Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 12 (25.3.1910)
- Date
- 1910-03-25
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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um nach einigen Jahrzehnten wieder aufzutauchen. Neuerdings war die „Jüdische Rundschau" in der Lage, das jüngste Werk des Bazillus anzumelden, den Salonzionismus. Vorläufig weiß man noch nicht, was darunter zu verstehen ist, aber man wird sich über die Vielseitigkeit des Spaltpilzes und den immer weiter um sich greifenden Begriff des Zionismus freuen. Nachdem der Salonzionismus geschaffen ist, bleibt es hoffentlich nur eine Frage der nächsten Zeit, wann wir den Speisezimmer- und den Schlafzimmerzionismus bekommen. Voraussichtlich wird der Speisezimmerzionismus zu einem Machtstreit zwischen dem Schaletjudentum und der Schirikenorthodoxie führen, den breiten Massen des jüdischen Volkes wird er jedoch keine Teilnahme einflößen können. Dagegen liegt im Schlafzimmerzionismus die Zukunft unserer Bewegung. Wenn nämlich der Spaltpiltz seine erfolgreiche Tätigkeit fortsetzt, wird bald anstatt des od l'owdo ein allgemeines Schnarchen ertönen, und die Bewegung wird sich in Ruhe verwandeln. Es sind ja schon jetzt viele Zionisten des ewigen Streites müde, andere rennen bereits mit geschlossenen Augen umher, und wenn es so weiter geht mit den Spaltungen und Trennungen, dann werden wir zwar getrennt marschieren, aber vereint schlafen. — nn. Heracles in Linclos In Linclos stand im grauen Altertume Ein Bild des Heracles von hohem Ruhme; Denn viele Wunder waren dort geschehen, Und täglich konnte man noch neue sehen. Von mächt'gen Gliedern war der Held zu schauen Darum verehrten ihn besonders Frauen. Doch auch die Männer kamen oft zu beten, Bei schlechten Ernten, Krieg und andern Nöten. Eine Legende aus sehr alter Zeit Und um dem Unheil wirkungsvoll zu wehren, War Sitte, ihn auf eigne Art zu ehren. Denn da er stumm war, hoffte man Erhörurig Nur von sehr lauter, kräft'ger Ruhestörung. Drum warf man nach ihm hunderte von Steinen, Dabei begann das ganze Volk zu weinen. Und warf nach ihm und ließ nicht ab zu bitten, Bis Regen kam, und bis der Sieg erstritten. So hab' ich's kürzlich im Plutarch gelesen. Nr. 95- Nr. 97. Nr. 98—99 Nr. 100. Nr. 101. Büchereinlauf Jüdische Universal-Bibliothek, Prag: 96. Die Königsbraut, Roman von Karola Buch heim. Die Schwestern, Erzählung von S. Gordon, übersetzt aus dem Englischen von A. Kellner. Rom und Jerusalem, von M. Heß. Ausgewählte Gedichte und Skizzen von J. L. Perez. Aus dem Jüdischen übersetzt von Mathias Acher. Gedichte von Morris Rosenfeld. In Nachdichtung von Fr. Thieberger.' Novellen von J. D. Berkowitz (hebr.), Verlag „Moriah", Odessa. Das Buch der Agada. Ausgewählte Agadoth aus dem Talmud und Midrasch. Nach Materien geordnet und erläutert von J. Ch. Rawnitzki und Ch. N. Bialik. III. Bd., 5. Buch (hebr.) Verlag „Moriah", Odessa. Baal-Machschowos(Dr.A. El jaschew): Ausgewählte Schriften Bd. I, Wilna 1910 (Jargon). Zionistische Kopekenbibliothek, Odessa (Jargon): Nr. 22. Bezalel. Seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Von B. Schatz. Nr. 23. Die hebräische Kulturkonferenz. Von M. P. Seid mann. Nr. 24. Rückblick auf den o. Zionistenkongreß in Hamburg. Von Dr. J. Sapir. Adolf Lewin, Geschichte der badischen Juden seit der Regierung Karl Friedrichs (1738—1909). Kommissionsverlag der G. Braun'schen Hofbuchdruckerei, Karlsruhe. Dieses Buch ist ein Quellen * erk ersten Ranges und ein Stück Kulturgeschichte dazu nicht nur für die Juden aller Länder und Gegenden, sondern, auch für den Historiker und Geschichtsschreiber ganzer Zeitabschnitte. In überaus sachgemäßer Weise behandelt der Verfasser die Vorgeschichte der Judenemanzipation in Baden, die ersten tastenden Versuche einer liberalen Regierung, die Judenfrage zu lösen. Wie trotz des Widerstandes der Bevölkerung einzelner Distrikte, trotz flammender Proteste eifriger Agitatoren des Christentums die für die damaligen Verhältnisse unerhörte Selbstverwaltung der Juden in religiösen Dingen im Jahre 1809 zustande kam, wie die Juden diese Gabe mit größter Dankbarkeit aufnahmen, wie sie die Freiheit erst gebrauchen lernten: alles das ist in diesem Buche in jeder Einzelheit wiedergegeben. Mit peinlicher Sorgfalt hat der Verfasser das Material zusammengetragen, jede Reaktion auf irgendeinen Erlaß des Ministeriums dem Leser vor Augen geführt, die innere Entwicklung des Judentums, seine allgemeine Liberalisierung, die vielen großen Stiftungen, der Einfluß der Zentralleitung, die im Oberrat ihre Verkörperung findet, alle diese Gegenstände fesseln die Aufmerksamkeit des Lesers und fordern zu Vergleichen heraus. Ebenso wie die Schilderung der inneren Entwicklung ist auch die der äußeren, politischen, des freien Judentums in Baden bis auf unsere Tage fortgeführt und zeigt als Resultat dieser vielen Entwicklungsfaktoren das heutige badische Judentum. Einzelne Stellen aus dem Buche zu zitieren ist wenig angebracht, man muß ein Geschichtswerk, besonders ein so großzügiges, im Zusammenhang lesen, um den richtigen Eindruck zu erhalten. Und der Eindruck, den man von der Lektüre des Buches empfängt, macht die Tatsache erklärlich, daß Baden zu den wenigen Gebieten der Erde gehört, auf denen dank der Fürsorge einer weisen, liberalen Regierung trotz einer verhältnismäßig großen Anzahl von Juden kaum ein Hauch von Antisemitismus zu finden ist. Jedem, der sich für die Geschichte unseres Volkes interessiert, kann dieses Buch aufs wärmste empfohlen werden. Es gehört zu den besten Werken jüdischer Geschichtsforschung. Fritz Rosenthal. Der Schluß des Feuilletons , Seelen Verbannung mußte wegen Raummangels für nächste Nummer zurück» bleiben.