Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 13 (1.4.1910)
- Date
- 1910-04-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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298 DIEÄELT Mo. 13 habender Stammesgenossen. Nach beiden Richtungen müssen Organisation und Agitation kräftig ausgestaltet werden, dann werden die Einnahmen des Nationalfonds mit. den immer zahlreicher an ihn herantretenden großen" Aufgaben gleichen Schritt halten können. ' Bericht der österreichischen Sammelstelle des J. N. F. erstattet von Herrn Wilhelm Beigel auf dem z.weiten ordentlichen westösterreichischen Zionistentag am 28. März 1910 zu Wien Der Nationalfonds ist heute unstreitig -die beliebteste Institution unserer Partei. Er ist unser größter Stolz und unsere berechtigteste Hoffnung. Die Millionen großer jüdischer Philantropen, zuletzt des Baron Rothschild, haben einige positive Werte geschaffen, damit war es aber auch mit ihnen zu Ende. Unser kleiner Fonds aber, der Fonds der Armen, schafft immer neue Werke, baut ununterbrochen an der Wiedergeburt unseres Volkes und wächst dabei von Tag?u Tag. Es geschieht heute nichts mehr im Zionismus, wo der NationalfonJs n.cht mit im Kalkül wäre. Wir haben einen Bezalel geschaffen, und der N. F. hat ihm zwei schöne Häuser eingeräumt, wir wollen Palästina aufforsten, und der N. F. gibt die Erde her. Die Partei führt Kolonisationsmethoden ein, welche ermöglichen sollen, den jüdischen Proletarier bodenständig zu machen und welche wie z. B. die Siedlungsgenossenschaft von eminenter Bedeutung für die gesamte Menschheit sind, — auch da werden vom N. F. Boden zur Verfügung gestellt und hohe Kredite eingeräumt. Eine neue moderne Stadt entstand unlängst in Jaffa, dank der Subventionierung seitens des N. F., auf dem Boden und in den. Häusern des N. F. bestehen Schulen, in denen Hebräisch gelehrt wird und wo das neue gesunde Volljudentum in Bildung begriffen ist. Und wieder planen wir eine großzügige Tat, die Grün ung einer Agrarbank, welche in der Entwicklung Palästinas einen riesigen Schritt vorwärts bedeuten wird und es ist für uns ein wahres Glück, daß wir nicht wieder mit Heller und Pfennig Sammlungen beginnen müssen, sondern einen N. F. haben, der es ermöglichen kann und wahrscheinlich ermöglichen wird, daß diese Bank sofort eine großangelegte Arbeit wird beginnen können. Ober die Bedeutung aller dieser vom N. F. geschaffenen oder unterstützten Institutionen muß man heute nicht mehr viele Worte machen. Vorerst die Ölbaumspende, — wenn wir darüber nachdenken, daß in 10 oder 15 Jahren riesige Flächen unseres Landes bewaldet sein werden, daß wir wieder diesen Schatz des alten Palästina besitzen werden, um ihn nie wieder zu verlieren, daß diese Bäume hundeiten von Familien den Unterhalt und vielen Schulen die Mittel geben werden, so müssen wir wieder Hoffnung auf das Gelingen unserer Idee gewinnen und begreifen, wie groß und schön das Werk ist, an dem wir mitarbeiten. Dann der Bezalel — wir haben unlängst seinen Schöpfer und einen Teil se ner Arbeit hier gesehen und beide tief ins Herz geschlossen. Dort in dieser stillen Schule arbeitet ihr begeisterter Gründer an der Schaffung einer jüdischen Kunst und hunderte Schüler umgeben ihn schon. Wir sehen vor unseren Augen ein prächtiges Werk entstehen. Die Erzeugnisse des Bezalel erobern sich langsam den Weltmarkt und es bestehen berechtigte Hoffnungen, daß aus den 200 Schülern, die er jetzt beschäftigt, bald 2000 werden. Ferner das hebräische Gymnasium und das Technikum. Zwei mächtige Quellen neuen jüdischen Lebens, jüdischer Kultur und jüdischen Denkens. Im Gymnasium wächst uns eine Jugend heran, die dann nach Beendigung des Technikums die Blüte unseres Volkes sein wird. Nicht nur für uns, für den ganzen Orient werden diese Schulen von epochemachender Bedeutung sein. Dann wieder die neuen Stadtviertel in Jaffa und Haifa. Welche Bedeutung diese für uns haben, kann man nur begreifen, wenn man das galizische oder russische Ghetto kennt, mit seinen schmalen kotigen Straßen und niedrigen, eingefallenen, schmutzbedeckten Häusern, deren Fenster kaum das Licht des Tages durchlassen, und sich dann dieses Ghetto nach Palästina übertragen denkt. Denn die Judenviertel in den palästinensischen Städten waren bisher dieselben Ghetti wie im Osten Europas, ein Abbild dieses Elends, das wie Kot an den Auswanderern klebte und mit ihnen in die neue Heimat kam. Es mußte damit gründlich aufgeräumt werden. Das begriff das Direktorium unseres N. F. und heute erhebt sich am Meeresstrande in Jaffa eine prächtige neue Stadt mit graden schönen Straßen, schmucken weißen Häuschen und Gärten vor denselben, ein Symptom des neuen Lebens im Judentum, das nebeu dem alten aufwächst, es aber himmelhoch überragt. Und die P. L. D. C. und Siedlungsgenossenschaft, die vom N. F. den Boden erhalten. Wie viele arme jüdische Emigranten werden durch sie zu starken gesunden Bauern werden. Wie viele tausend jüdische Familien werden, den Boden segnen, der ihnen Nahrung und Glück geben wird, den Boden des J. N. F. Und die Nationalbibliothek, das Nationalmuseum, die Unterstützung von Arbeiterniederlassungen, das Hygienische Institut usw., eine ganze Reihe ganz hervorragender Werke schließt sich an die bereits aufgezählten an und überall hat der N. F. mitgewirkt und mitgeschaffen. Diese großartige Entwicklung und das stete Vorwärtschreiten des N. F. sind in erster Linie der-tadellösen Organisation der für ihn arbeitenden Organe zuzuschreiben, welche , von Johann Kremenzky geschaffen, von Dr. Bodenheimer in einer ausgezeichneten sachverständigen Weise verbessert wurden. Das Hauptbureau in Köln verstand es, in allen Ländern Sammelstellen zu errichten, die sich allmählich in der N. F.-Arbeit bewährten, und jetzt eine große Bedeutung auch in den andern Zweigen der Bewegung und für alle Parteiinstitutionen erlangen. Zwischen Hauptbureau und Sammelstelle herrschte immer das beste Einverständnis, und das war auch eines der wichtigsten Gründe, weshalb unsere Arbeit so gedeihlich sein konnte. (Fortsetzung folgt) _____ _ kTj i SPENDENAUSWEIS 1 I_-1 Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Österreich: (Adresse: Wien IX, Türkenstraße 9. — Pubiikationsorgan: „Jüdische Zeitung", Wien.) Vom 7.—14. März d. J. eingegangen und in Nr. 11 der „Jüdischen Zeitung" detailliert ausgewiesen: Allgemeine Spenden.............. Kr. 203.50 Selbstbesteuerung..............- „ 74.— Sammelbogen................* » 90.02 Sammelbüchsen................. „ 21.23 Goldenes Buch (Teilzahlungen).......... „ 1407.95 Summe Kr. 1796.70 Jk. 1518.21 Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Ungarn: (Adresse: Dr. L. Dömeny, Budapest V, Arany Jänos-utcza 33. — Publikationsorgan: „Magyarorszägi Cionista Szervezet", Budapest.) Vom 16. Dezember 1909 bis 15. Februar 1910 eingegangen und in Nr. 2 des „Magyarorszägi Cionista Szervezet" detailliert ausgewiesen : Allgemeine Spenden..............Kr. 137.96 Selbstbesteuerung...............„ 16.70 Sammelbogen..................„ 123.70 Sammelbuchsen.............: . . . „ 232.— Goldenes Buch (Teilzahlungen) ........ . . „ 75.33 Summe Kr. 585.69 Jt 494.91 Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Rußland: (Adresse: Dr. E.W. Tschlenow, Moskau, Mjasnitzkaja, Juschkow Per., Haus„Rossija".—Publikationsorgan: „Rasswjet", St Petersburg.) Vom 15.—22. Februar (a.St.) eingegangen und in Nr. 9 des „Rasswjet" detailliert ausgewiesen: Allgemeine Spenden..............Rbl.289.25 Selbstbesteuerung............ . . . „ 82.44 Sammelbogen (russische) .............„ 6.— Sammelbüchsen . .............. „ 269.34 Goldenes Buch (Vollzahlungen)*) ...;.....„ 202.— Goldenes Buch (Teilzahlungen) ......... . „ 164.26 _ . Summe Rbl. 1013.29 ^2168.45 *) Siehe die Rubrik »Eintragungen ins Goldene Buche, Nr. 3416 und 3417.