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Die Welt · 1910-04-22 · 16-17 (22.4.1910) · page 32

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
16-17 (22.4.1910)
Date
1910-04-22
Page
– (sequence 32)
Language
German
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Vereinsnachrichten Berlin. Der die Vereine jüdischer Studenten an deutschen Hochschulen umfassende Bund Jüdischer Korporationen blickt auf ein erfolgreiches Semester zurück. Zu den neun Kartellvereinen (zwei Vereine an der Universität Berlin, je ein Verein an den Universitäten München, Breslau, Straßburg, Freiburg, Königsberg, Marburg und der Charlottenburger Technischen Hochschule) ist ein zehnter hinzugetreten: der V. J. St. Bonn. Der Kartelltag war zeitlich verbunden mit dem zehnjährigen Stiftungsfest des V. J. St. Breslau. Der von über 400 Personen besuchte Festkommers nahm einen glänzenden Verlauf. Eine künstlerisch ausgestattete Festschrift wurde den Festteilnehmern überreicht. Die längern Vorarbeiten des Präsidiums des B. J. C. zur Schaffung eines Arbeitsamtes für jüdische Akademiker sind nunmehr im verflossenen Semester zum Abschluß gelangt. Zum Eintritt in den Vorstand des gegründeten Vereins wurden verschiedene jüdische Notabein gewonnen. Die Tätigkeit in den einzelnen Korporationen bewegte sich in den gewohnten Bahnen. Der Fuchsen Unterricht hatte neben der jüdischen Geschichte die großen jüdischen Fragen der Gegenwart zum Gegenstand. Der wissenschaftlichen Ausbildung dienten regelmäßige Kurse, Vortrags- und Diskussionsabende. Gelegenheit zum Gedankenaustausch bot die vom Präsidium herausgegebene interne Monatsschrift „Der Jüdische Student". Auch die körperliche Ausbildung der Mitglieder wurde nicht vernachlässigt. In allen Vereinen wurde regelmäßig geturnt und gefochten. Die Ruderabteilung der Berliner Vereine Jüdischer Studenten hat im verflossenen Winter wöchentliche Trainingsabende veranstaltet. Zu jeglicher Auskunft über alle den B. J. K. betreffenden Angelegenheiten sind bereit die Schriftführer des Präsidiums Dr. Fritz Koref, Charlotten - bürg, Gutenbergstraße 9, und Dr. Arnold Hildesheimer, Berlin, Friedrichstraße 130. Offenbach a. M. In unserer jungen, Ortsgruppe, die ihre Begründung der Frankfurter Ortsgruppe verdankt, referierte Sonntag den 10. April Herr Dr. Gott lieb aus Frankfurt a. M. über das Thema „Der Zionismus und seine Institutionen." In seinem einstündigen glänzenden Referate schilderte Herr Dr. Gottlieb eingehend das Wesen und die Tätigkeit sämtlicher zionistischen Institutionen. Reicher Beifall folgte dem ausführlichen Vortrage. In der Diskussion sprachen außer dem Vorsitzenden, die Herren: Redakteur S. Geis, Frankfurt, der in ebenso klaren wie enthusiastischen Worten einen Überblick über die Entwickelung des Zionismus gewährte, ferner L. Perlmutter, der die Ortsgruppe zur positiven Tätigkeit mahnte, und Herr Wodowski. Zehn neue Mitglieder traten der Ortsgruppe bei. Prag. Einen Diskussionsabend über den zweiten westösterreichischen Parteitag veranstalteten am 12. d. M. die beiden Prager Korporationen Freie Zionistische Vereinigung" und jüdisch-nationale akademisch-technische Verbindung „Barissia". Herr chem.Kohetzky begrüßte die Vertreter des Z. K., Herrn Gustav Finzi (TiOppau), Herrn Dr. Emil Margulies, die Mitglieder des böhmischen D. K. und der Prager zionistischen Korporationen. Das Referat erstattete J. U. C. Herbert Birnbaum, der zu den Thesen des Dr. Emil Margulies und zu dem zionistischen Kultusgemeindeprogramm, - besonders zur Haltung der böhmischen Delegierten auf dem Parteitage, Stellung nahm. Das Korreferat erstattete der Delegierte der F. Z. V., Redakteur Franz Steiner. An die beiden Referate schloß sich eine rege, instruktive Debatte, an der s;ch vor allem die Herren Prof. Dr. Engel, Finzi und Dr. Margulies beteiligten. Dr. Engel besprach in eingehender Weise besonders unser Kultusgemeindeprogramm, während letzterer eingehend die anschließend an seine Thesen in der Diskussion behandelten Fragen erörterte. An der Diskussion beteiligten sich noch die Herren med. Gersuny, J. U. C. Goldstein, J. U. C. Otto Stern, Kaminsky und M. U. C. Walter Kohner. Aus allen Reden ging ganz deutlich der Wille hervor, die Propaganda in der nächsten Zeit zu vertiefen, die großen Palästinaaufgaben zu fördern und durch das neugeschaffene Kultusgemeindeprogramm auch außenstehende Kreise für unsere Sache zu gewinnen. Radautz. Samstag den 26. März veranstaltete die jüd.-akad. Ferialvereinigung „Chermonia" im Bunde mit dem jüd.-nat. Frauenverein „Mirjam" eine Estherfeier, bei der auch die Herren Professor Dr. Alfred Engel (Prag-Smichow) und Professor Oskar Lieben (Ung.-Hradisch) anwesend waren. Ein aus zionistischen Damen und Herren zusammengesetzter Chor unter der bewährten Leitung des Herrn Bezirksschulrates Seidner, eröffnete die Feier mit der^ Hymne „Befreiung Jerusalems" von Stadler. Hierauf begrüßte der Präses der „Chermonia", cand. jur. M. Jahr, die zahlreich erschienenen Anwesenden und erteilte dem A. H. Professor Lieben das Wort zur Estherrede. Seine Rede machte tiefen Eindruck, der sich in stürmischem Beifall kundgab. Sodann hielt Professor Dr. Engel die Tendenzrede, die den Höhepunkt der Feier bildete. Von weitern Programmpurikten sei noch zu erwähnen der kunstvolle Vortrag einiger Lieder durch den gemischten Chor, der mit wohlverdientem Beifall belohnt wurde. Mit dem „Hatikwahliede" schloß der offizielle Teil der Feier. Hierauf wurde der Tanz eröffnet, der bis in den frühen Morgen dauerte. Am folgenden Tage sprach Professor Dr. Engel auf Veranlassung der jüd.-akad. Ferialvereinigung „Chermonia" über „Jungjüdische Kunst" (mit Lichtbildern) und fesselte durch diesen interessanten Vortrag das zahlreich erschienene Publikum. Nach dem Vortrag veranstaltete die „Chermonia" zu Ehren ihrer A. H. A. H. Dr. Engel und Professor Lieben im Hotel- Zentral einen Kommers. Wir erhalten folgende Zuschrift: An die Redaktion der „Welt" Köln a. Rh. Karolingerring 31. Sehr geehrte Redaktion! Im Namen der deutschen Unterzeichner des,, Aufrufes" übersende ich Ihnen unsere Äußerung zu der in Ihrer vorigen Nummer enthaltenen Erklärung des geschäftsführenden Ausschusses der Z. V. f. D. Wir glauben diesmal bestimmt erwarten zu können, daß Sie loyaler Weise unserer Gegenerklärung Raum geben. Hochachtungsvoll i. A. Davis Trietsch. Die Erklärung lautet: „Von den deutschen Unterzeichnern des „Aufrufes" werden wir um Aufnahme nachstehender Erklärung ersucht: Gegenüber der Erklärung des Geschäftsführenden Ausschusses des Zeritral-Komitees der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland", die eine Richtigstellung eines in der „Jüdischen Zeitung" erschienenen Berichtes über die Berliner Sitzung enthalten soll, haben wir Folgendes zu bemerken: Wenn sich der geschäftsführende Ausschuß über Indiskretionen beschwert, so hat er vor allem sich selbst die Schuld zuzuschreiben, da er einer ganzen Reihe nichtgeladener Personen die Teilnahme an der Sitzung gestattete. Jedenfalls: Der Bericht der „Jüdischen Zeitung" ist weder von einem (noch mit Wissen eines) der Unterzeichner des „Aufrufes" an diese Zeitung gesandt worden. Es wäre für den geschäftsrührenden Ausschuß der „Z. V. f. D." ein Leichtes gewesen, das festzustellen. Demgegenüber bedeutet es eine Illoyalität, daß der geschäftsführende Ausschuß, nachdem vorher ein gemeinsames Cornmunique erschienen war, nunmehr, ohne sich mit der Gegenseite in Verbindung zu setzen, eine Berichtigurg herausgibt. Und eine weitere Illoyalität, daß er die Einsendung eines jedenfalls Unlegitimierten benutzt, um ohne Erlaubnis der Konferenz deren vertraulichen Charakter zu durchbrechen, und daß er seine Berichtigung überdies an eine Reihe von Zeitnngen (sogar nichtzionistische wie die Prager „Selbstwehr") und verschiedene Landesorganisationen versendet. Daß der geschäftsführende Ausschuß des Zentralkomitees selbstverständlich auc'i formell nicht berechtigt war, eine derartige Erklärung ohne Wissen und Genehmigung des Zentralkomitees abzugeben, ist eine Sache, mit der sich die Mitglieder des Zentralkomitees zu beschäftigen haben. Angesichts solchen Vorgehens, dessen äußeren Gründen wir nicht nachgehen wollen, verzichten wir darauf, mit dem Inhalt dieser durchaus einseitig gefärbten Berichtigung, die mit „Schätzungen" und „allgemeinen Eindrücken" operiert und in tendenziöser Weise ganz außerhalb der Besprechung liegende Dinge hereinzieht, uns irgendwie auseinanderzusetzen. Es ist wiederum illoyal, über eine Versammlung, die nicht zustande gekommen wäre, wenn nicht grundsätzlich von vornherein Meinungsaustausch ohne Abstimmungen vereinbart worden wäre, nachträglich Auszählungen zu veranstalten. Dem in der Berichtigung zum Ausdruck gebrachten doppelten Vertrauensvotum für das E. A. C. gegenüber möchten wir nur bemerken, daß auf der Konferenz keinerlei Vertrauensvotum angenommen wurde. Weiter stellen wir fest, daß unsere Vertreter nur auf das wiederholte Drängen von Repräsentanten der Mehrheit sich entschlossen haben, in die Resolutionskommission einzutreten. Wenn jetzt in der Berichtigung erklärt wird, daß unsere Argumente ihre Wirkung auf die Mehrheit der deutschen Landesmannschaft verfehlt haben, also die Ergebnislosigkeit der Berliner Konferenz festgestellt wird, so nehmen wir das nachträglich zur Kenntnis. In eine weitere Polemik werden wir uns nicht einlassen!" <jQM °°° %rmn&-

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