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Die Welt · 1910-04-08 · 14 (8.4.1910) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 14 DIE^ELT 309 L^^^ AUS DER BEWEGUNG i O O O O O O Q O O 3> o o o o o o o O O O O O Ö o Vfe The Anglo=Palestine Company Limited Bekanntmachung Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die neunte ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Anglo-Palestine Company Limited am Montag den 18. April 1910 um IP/4 Uhr vormittags im Qesellschaftsbureau Brook House, Walbrook, London, E. C, mit folgender Tagesordnung stattfinden wird: 1. Entgegennahme des Berichts des Direktoriums und der Bücherrevisoren und Rechnungsablegung für das Jahr 1909. 2. Beschlußfassung über Verwendung des Reingewinns pro 1909. 3. Wahl von Direktoren und Bücherrevisoren. 4. Durchführung der gewöhnlichen Tagesordnung und Eventualia. Statutengemäß bleiben die Zessionsbücher und Mitgliederregister der Gesellschaft vom 5. April bis zum 18. April 1910 (beide Tage inklusive) geschlossen. Brook House, Walbrook, London, E. C, den 1. April 1910. Im Auftrage des Direktoriums: H. Neu mann, Sekretär. Die Rede des Präsidenten Wolffsohn in Lemberg Am 27. März hat. Präsident Wolffsohn, der an den Beratungen der galizischen Zionisten in Lemberg teilnahm, nach den begrüßenden Worten, die der Vorsitzende, Abg. Stand, an ihn richtete, folgende Ansprache an die Konferenz gehalten: „Meine lieben Gesinnungsgenossen! Ich danke Ihnen aufrichtig für den liebevollen enthusiastischen Empfang, den Sie mir bereitet haben. Ich danke Ihrem verehrten Präsidenten, meinem Freunde Stand für die liebenswürdigen Worte, die er unter Ihrem Beifall und ihrer Zustimmung soeben gesprochen hat. Zu den Annehmlichkeiten der Präsidentenwürde gehört es gerade nicht, derartige Lobreden entgegenzunehmen. Nord au hat einmal gesagt: „Auch der gescheiteste Mensch muß, wenn er gelobt wird, ein dummes Gesicht machen", und das soll der Präsident unserer Bewegung nicht tun oder es möglichst zu vermeiden suchen. Das Lob wirkt ermüdend, erschlaffend. Ganz anders sieht es aus, wenn man kritische Reden zu hören bekommt. Da wird man trotzig, da wird man stark und mutig, auch wenn die Kritik, wie ja das meist der Fall ist, herb, bitter und scharf ausfällt. Bitteres, Moraur, wird bei uns, wie Sie ja wissen, mit Moraur, Kren-verglichen, Kren reizt den Appetit. Durch Kritik wird man stark und mutig. Kritik gibt auch die Möglichkeit, sich zu bessern. Lobreden dagegen gleichen Süßigkeiten und ein erwachsener Mann kann Süßigkeiten nur schlecht vertragen. Aber glauben Sie nicht, daß ich böse bin für die Worte, die unser Präsident gebraucht hat. Ich denke nicht daran. Ich habe nur diese kleine Einführung gewählt um zu zeigen, daß ich gerechte Kritik sehr gerne hören und ertragen kann, daß ich durchaus nicht böse bin, wenn ich kritisiert werde. Und Sie werden ja begreifen, worauf ich anspiele, da ich auf dem Kongresse sehr viel „Moraur" bekommen habe. Ich bin durchaus nicht böse, und ich möchte Sie b.tten, daß Sie meine Anwesenheit ausnützen, um auch Kritik zu üben. Ich bin nur gegen ungerechte, gegen unwahre Kritik, wie sie leider Gottes noch heute hie und da von einzelnen Männern und Zeitungen ausgeübt wird. Solche Kritik verbessert nie, die verbittert. Ich werde mich freuen, aus Ihrer Versammlung heraus zu hören, welches Ihre Wünsche sind und was Sie zu kritisieren haben. Zunächst drücke ich meine Freude aus, daß es mir möglich war, gerade heute bei Ihnen zu erscheinen. Es war schon längst mein Wunsch gewesen, die galizischen Zionisten, die galizischen Zionisten der Zahl nach, nach Rußland die meisten und der Qualität nach die besten, — weil in Galizien noch echtes, wahres jüdisches Leben pulsiert, — zu besuchen. Es war mein inniger Wunsch, bei Ihnen zu sein, mit Ihnen zusammenzukommen und durch nähere Bekanntschaft die Möglichkeit zu erreichen, daß wir später besser zusammen arbeiten können, als wie es bis heute der Fall war. Und ich danke dem Zufall, daß er es mir ermöglicht hat, gerade in einem solchen Momente bei Ihnen zu sein, wo eine so große Zahl guter Zionisten aus dem ganzen Lande zur gerneinsamen Arbeit zusammengekommen ist. Wir haben tief darunter zu leiden, daß bei uns Mißverständnisse sich zeigen, die sich bei näherer Bekanntschaft, bei persönlicher Aussprache verlieren. Wir leiden darunter, daß wir im Golus leben, denn diese Zerstreutheit bringt es mit sich, daß Mißverständnisse entstehen, die allmählich zu Gegnerschaften auswachsen, und bei näherem Zusehen merken wir, daß wir einer und derselben Meinung sind und daß nur kleine Unterschiede zwischen uns bestehen. Auch auf dem IX. Kongresse waren es eigentlich nur Mißverständnisse, die entstanden, weil wir zu selten zusammenkommen, weil die Herren, die in die Opposition gegangen waren, nicht genau die Arbeit kannten, nicht genau die Verhältnisse übersehen konnten. Die Vorwürfe gegen die Leitung Es wurde mir und der Leitung, besonders aber mir, der Vorwurf gemacht, daß ich gegen praktische Arbeit in Palästina bin. Es wurde mir ferner vorgehalten, daß ich ein politischer Zionist bin und daß ich für die praktische Arbeit nicht genügend eintrete. In der letzten Zeit, und zwar in der ersten Aufregung nach dem Kongresse, wurden mir noch andere Vorwürfe gemacht, so z. B., daß ich zu viel Kaufmann bin. Die Herren, die das so scharf hervorhoben, haben den Beweis darin finden wollen, daß ich auf dem Kongreß die Dinge immer nur vom kaufmännischen Standpunkt aus behandelt habe. Das ist zum Teil wahr. Ich wundere mich aber darüber. Denn als ich vor viereinhalb Jahren das erstemal zum Präsidenten gewäilt wurde, da war ich weder ein großer Gelehrter noch ein hebräischer Dichter, noch hatte ich damals irgendwelche Eigenschaften besessen, als wie ich sie heute besitze. Ich war damals nur der Kaufmann in der zionistischen Organisation, ich habe nur unsere Bank und die Finanzinstitute geleitet. Und als wir nach Herzls Tod in Verlegenheit waren und ich aufgerufen wurde, das schwere Amt zu übernehmen, Herzls Nachfolger zu werden, da hatte ich es für meine Pflicht erachtet, es zu tun. Aber ich hatte damals nicht versprochen, von dieser Minute an Dichter, Schriftsteller oder Gelehrter zu werden. Ich habe meinen Auftrag als Kaufmann betrachtet, in die zionistische Organisation vor allem Ordnung zu bringen. Es wundert mich, daß man mir das zum Vorwurf machte, als ob es ein Fehler wäre, daß in unserer Organisation Ordnung herrscht. Dann wurde mir gesagt, daß ich gegen die praktische Arbeit bin. Das ist nicht richtig. Professor Warburg hat einmal in einer Sitzung des E. A. C. gesagt, daß eigentlich wir alle, Warburg, Kann und ich derselben Meinung sind, daß wir genau dasselbe wollen und daß wir uns nur im Tempo unterscheiden. Während die

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