Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 9 (4.3.1910)
- Date
- 1910-03-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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worden, und in einigen Städten sind neue Filialen im Entstehen begriffen. Die Filialen entwickeln sich sehr gut. Im Laufe dieses Monats wird in Lemberg eine Volksvorschußkasse — als Tochterinstitution der Kredit-Union und an die letztere angelehnt — eröffnet. Sie wird dem „kleinen Manne" kleine Darlehen im Betrage von 50 bis maximum 500 K zu den bequemsten Wochen-, Monats¬ und Quartalsraten erteilen und auf dieser Weise ihm in der höchsten Not unter die Arme greifen. Voll Hoffnung und Zuversicht sehen wir jenem Moment entgegen, wo die Kredit-Union, dank der unermüdlichen Rührigkeit des Direktors Eisier, mit einem ganzen Netz von Filialen das ganze Land überziehen wird. Nürnberg. Am Sonntag, den 13. Febr. nachmittags 5 Uhr, fand in Nürnberg die erste jüdische Märchenvorlesung statt. Ihre erste Anregung fand dieselbe in der hiesigen zionistischen Ortsgruppe; der Gedanke wurde sofort in die Tat umgesetzt, es bildete sich ein Komitee, welches die Vorbereitungen auch gleich in die Hand nahm. Die jüdische Loge stellte in liebenswürdigster Weise eins ihrer Lokale zur Verfügung. Iu den weitesten Kreisen fand dieses Vorhaben Beifall, und außerordentlich groß war der Zuspruch, der zeigte, welchen Anklang diese Idee fand. Über 200 Kinder, größtenteils mit ihren Eltern, aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung waren erschienen. Mit Begeisterung hörten die Kinder den Erzählungen zu, die Herren und Damen aus den verschiedensten Kreisen aus dem reichen Schatz unserer wunderschönen Märchen-, Sagen- und Legen den weit zum Besten gaben. Der Beifall, den diese Märchenvorlesungen hatten, veranlaßt das Komitee zu einer baldigen Wiederholung. Budapest. Ein aus den hervorragendsten Persönlichkeiten der orthodoxen Judenschaft Ungarns bestehendes Komitee veranstaltet im Mai 1. J. eine jüdische Gesellschaftsreise nach Palästina. Die Gesellschaft wird vornehmlich Jaffa-Jerusalem-Hebron-Cheifa- Tiberias-Safed-Meron und die jüdischen Kolonien besuchen. Die religiöse Leitung hat Se. Hochwürden der Budapester orthodoxe Oberrabbiner Koppel Reich (Budapest VI., Mohrengasse Nr. 7) übernommen. Hiernach ist es überflüssig zu konstatieren, daß die Verpflegung während der ganzen Reisedauer streng orthodox rituell sein wird. Mit Programm und näheren Auskünften dient bereitwilligst der genannte Herr Oberrabbiner. In Ungarn gibt sich schon jetzt für diese Reise ein lebhaftes Interesse kund. Mielnica. Im Verlauf eines Prozesses zwischen nichtjüdischen Parteien hat jüngst der durch seine Judenfresserei längst bekannte Richter Tadeusz Juckiawicz, einer Partei, die auf seine Vergleichsvorschläge nicht eingehen wollte, zugerufen: „Du Schwein, Du Zigeuner, Du bist noch weniger als ein Jude!" Als ein anwesender jüdischer Jurist sich gegen diese Ausdrücke verwahrte, erwiderte der Richter: „Ich halte aufrecht, was ich gesagt habe." Die Kultusgemeinde hat nunmehr gegen den Richter Protest erhoben und die Beschwerde an das Justizministerium und das Oberlandesgericht ergriffen. Sulina. Am L Februar hat hier ein Ball stattgefunden, welchen die zionistische Sektion „Arzzei Halvunoin" veranstaltete. Das Fest hatte einen schönen Verlauf. Aus dem Reingewinn wurden 50 Francs für die Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft gewidmet. Riga. Der Behörde ging ein Befehl zu, die Wohnrechte der Juden nochmals zu revidieren und streng darauf zu achten/ daß die diesbezüglichen verschärften Maßregeln ohne jede Rücksicht durchgeführt werden. Odessa. Die städtische Behörde stellt seit einiger Zeit Nachforschungen an, ob die Juden ihre Namen in Übereinstimmung mit den * Geburtsregistern führen. Wie verlautet, sollen alle Juden bestraft werden, welche „unrechtmäßig" sich christliche Namen beilegten. So sorgt schon die russische Regierung für die nationale Würde der Juden ... Lodz. Eine Gruppe hiesiger Herren der jüdischen Intelligenz unternahm vor einiger Zeit eine Palästinareise zu dem Zwecke, Erhebungen für Landankauf dortselbst anzustellen, das zur Kolonisation jüdischer Emigranten verwendet werden soll. Die Herren sind nun zurückgekehrt und berichten als Ergebnis, daß der Boden für eine Kolonisation außerordentlich geeignet ist. Jüdische Kolonisten, die seit zirka 30 Jahren dort bereits angesiedelt sind, haben im Verlaufe dieser Zeit gezeigt, was Fleiß und Energie dort zustande zu bringen vermögen. Besonders eignen sich große Strecken in jener Gegend noch unbebauten Landes für Plantagenanlagen, auf denen Orangen, Mandeln und Oliven erzeugt werden. Allerdings kommen für solche Plantagenanlagen nur bemittelte. Personen in Betracht, da Jahre vergehen, ehe die Anpflanzungen Ertrag bringen. Die Juden, welche sich in Palästina niederlassen, genießen volle Freiheit in bezug auf ihre nationale Entwicklung. [§5^ZZ NOTIZEN Zentralbureau der Organisation für hebräische Sprache und Kultur Montag den 7. März, 8\'-i Uhr abends, findet in Berlin, Hotel Ruhland, NW. Mittelstr. 60, eine hebräische Versammlung statt. Tagesordnung: 1. M. L. Lilienblum, Vortrag von Herrn S. Hurwitz. 2. Diskussion. 3. Gründung einer Ortsgruppe der allgemeinen Organisation für hebräische Sprache und Kultur. Gäste sind willkommen! Das Komitee. Ein hebräischer Sprachklub in Budapest In der ungarischen Hauptstadt besteht seit kurzer Ze't ein Klub zur Pflege und Verbreitung der hebräischen Sprache unter der Leitung des Gg. Resen. Allwöchentlich hält der Klub einen Vereinsabend ab, an dem die Mitglieder über aktuelle jüdische Fragen ausschließlich in hebräischer Sprache diskutieren, hebräische Vorträge halten usw. An dem jüngsten Vereinsabend, der am 22. d.M. stattfand, hielt Herr Advokat Dr. Bernhard Eisenberg aus Bonyhäd, einer der Gründer des Klubs, eine großzügige Rede, in der er die Aufgaben unseres Klubs erörterte. Es wurde der Beschluß gefaßt, unverzüglich an die Herausgabe einer hebräischen Monatsschrift zu schreiten, die unter dem Titel „Haiehudi" als Beilage zu der von Gg. S. Bettelheim in Preßburg redigierten' „Ungarländischen Jüdischen Zeitung" erscheinen soll. Die erste Nummer des „Hajehudi", die bereits in den nächsten Tagen erscheinen wird, enthält u. a. folgende Aufsätze: -.^m* von S. M. Resen; nnfiö IN von Dr. Bernhard Eisenberg; nn^nD rvoyn HSItfn DSJD v°n Religionsprofessor M. Wachsberge'r; Feuilleton von"Rechtsanwalt Dr. M. Braun und ein dem Erscheinen des neuen Blattes gewidmetes Begrüßungsgedicht i-n.-p^ von theol. A. Feuerstein. Das jüdische Museum in Krakau Demnächst wird in Krakau ein Museum für jüdische Kunstwerke und Denkwürdigkeiten eröffnet werden. Der Anfang zu der wichtigen Sammlung, die vornehmlich die Geschichte und Kultur der Juden in Polen betrifft, ist bereits gemacht worden. Die Verwaltung der jüdischen Gemeinde hat zu diesem Zwecke eine Anzahl wertvoller Dokumente erworben, die sich bisher im Besitze von verschiedenen Privatpersonen oder öffentlichen Instituten befunden haben. Unter diesen Erwerbungen befinden sich auch Juden betreffende Gesetzesbestimmungen mit Unterschriften verschiedener polnischer Könige, wie Siegmund August, Siegmund III., Stanislaus August u. a. Eine Gesetzesvorlage, die dem polnischen Reichstag vorgelegt werden sollte, enthält verschiedene vom König eigenhändig gemachte Verbesserungen und Änderungen, sowie eine von ihm selbst niedergeschriebene Einleitung. Mehrere Aktenstücke tragen die Unterschriften von Woiwoden und hochgestellten Beamten; manche sind vom Papst Miszkowski unterschrieben und stammen au* den Jahren 1627 — 1638. Ein Dokument aus dem Jahre 1791 reguliert eine zwischen der Krakauer jüdischen Gemeinde und den Vorstehern der heiligen Augustiner schwebende Geldangelegenheit. Ein Schriftstück enthält die Kopie von einem Briefe des Papstes Paulus aus dem Jahre 1596, worin sich der Papst in entschiedener Weise gegen die Blutbeschuldigung ausspricht. Eine aus dem Jahre 1300 stammende Thorarolle der jüdischen Gemeinde in Regensburg wurde vor einigen Jahrhunderten von jüdischen Emigranten der hiesigen Universität geschenkt, die sie nun dem jüdischen Museum gestiftet hat. Die Sammlung enthält auch mehrere altertümliche Kunstgegenstände und Kultusgeräte. Von der Czernowitzer Universität Der österreichische Unterrichtsminister hat den Beschluß des Czernowitzer Professorenkollegiums auf Erweiterung der venia docendi des Privatdozenten für österreichisches Privatrecht, Finanzrates Dr. Adolf Last, auf das Gebiet des römischen Rechtes an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Czernowitz bestätigt.