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Die Welt · 1910-03-04 · 9 (4.3.1910) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
9 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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wachsenden Zuzug der Angehörigen der andern Berufe hervorruft, und umgekehrt, daß eben dort, wo Bauern sind, auch Städte sind. Und so werden wir allmählich in die Lage kommen, nicht nur den Gedrückten unseres Volkes ein auskömmliches Dasein zu sichern, sondern mit der zu gründenden Siediungsgenossenschaft in Palästina wird vielleicht der Keim zu einer neuen Weltordnung gelegt, die der ganzen Welt Frieden und Glück zurückbringen wird. Dem reichen Beifall, den die Versammlung dem Redner zollte, folgte eine kurze Diskussion, worauf der Vorsitzende, Herr Dr. Bodenheimer, die überaus enthusiastisch verlaufene Versammlung mit Ausdrücken des Dankes an den Redner und einem warmen Appell an die Zuhörer zur Unterstützung des Planes schloß. Österreich Die II. Weltkonferenz des universellen jüdischen sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zion Die in Krakau vom 19.—22. Dezember v/J. abgehaltene Poale-Zion-Konferenz war die erste Tagung jüdischer Sozialisten aus nahezu allen Ländern des Golus, die in einer Stadt mit bedeutender jüdischer Bevölkerung zusammentrat. Die bemerkenswerte Tatsache, daß etwa 45 Delegierte aus Oesterreich, Rußland, sowie aus dem entfernten Palästina, Amerika und England zur Weltkonferenz herbeigeeilt waren, übte einen sichtlichen Eindruck auf die Juden, insbesondere auf die Arbeiterschaft und die jüdische Jugend Krakaus aus, die nach vielen Hunderten die Galerien füllten, um den Beratungen zu lauschen. Auch die Delegierten waren freudig bewegt von dem stolzen Bewußtsein, daß es bis nun keine einzige jüdische sozialistische Organisation zu einer derartigen, das jüdische Proletariat aller Länder umfassenden Tagung gebracht hat. AU das gab der II. Weltkonferenz auch äußerlich ein festliches Gepräge. D;e in den vier Tagen geleistete Arbeit ist gewiß sehr umfangreich. Die Konferenz war in der Tat der konstituierende Kongreß des Poale-Zion-Verbandes. Denn sie hat durch Annahme des von Blumenfeld unterbreiteten Organisationsstatutes die Verfassung und die Satzungen des universellen Verbandes festgelegt. Nach § 1 des Statuts umfaßt der jüdische sozialistische Arbeiterverband Poale-Zion alle Juden, die auf dem Boden der sozialistischen Lehre stehen, die Vergesellschaftung der Produktionsmittel durch den wirtschaftlichen und politischen K'assenkampf des Proletariats anerkennen, und die territoriale Lösung der Judenfrage durch die Konzentration der jüdischen arbeitenden Massen und die Schaffung eines jüdischen Gemeinwesens in und um Palästina erstreben. Der Verband umfaßt die jüdischen sozialistischen Parteien Poale-Zion Rußlands, Oesterreichs, Amerikas, Englands, Palästinas und Argentiniens, sowie die Poale-Zion-Organisationen Rumäniens und Westeuropas. Die Landesparteien und ihre Parteitage sind autonom in allen Fragen der inneren Organisation und der Landespolitik. In allen Angelegenheiten jedoch, die die Interessen des jüdischen Volkes und der gesamten jüdischen Arbeiterschaft berühren, beschließt über die gemeinsamen Aktionen die Weltko nferenz, die somit eine höhere Kompetenz besitzt als die Landesparteitage. Sie faßt ihre Beschlüsse mit einfacher Stimmenmehrheit, doch ist die Abstimmung nach Landesdelegationen auf Verlangen zulässig. Die Vertretung des Verbandes ist das Verbandsbureau, das aus den Vertretern der Landesexekutiven und 3 von der Weltkonferenz gewählten Mitgliedern besteht. Das Bureau erhält ein leitendes Sekretariat in Europa, derzeit in Wien, und ein Arbeitssekrp-tariat in Palästina, das im Laufe dieses Jahres gegründet werden soll. Das erste vertritt den Weltverband nach außen, leitet die Agitation und übernimmt die Durchführung der Beschlüsse der Konferenz durch die Landesparteien. Das zweite ist das Vollzugsorgan des Verbandes in Palästina; es leitet den Arbeitsnachweis für die einwandernden Arbeiter, sowie die gewerkschaftliche, politische und kulturelle Organisation der jüdischen Arbeiter Palästinas und der Türkei. Der Annahme des Organisationsstatuts, das eine engere und strammere Zusammenfassung der Landesparteien zu einem organisatorischen Ganzen bedeutet, und der Beschlußfassung über die Schaffung des Arbeitssekretanats. das die Palästinaarbeit und die Erziehung des jüdischen Proletariats Ottomaniens zum Bewußtse:n seiner nationalen und sozialen Aufgaben in energischem Rhythmus aufnehmen soll, folgte die Begründung des Palästinaarbeiterfonds, die von der Konferenz mit großer Begeisterung zum Beschluß erhoben wurde. Die Aufgabe dieses Fonds ist es, den einwandernden Proletariern das Eindringen in die Produktion Palästinas zu erleichtern, ihre Positionen in allen Zweigen des Wirtschaftslebens zu sichern. Der Fonds soll zur Subventionierung von Arbeiierküchen, Arbeiterwohnungen, Infonnationsbureaus, genossenschaftlicher und gewerkschaftlicher Organisationen, zur Förderung von Bibliotheken, Lesehallen, Bildungsvereinen, Verlagsgesellschaften und ähnlichen Institutionen verwendet werden. In einer besondern Resolution wird die kräftige Unterstützung des Verlags „Achduth" verlangt, der daran geht, eine Halbmonatsschrift in hebräischer Sprache in Palästina herauszugeben. Die Palästinaarbeit war nicht nur Gegenstand der eingehendsten Beratungen und der wichtigsten Beschlüsse. Sie beherrschte nahezu völlig die Konferenz, Es wurden von den palästinensischen Delegierten inhaltsvolle Referate erstattet über den ottomanischen und jüdischen Arbeiter in Palästina und der Türkei, über'die Agrarfrage und über die politische Situation. Die Referenten Ben Zwi und Rahel Goldin lieferten reichhaltiges, interessantes Material. In der angenommenen Resolution zur politischen Lage heißt es: „Die II. Konferenz des universellen jüdischen sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zion begrüßt den Kampf der radikalen Elemente der. Türkei gegen die Reaktion des Despotismus sowie gegen die chauvinistisch-zentralistischen Tendenzen zahlreicher Verfassungstreuer. Die Konferenz begrüßt mit Freude und Genugtuung das Entstehen der aufstrebenden Organisationen des ottomanischen Proletariats. Als Vertreterin des allweltlichen jüdischen Proletariats, dessen wichtige Interessen und Zukunft eng verknüpft sind mit der Lage der Völker der Türkei, wünscht die Konferenz die friedliche Verbindung aller unterdrückten Volksmassen des Osmanenreichs zur Verteidigung ihrer nationalen Interessen und des Fortschritts der ottomanischen Demokratie/' Bezüglich der Agrarfrage bezeichnete die Konferenz die genossenschaftliche Siedlungsmethode als ein unerläßliches Mittel zur Seßhaftmachung einwandernder jüdischer Proletarier und beauftragte die Delegierten am IX.Zionistenkongreß, dafür einzutreten, daß die Siedlungsgenossenschaft in den Tätigkeitsbereich der zionistischen Organisation eingeschlossen wird. (Schluß folgt) Wien. Die jüdisch-akademische Verbindung „Unitas" schloß am 21. Februar das «Wintersemester ab. Aus dem Rechenschaftsbericht, den der scheidende Präses cand. agr. Ernst Weiß ablegte, geht hervor, daß die „Unitas" wieder auf ein tätiges und erfolgreiches Semester zurückblicken kann. Nach innen und außen gestärkt, hat die Verbindung ihrem wahren Zweck, Pflege des Judentums und der zionistischen Idee, voll und ganz gedient. Auf der Bude fanden öfters zionistische Vorträge und Diskussionen statt. Unter anderm sei ein Vortrag des A. H. Dr. Philipp Schönwald über Dr. Zollschans (A. H.) neu erschienenes Buch „Das Rassenproblem" erwähnt, dem ein zahlreiches Auditorium und der Autor selbst beiwohnte. Nicht minder regen Anteil hat die Verbindung am gesellschaftlichen Leben genommen. Bei der im Winter von der Wiener zionistischen Korporation veranstalteten Makkabäerfeier war die „Unitas" hervorragend beteiligt. Der am 2. Februar zugunsten des jüdischen Studentenheims im Hotel Continental stattgefundene Verbindungsball hat einen glänzenden Verlauf genommen und sich zu einem der großartigsten jüdischen Repräsentationsbälle gestaltet. — Die Chargen wählen für das Sommersemester 1910 ergaben folgendes Resultat: I. U. C.Jakob Herzbaum X, med. Emil Medak XX F X, jur. Markus Eitis XXX. Verbindungslokal: VIII, Auerspergstraße 21, Couleurcafe: Cafe Louvre, I, Wipplingerstraße 27, Telephon Nr. 14039. Graz. Am 16. v. M. wurde in Graz eine § 2-Versammlung abgehalten und nach vorangegangenem Referate des Gg. Herrn J. Teller beschlossen, einen Verein ins Leben zu rufen, dessen Zweck ist, die „Siedlungsgenossenschaft" nach Prof. Fr. Oppenheimer materiell zu fördern. Dem Verein traten 40 Mitglieder bei. Tratitenau. Der bei der letzten Generalversammlung des zionistischen Volksvereins „Theodor Herz!" gewählte Vorstand hat sich in folgender Weise konstituiert: Öbmannn: Dr. Hugo Rappaport, Adv.; Obm.-Stellv.: Fabrikant Heinrich Pick; Kassierer: Fabrikant Paul Sommernitz; I. Schriftführer: Baukommissär Ing. Hermann Pollaczek; II. Schriftführer: Hermann Klein; Nationalfondskommissär: Hugo Natscheradetz; N. F.¬ Gehilfe: Karl Weil; Bibliothekar: Ernst Goliath; Beisitzer: Rudolf Kohn , Baukomm., Mark Pollak, Bau-lng., Oskar Rix, Wilhelm Weiß. Der neukonstituierte Vorstand beschloß, allmonatlich abwechselnd einen Familienabend und einen literarischhistorischen Abend im Hotel Union zu veranstalten. Czernowitz. In einerstark besuchten Volksversammlung, die der jüdisch-akademische Verein „Emunah" am 5. d. M. einberufen hatte, erstattete der Delegierte des I. Wahlbezirks, Herr Löbel Taubes, einen ausführlichen Bericht über den IX. Zionistenkongreß. Mit einem warmen Appell an die Versammlung, die zionistischen Bestrebungen eifrig zu unterstützen, schloß der Redner sein interessantes, fast Inständiges Referat, das mit großem Beifall auf-

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