Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 15 (15.4.1910)
- Date
- 1910-04-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE Ei LÄT" KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 \ftf ERSCHEINT JEDEN FREITA G — ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIV. JAHRG. KÖLN, 15. April 1910 \^rb ND'nn'N ]OV "i No. 15. Noch einige Worte über die „unpraktischen und untaktischen Russen6 *u Von Dr. E. W. Tschlenow. Ich bin der geehrten Redaktion sehr dankbar, daß sie Herrn Dr. Nordau die Gelegenheit gegeben hat, sich zu meinem Aufsatze zu äußern. Ich will hoffen, daß jetzt mit einer Albernheit wenigstens, mit der „Programm-: losigkeit der Russen", aufgeräumt ist. „Programmlos waren also unsere Freunde in Rußland 1908 allerdings nicht", — sagt der kompetente Mann. Noch weniger sind siees jetzt, nach l1/* Jahren. Herr Dr. Nordau; hat sich davon überzeugt, nachdem er die angeführten Auszüge gelesen hat, und bedauert, daß wir unser Programm „zu Hause ließen" und andern nicht bekannt gegeben haben. Leider hat den Herren in Köln und Haag die Lektüre nicht geholfen, denn nachdem sie in ihren Briefen (beide im November 1908), den Empfang unseres Memorandums bestätigend, ihre Ansichten darüber geäußert haben, sprachen sie und sprechen noch, im Widersatz zu Herrn Dr. Nordau, bis nun von der „Programmlosigkeit" der Russen oder der Opposition („Welt" Nr. 4, 5, 8, 9). Ich halte es jetzt für meine Pflicht, mit tatsächlichen Aufklärungen noch zu der Behauptung von „Unpraktischkeit", die Herr Dr. Nordau in seiner Äußerung wiederum so scharf betont, zurückzukehren. „Für unpraktisch, — lesen wir dort, — muß ich sie jedoch weiter halten, so lange ihre „praktischen" Vorsätze in dem für die Zukunft des jüdischen Volkes völlig unerheblichen Ankauf einiger Parzellen palästinensischer Erde mit den Geldern unserer Bank und unseres Nationalfonds und in der Gründung einer zurzeit unmöglichen Agrarbank bestehen." Diese letztere „lehnt Dr. Nordau nach wie vor auf das entschiedenste ab". Ich bitte Herrn Dr. Nordau, nachweisen zu wollen: Wo und wann haben die Russen für den „Ankauf einiger Parzellen palästinensischer Erde mit den Geldern unserer Bank und unseres Nationalfonds" plaidiert?! In dem zitierten Memorandum allenfalls nicht; dort ist die Rede ausschließlich von Heranziehung, Organisierung der Privatinitiative und von Privatmitteln. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Bedingungen für Heranziehung jüdischer Privatkapitalien vorhanden waren und durch das neue Regime gestärkt sind. Unsere zentralen Institutionen sorgen leider sehr wenig dafür, mit Ausnahme des Herrn Prof. Warburg. Soweit es unsern vereinzelten Kräften möglich war und ist, ist doch einiges in dieser Richtung geschehen. So ist es uns z. B. in der letzten Zeit gelungen, hier, in Moskau, eine kleine private Gesellschaft wohlhabender Leute zu Zwecken der „Geulath- Haarez" zu gründen, die sich schon an einem agrikulturellen Unternehmen mit dem Kapital von Francs 320 000 beteiligt hat und reichliche Mittel für weitere derartige Aufgaben besitzt. Dies ist nur ein Beispiel. Unsere Überzeugung war und ist, daß Bedeutendes auf diesem Gebiete zu erreichen wäre, wenn genügend gearbeitet würde. Auf eben diese Arbeit ist in unserm Memorandum hingewiesen worden. Unsere Bank könnte da natürlich fördernd mitwirken, aber durchaus nicht in der Weise, daß sie ihr Kapital in Boden unbeweglich hineinsteckt. Nicht nur die Immobilisierung Mer Bankkapitalien durch Bodenerwerb hielten und halten wir für unmöglich, sondern sogar die Gewährung von langfristigem Bankkredit ihrerseits. Als am VIII. Kongreß der Vorschlag der Palästinakommission eingebracht wurde, aus den Mitteln unserer Bank den Agrarkredit zu finanzieren, war es ein Russe, — meine Wenigkeit, — der dagegen kämpfte, weil „die Mittel unserer Bank flüssig bleiben müssen" (s. stenogr. Protokoll des VIII. Kongr.) Und auch jetzt, am lotzten Kongresse, sagte ich im Auftrage der Agrarkommission folgendes: „Wir haben zu Kreditbedürfnissen in Palästina eine Bank geschaffen; diese trägt aber den Charakter einer Kommerzbank mit kurzfristigen Handelsoperationen. Im höchsten Falle könnte sie Betriebskredit, aber nicht Bodenkredit den Kolonisten leisten." Dies war und bleibt die Ansicht der Russen wie der Nichtrussen betreffs der Mittel unserer Bank. Etwas anders ist es bei den Geldern des Nationalfonds, da sie doch hauptsächlich für Bodenerwerb bestimmt sind. Forderungen, daß der N.-F. Land kaufen oder mit seinen Mitteln den Kaufenden es erleichtern