das Judentum und seine Aufgaben zu wecken, beschloß der Verband, -sich mit dem D. I. G. B. und dem Verbände der jüdischen Lehrer im Deutschen Reich in Verbindung zu setzen. Die Lehrer der kleinern Plätze sollen angegangen werden, die in ihren. Gemeinden befindliche reifere Jugend zu sammeln, mit ihr womöglich; einmal in der Woche zusammenzukommen und mit den erwachsenen jungen Damen; und jungen Leuten in mehr kommilitonenhafter Weise einzelne Partien aus der Geschichte der Juden durchzunehmen, mit ihrieii anregende Artikel aus den jüdischen Zeitungen zu lesen, zu besprechen usw., um sie auf diese Weise für die spätefe Mitgliedschaft in Jugendvereinen der größern Plätze vorzubereiten. Alliance Israelite Universelle Wir haben schon des öftern auf die Tatsache hingewiesen, daß die Alliance Israelite Universelle in diesen Tagen das Jubiläum ihres 50jährigen Bestehens feiert. Es waren aus;diesem: Anlasse mannigfache Festlichkeiten geplant, die jedoch inzwischen infolge der Erkrankung des Herrn Narcisse Leven, des gegenwärtigen Präsidenten der Alliance, auf den November verschoben wurden. — Wir werden auf die Jubelfeier der Alliance noch des nähern zurückkommen. Mark Twain Samuel Langhorne Clemens, der amerikanische Humorist, der unter dem Autornamen Mark Twain weltberühmt geworden ist, verschied dieser Tage in .Redding (New York) im Alter von fünfundsiebzig Jahren. Unter den Humoristen des neunzehnten Jahrhunderts ist Mark Twain der siegreichste. In den unzähligen humoristischen Skizzen und Novellen, die er geschrieben, hat er auch manchen jüdischen . Typus mit glänzendem Humor geschildert. Mark Twain sprach einmal zu Gorki die 'Worte: »Ich; hatte bis jetzt geglaubt, daß die russische Regierung bloß Judenfresserin. ist Ich sehe aber ein, daß ich mich geirrt habersie ist Menschehfresserin überhaupt." Und Mark Twain beteiligte sich auch an allen Kundgebungen gegen die Judenmassakers fund die Massenhinrichtungen in Rußland. Sehr heiter gestaltete sich sein Zusammentreffen mit dem JargönhUirioristen Scholem Alechem, den man in New York den „jüdischen Mark Twain0 nennt Ais Scholem Alechem vor einigen Jahren in den Vereinigten Staaten eintraf, brachten fast alle amerikanischen Zeitungen ausführliche Berichte über ihn, sein Leben und Schaffen, und allgemein wurde 4hm jene Bezeichnung beigelegt An einer Feier nun, die anläßlich der Anwesenheit des Dichters in New York stattfand, nahm' auch Mark Twain teil. :Der amerikanische Humorist ging auf seinen Kollegen zu und stellte sich ihm mit den Worten vor: „Erlauben Sie, daß ich mich mit Ihnen bekannt mache: Jch bin der amerikanische Scholem. Alechem."