Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 32 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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784 DIE ELT No. 32 4' Rüben Brainin und der Rabbiner von Jassy, Dr. Niemirower halten sich in bereitwilliger Weise als Redner zur Verfügung gestellt. Als der greise Chachambaschi das Podium betrat, erhob sich ungeheurer Jubel. Er sprach in hebräisch, unter ununterbrochenem Beifall, von dem mächtigen Eindruck, den .Herzls Persönlichkeit auf ihn gemacht, und von seinen Kämpfen für die Sprache der Bibel in Jerusalem und Saloniki. Der zweite Redner, Rüben Brainin, der ebenfalls hebräisch sprach, zeigte, von der geistigen Judennot ausgehend, wie einzig und allein die Rückkehr des Judentums zu seiner Sprache Genesung bringen könne. Dr. Niemirower führte in äußerst geistreicher Weise in deutscher Sprache aus, daß nur die Kenntnis der lebendigen hebräischen Sprache das Judentum der ganzen Welt einigen könne. Ungeheurer Beifall dankte den beiden hervorragenden Männern. Man hatte den Eindruck, daß das 700köpfige Publikum den festen Entschluß mit nach Hause nahm, die Ziele des „Histadruth Ibrith" mit allen Kräften zu unterstützen. Ein namhaftes Reinerträgnis wird dem Verein „Histadruth" zufließen. Um das Gelingen der Veranstaltung hat sich das Kurgastkomitee, voran die Familie Slotopolsky aus Kiew, sehr verdient gemacht. Nach Schluß der Versammlung folgte ein gemütliches Beisammensein aller Veranstalter bei Kirsch, woran auch der Schriftsteller Herr S. Hurwitz, der Obmann des Histadruth, teilnahm. Deutschland Dessau. Unser Gesinnungsgenosse Herr Kantor Blitz scheidet am 1. Oktober aus seinem Amte. Infolge Oberanstrengung in seiner vielfachen Tätigkeit wurde seine Gesundheit erschüttert, was seinen Entschluß veranlaßte. Vor seinem Scheiden hat er noch einen großen Erfolg in seiner zionistischen Tätigkeit aufzuweisen. Nach seiner Rückkehr aus Palästina im vorigen Jahre verstand er nämlich die hiesigen Kreise für die praktische Arbeit in Palästina zu interessieren. Im Verein mit den übrigen Vorstandsmitgliedern der hiesigen Ortsgruppe gelang es ihm, die hiesige Gemeinde zur Gründung eines Olivenwaldes in Palästina am Kinereth zu bestimmen. (Wir teilen über diesen Erfolg der Bemühungen des Herrn Blitz näheres an anderer Stelle mit.) Türkei Saloniki. Der hiesige jüdische Turnverein „Maecabi" wünscht mit den jüdischen Turnvereinen aller Länder in Briefwechsel zu treten, um sein Tätigkeitsgebiet in zweckentsprechender Weise ausdehnen zu können. Gefl. Zuschriften sind zu adressieren: Messieurs Demayo & Pelosof, pour Arditti, Salonique. Ägypten Kairo. Der Verein Bne Zion Kadimah veranstaltete am 31. Juli eine Herzlfeier. Es wurden von mehreren Rednern Ansprachen in hebräischer, jüdischer und französischer Sprache gehalten. Besondern Beifall weckte die einstündige Rede des Herrn J. Caleff. Mehrere junge Damen und Herren trugen begeisterte nationale Deklamationen vor. Die Versammlung stiftete zwei Bäume im Herzlwald. Amerika New York. Die Federation of American Zionists hat den bekannten jüdischen Volksredner Mr. S. Frankel für das nächste Jahr wieder als Wanderredner angestellt. Mr. Frankel wird in nächster Zeit eine größere Agitationstournee in sämtliche größern Städte der Union, wo jüdisch-sprechende Massen wohnen, im Auftrage der Federation unternehmen. Insbesondere wird Mr. Frankel solche Städte aufsuchen, wo es bis jetzt keine zionistischen Vereine gibt. Rußland Fortbildungskurse für jüdische Lehrer — staatsgefährlich Die Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den russischen Juden plante für die diesjährigen Ferien die Einrichtung von pädagogischen Fortbildungskursen für jüdische Lehrer in Wilna. Nachdem die Gesellschaft wiederholt die Erlaubnis zur Abhaltung dieser Kurse nachgesucht hatte, wurde ihr der Bescheid, daß die Erlaubnis nicht gewährt werden könne. Offenbar ist die russische Administration dahinter gekommen, daß die Vervollkommnung der jüdischen Lehrer in der Pädagogik eine Gefahr für das russische Reich bedeute. Wer kann die Tiefen der russischen Staatsweisheit ergründen? Prozentnorm in der Kunstakademie Zum ersten Male wurde jetzt die Prozent norm bei der Aufnahme von Juden in die Petersburger Kunstakademie eingeführt. In die Abteilung für Architektur werden jüdische Aspiranten nach einer dreiprozentigen, in diejenige für Malerei nach einer zweiprozentigen Norm aufgenommen. Sterbefall. In Franzensbad ist am 6. August der dortige Badearzt Dr. Clemens Deutelm oser, 46 Jahre alt, plötzlich gestorben. Dr. Deutelmoser war der behandelnde Arzt Dr. Herzls, als dieser in seinem letzten Lebensjahre in Franzensbad zu der leider erfolglosen Kur weilte. Zwischen den beiden Männern entwickelte sich ein lebhafter Gedankenaustausch, besonders über den. Zionismus, de:n dann auch ein kurzer Briefwechsel folgte. Dr. Deutelnioser hat seither mit regem Interesse die Fortschritte der zionistischen Bewegung verfolgt. Herzl-Nummer des „Curierul Israelit". Bine mit zahlreichen Illustrationen geschmückte Herzl-Nummer hat der „Curierul Israelit11 in Bukarest zum Todestag Theodor Herzls erscheinen lassen. Die Nummer ist ungemein reichhaltig und enthält mehrere interessante Artikel. Ein jüdischer Lord Mayor Stadtverordneter und Friedensrichter Jacob Moser in Bradford, bekanntlich Mitglied des A. K., hat der Einladung des Gemeinderats der Stadt Bradford, das Amt eines Lord Mayors dieser Stadt für die Amtsperiode 1910/11 /U übernehmen, Folge geleistet. Die Einladung ging von der liberalen und konservativen Partei des Stadlverordnelen- Kollegiums aus und wurde Herrn Moser durch eine Abordnung unter der Führung des gegenwärtigen Lord Mayors übermittelt. Ein literarisches Riesenunternehmen Dr. Isidor Singer in Newyork, der Herausgeber der „Jewish Encyclopedia", veröffentlicht einen Prospekt über ein von ihm in Angriff genommenes literarisches Unternehmen größten Stils. Dr. Singer plant nämlich dielierausgabeeiner Bibliothek der „hebräischen nachbiblischen Literatur", die in 25 Bänden eine Auswahl der hebräischen Literatur, mit dem Talmud und Midrasch beginnend und mit den Erzählungen Smolenskys und den Gedichten Bialiks abschließend, enthalten soll. Schenkungen für jüdische Institute Herr Julius Ephraimsohn aus Bradford hat anläßlich seines 70. Geburtstags Schenkungen in einem Gesamtbetrage von £ 6000 an verschiedene wohltätige und erzieherische Institute gemacht. Unter diesen Schenkungen sind: £ 500 für das hebräische Gymnasium in Jaffa, £ 500 für das Herzlhospital in Leeds, £ 400 für die Bradforder Reformgemeinde und £ 400 für die Bradforder jüdische Wohltätigkeitsgesellschaft. Fabijanskis Bild in Frankfurt Das Gemälde von Stanislaus de Fabijanski „Pogrom in Kiew das bekanntlich auf Anordnung des bayerischen Ministeriums, das sich russischen Wünschen gefügig zeigte, aus der Glaspalastausstellung in München entfernt wurde, ist seit einiger Zeit in Frankfurt im Kunstsalon Baum, Neue Mainzer Straße 25, ausgestellt. Nun hat es auch das Mißachten der Frankfurter Polizei erregt. Der Polizeipräsident hat durch einen besondern Abgesandten den Inhaber des Salons ersucht, das Bild mit Rücksicht auf den bevorstehenden Zarenbesuch in Friedberg zu entfernen. Der Besitzer hat dieses „vorläufige" Ersuchen höflich, aber entschieden abgelehnt. „Vorläufig" kann also das Gemälde, das d e Schrecken der Judenverfolgung in Kiew am 18. Oktober 1905 in erschütternder Darstellung bringt, noch besichtigt werden. Bei dieser Gelegenheit sei mitgeteilt, daß die Meldung einiger Blätter, das Bild sei nach Amerika verkauft, nicht zutrifft. Berichtigung In dem Artikel „Die Schicksale russischer Auswanderer" in Nr. 31 der „Welt" soll es in Zeite 6 und 5 von unten 1. Spalte statt „jüdische Landorganisation" richtig „Ito" heißen,