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Die Welt · 1910-04-01 · 13 (1.4.1910) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XiV. JAHRQ. KÖLN» 1. April 1910 pimb N&'nn'tf "d TIN n"d No. 13. ARBEIT IM DIENSTE DES VOLKES Von Dr. Leo Sofer, Wien Eines der größten Hemmnisse einer gedeihlichen Fortentwicklung der jüdisch-nationalen Arbeit ist der immer wiederkehrende Refrain, durch den jede fruchtbringende Diskussion in den Sand zu verlaufen droht: „Ja, die Judenfrage ist etwas ganz exzeptionelles und sie leidet keinen Vergleich mit den Fragen anderer Völker". So schädlich es nun ist, gewaltsam Schemata aufzustellen oder alles nach dem einen Schema F zu behandeln, ebenso ungünstig wirkt es, wenn man jeden Vergleich ablehnen zu müssen glaubt, sich liebevoll in die Unlösbarkeit des Problems vertieft und durch Haarspaltereien zu glänzen sucht, mit einem Worte: Wenn man von andern Völkern nichts lernen will. Von diesem Fehler müssen wir uns befreien und ein Anstoß dazu soll diese Arbeit sein. Beginnen wir mit der Schilderung der nationalen Arbeit der Polen. Eine Zentrale dieser Bestrebungen ist das Nationalmuseum in Rapperswyl am Zürcher See. Gerade in jüngster Zeit war davon die Rede, das Museum nach Lemberg zu übertragen. Von diesem Projekte ist es wieder still geworden; jedenfalls ist aber diese lautgewordene Absicht ein Beweis für die gehobene nationale Stellung der Polen in Österreich; wir hätten gegen sie nichts einzuwenden und wollen uns nur gegen ihren Mißbrauch durch eine gewissenlose Klique schützen. Das polnische Museum in Rapperswyl verdankt seine Entstehung dem Grafen Ladislaus Broel-Platt er. Wir wollen uns hier nicht mit dem reichen künstlerischen und wissenschaftlichen Schatz befassen, den es birgt. Uns interessieren hier die Fonds, die in Rapperswyl verwaltet werden. Der eiserne Fonds beträgt 32 676.55 Franken. Die Einnahmen betrugen im Jahre 1906 6912.70 Franken, die Ausgaben 17 933.51 Franken. Der Überschuß des vorigen Jahres betrug 44 927.64 Franken, so daß nach Abzug der Mehrausgaben noch ein solcher von 33 906.83 Franken bleibt. Der Graf von Ostrowskische Stipendienfonds hatte eine Einnahme von 18 709.25 Franken, der Ausgaben von 17 653.91 Franken gegenüberstanden. Der Uberschuß beträgt danach 1055.54 Franken. Dazu kommt der Überschuß vom vorigen Jahre mit 8110.87 Franken, so daß das Kapital nun 9166.71 Franken beträgt. Der Kosciuszko-Stipendienfonds beträgt 4000 Franken, die Einnahmen dieses Fonds betrugen 163.25 Franken. Die Einnahmen des historisch-literarischen Stipendienfonds betrugen im Jahre 1906 nur 1668.80 Franken, die Ausgaben 882.90 Franken. Es bleiben somit 785.90 Franken. Der namenlose Fonds aus dem Jahre 1899 hatte eine Höhe von 33 136.79 Franken, hiervon ausgegeben wurden 1168.96 Franken, es bleiben somit 31 967.82 Franken. Der namenlose Fonds von 1897 betrug 35 000 Franken, der Verlagsfonds 31 920.75 Franken, für ein periodisches Volksblatt wurden ausgegeben 1503.20 Franken, so daß dieser Fonds 30 417.55 Franken beträgt. Der namenlose Bibliotheksfonds vom Jahre 1903 beträgt 26 000 Franken, der namenlose Fonds „die stille litauische Kasse" weist den Betrag von 4243.52 Franken auf. Damit sind aber die nationalen Fonds der Polen durchaus nicht erschöpft. Für Posen und Preußisch- Polen wirkt der Marciekowski- und St. Adalbertverein. Außerdem wirken hier eine ganze Reihe polnischer Volksbanken, die besonders beim Guterwerb eine wichtige Rolle spielen. Jedes freiwerdende Gut in den östlichen Provinzen Deutschlands wird ein heiß umstrittenes Kampfobjekt zwischen Deutschen und Polen; daß im großen und ganzen der Sieg auf der Seite der Polen nicht seltener, wenn nicht geradezu häufiger ist, beweist, wie ausgezeichnet die Polen hier organisiert sind. So schwer der Kampf in den Ostprovinzen ist, so haben die Polen deshalb andere Kampfplätze nicht aus den Augen verloren. In Westdeutschland, in Rheinland-Westfalen wird der Zuzug polnischer Arbeiter von Jahr zu Jahr stärker. Aber selbst auf diesem urdeutschen Boden werden sie nicht germanisiert. Gewöhnlich bringen sie soviel Ersparnisse zusammen, um nach einigen Jahren die abhängige Stellung mit einer selbständigen zu vertauschen. Meistens gehen sie nach Posen oder Westpreußen zurück, um ein Geschäft oder einen Handel zu übernehmen. Zum Teil bleiben sie jedoch in den Industrierevieren und suchen mit Hilfe der ersparten Mittel sich l*

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