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Die Welt · 1910-02-25 · 8 (25.2.1910) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
8 (25.2.1910)
Date
1910-02-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT IEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIV. JAHRQ. KÖLN, 25. Februar 1910 **D*nnV* yin t"b No. 8. '/- □ □ ^- --^-SZ?— [)><^ ooooo — POLITISCHE REVUE -- OOOOO -^-vs- ^m. "V □ □ 4 Die Juden in der deutschen Armee Am 10. Februar ist wieder einmal die Beschwerde vor dem Deutschen Reichstag erhoben worden, daß die jüdischen Einjährig-Freiwilligen nicht zu Offizieren befördert werden. Die Beschwerde ist ja fast so alt wie der Reichstag selbst. Ihre Beantwortung durch den Kriegsminister war die gleiche, die man aus frühern Jahren her, von den verbindlicheren Worten . des Ministers v. Einem abgesehen, gewohnt ist. Bei einem großen Teil des niedern Volkes. — sagte diesmal außerdem der Minister — besteht ein gewisses Mißtrauen gegen die jüdischen Mitbürger. Man darf berechtigte Zweifel daran hegen, ob das niedere Volk jemals über die Ernennung von Offizieren gefragt worden ist. Es bestand immer die Ansicht, daß das Offizierkorps über die Wahl der Reserveoffiziere selbst frei zu entscheiden habe. Und es ist weiter sicherlich psychologisch interessant, daß von einem Mißtrauen des niedern Volkes keine Rede mehr ist, wenn der Offiziersaspirant sich taufen läßt. Im Ernst, man sollte offener sein und sagen: Wir — d. h. der Kriegsminister — wollen keine jüdischen Offiziere. Das „niedere Volk" hat mit der Frage nichts zu schaffen. Dann müßte man aber doch z. B. an den Dreibund denken und von den vielen jüdischen aktiven und Reserveoffizieren in der österreichischen Armee sprechen. Es gab ja auch in Österreich in den letzten Jahren die Tendenz, jüdische Ärzte in der Armee nicht zu aktivieren. Da kam der grausame Ernst der vorjährigen Mobilisierung, und siehe da, das berüchtigte System Uriel brach zusammen, und man nahm gerne die jüdischen Ärzte wieder auf, sah gerne die jüdischen Reserveoffiziere und die jüdischen Mannschaften einrücken. Es ist wohl anzunehmen, daß man in Deutschland im Ernstfall die jüdischen Soldaten mit den gleichen Sympathien sehen würde. Aber Offiziere können sie nicht werden, weil das ^„niedere Volk" dagegen ist. . . „Es gibt keine jüdische Rasse!" Uie Herren Simon Wolf, Repräsentant der Vereinigung der jüdischen Gemeinden Amerikas, und Mack, Vertreter des amerikanisch-jüdischen Komitees, hatten den Wunsch geäußert, vor der Kongreßkommission zur Untersuchung der Einwanderungsfrage erscheinen zu dürfen. Sie wurden auch zu einer Expertise eingeladen, die am 4. Dezember des vergangenen Jahres stattfand. Die beiden Herren hatten im wesentlichen den Wunsch, es möge aus der amtlichen Einwanderungsstatistik die Bezeichnung „Jude" gestrichen werden, insofern sie sich auf die Volkszugehörigkeit beziehe. Die Juden seien nur eine religiöse Gemeinschaft, so wie die Katholiken, Protestanten usw. Sonst seien sie nach ihrer Herkunft Russen, Franzosen, Österreicher, Deutsche. Hier warf ein Mitglied der Kommission, Senator Lodge, die Frage ein: „Wenn sie aber aus Polen kommen?" Herr Wolf meinte, dann seien sie nach den Ländern zu bezeichnen, unter die Polen aufgeteilt worden sei. Herr Lodge: „Soll man die Iren als Briten klassifizieren?" Herr Wolf: „Gewiß. Ich muß aber ausdrücklich, um Mißverständnissen vorzubeugen, erwähnen, daß ein gewisser Teil des jüdischen Volkes'behauptet, die Juden seien eine Rasse. Namentlich die Zionisten halten an der Idee fest, nach Palästina zurückzukehren und dort einen jüdischen Staat zu gründen. Für diesen Teil des jüdischen Volkes spreche ich hier nicht." Das ist sehr freundlich von Herrn Wolf. Aber man muß hier gleich die Frage aufstellen, warum er denn fortwährend von einem jüdischen Volk redete. Er könnte doch logischerweise nur von einer mosaischen Konfession sprechen. Es sei auch hier gleich beigefügt, daß, wer eine jüdische Rasse als nicht existent ansieht, damit nur offene Türen einrennt. Der Begriff einer Rasse steht wissenschaftlich so wenig fest, daß er heutzutage nur in der demagogischen Wirtshauspolitik und in der abenteuerlichen Hinterwäldlerpresse der antisemitischen Parteiungen eine Rolle spielt. Das ist sicher auch Herrn Wolf bekannt, und er mag nur fortwährend das Wort Rasse mit Nation verwechseln. Daß er mit seiner Ansicht nicht alleinsteht, bewies er durch die Vorlage von Gutachten hervorragender jüdischer Persönlichkeiten Amerikas. Darunter befand sich eines von Dr. Cyrus Adler aus Philadelphia. Nun

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