Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 5 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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festgelegt ist, kann es nicht wundernehmen, daß bei einer wohlhabenden jüdischen Bevölkerung, wie der deutschen, diese Spende so hohe Beträge einbringt. Die Nationalfondsspenden, bei welchen im Gegensatz hierzu kein^ Zwang besteht, eine bestimmte größere Summe zu spenden, und die darum in der Hauptsache in kleinen Beträgen einfließen, erfordern anhaltende Propaganda- und Sammelarbeit, um deren Ertrag auf eine entsprechende Höhe zu bringen. Es müssen immer und im mert wieder seitens der lokalen Kommissiäre Sammlungen veranlaßt werden, und auch die Sammelstelle darf keine Gelegenheit vorübergehen lassen, an unsern Fest- und Feiertagen durch Briefwechsel mit den lokalen Kommissären die Organisation spezieller Sammlungen zu betreiben. Wir resümieren: Im Interesse einer Steigerung der Gesamtergebnisse ist es Pflicht sämtlicher Sammelstellen, ein gewisses Gleichgewicht der Ergebnisse der einzelnen Sammelmittel anzustreben, und insbesondere dafür zu sorgen, daß die von Zufällen unabhängigen Einahmequellen, wie Sammelbüchsen und Nationalfondsmarken, an dem Gesamtergebnis in immer stärkerem Maße beteiligt seien. Was die Sammelbüchsen anlangt, so ist in (Tabelle IV ersichtlich gemacht, welchen Anteil die Büchsensammlungen an den Gesamteingängen haben und wie hoch bei den wichtigeren Sammelstellen der Durchschnittsertrag der verteilten Büchsen im vergangenen Jahre gewesen ist. Unter verteilten Büchsen sind hier diejenigen Büchsen zu verstehen, welche von den betreffenden Sammelstellen nach deren eigenen Angaben bis gegen Ende des vergangenen Jahres ausgegeben worden sind. Nicht berücksichtigt ist die große Anzahl derjenigen Büchsen welche die einzelnen Sammelstellen zwar von uns erhalten, aber noch nicht verteilt, sondern auf Lager haben. Die Einbeziehung dieser hätte das Resultat noch mehr verschlechtert. Tabelle IV Land 1909 Gesamtsumme t4t Büchsenertrag dt Zahl der verteilten Büchsen Jahresertrag pro (verteilte) Büchse JC Ägypten . . 930.30 . 225.35 ... — Argentinien . 4 695.90 . 203.70 ... 400 .. 0.51 Australien 468.14 . 5.10 Belgien . . 8 249.97 . 650.63 215 . . . . 3.03 Brasilien . . 257.40 . 247.60 Bulgarien 3 623.74 . 222.02 Canada . . 4 499.46 . 433.49 Deutschland 48 507.15 . . 5 382.73 ... 3 500 .. .... 1.54 England . . 18 591.68 . . 1 668.21 Frankreich . 1 157.35 . 438.99 97 . . . 4.52 Griechenland 80.40 . — ... Holland . . 4 613.33 . . 1128.51 450 .. . . 2.50 Italien . . . 336.32 . — Nordamerika 36 246.31 . . 4 948.79 ... 8 000 .. . . . . 0.62 Ostasien . . 596.67;. — •' Österreich . 67 853.81 . . 11 663.59 .... 11 000 .. . . . . 1.06 Ungarn . . 4 765.10 . . 1 774.1 1 Kroatien . . 3 089 08 . 678.17 Rumänien . 43 415.87 . . 2 410.30 .... 1 800 .. . . . . 1.34 Rußland . . 124,963.76 . . 14 998.65 .... 13 400 . . . , 1.12 Schweiz . . 1 278.04 . 151.92 200 .. ... . 0.75 Serbien . . 436.84 . 75.41 Skandinavien 136.34 . Südafrika 22 684.70 . . 1571.23 Türkei . . . 3 163.46 . 484,91 Das Bild, welches uns obige Tabelle bietet, ist ein außerordentlich beschämendes. In Nordamerika sind z. B. pro verteilte Büchse nur 62 Pfg. eingegangen, das'ist bedeutend weniger, als die Herstellungs- und Verteilungskosten pro Büchse im ersten *Jahre betragen haben. Der Qrund für die geringe Höhe dieser Durchschnittsziffer ist darin zu suchen, daß zwar viele Büchsen verteilt, aber nur wenige der verteilten Büchsen geleert und ein noch kleinerer Teil derselben regelmäßig geleert wird. Trotz aller Aufforderungen seitens des Hauptburealis wird insbesondere von den lokalen Kommissären der Organisation den Büchsensammlungen eben noch immer nicht die nötige Aufmerksamkeit und Arbeit gewidmet. Man ist in weiten Kreisen noch immernicht zur Erkenntnis gekommen, daß das Verteilen der Büchsen an sich nichts nützt, und daß die Büchsen brach liegen, wenn sie nicht regelmäßig mindestens zwei- oder dreimal im Jahre geleert werden. Wieviel gerade auf diesem Gebiet erzielt werden könnte, ergibt sich aus folgendem: Mit Hilfe einer Kartothek hat das Hauptbureau des J. N. F. festgestellt, daß sich die Ergebnisse derjenigen Sammelbüchsen, welche regelmäßig dreimal im Jahre geleert werden, je nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der jüdischen Landesbevölkerung zwischen vier und acht Mark im Durchschnitt bewegen. Würde diese Durchschnittsziffer nicht nur für die genau in Evidenz gehaltenen Büchsen gelten, sondern wäre sie für jede verteilte Büchse erreicht, was durchaus nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeit liegt, so würden sich die Eingänge des Nationalfonds um mehr als 200 000 Jl jährlich heben, ohne daß auch nur eine einzige Büchse neu ausgegeben werden müßte. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß die Zahl der in den einzelnen Ländern bis jetzt verteilten Büchsen nach Angaben unserer Sammelstellen noch bei weitem nicht dem Bedürfnis entspricht, und noch mehrere hunderttausend Büchsen verteilt werden können, bis der Sättigungsgrad erreicht ist. Jeder Einsichtige wird aus diesen Angaben leicht erkennen, wieviel unsere Sammelstellen und unsere lokalen Kommissäre gerade auf dem Gebiet der Büchsensammlung noch zu leisten haben und in welchem Maße eine sorgsame und eifrige Arbeit auf diesem Gebiet die Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds vervielfältigen kann. Da vorläufig die Büchsensammlungen und der Verkauf von Nationalfondsmarken die einzigen ständigen Einnahmequellen des Jüdischen Natioualfonds bilden, hoffen wir, daß dieser Hinweis genügen wird, um alle Freunde des Jüdischen Nationalfonds zur Mitarbeit auf diesem Gebiete zu veranlassen. Mit Bezug auf unsere Mitteilung in Nr. 3 der „Welt" d. J. betreffs der Kindersammlungen an Purim geben wir hierdurch bekannt, daß wir beabsichtigen, ein Exemplar der Nationalfondsmünze auch denjenigen Kindern zukommen zu lassen, welche dem Hauptbureau gebrauchte Nationalfondsmarken im Nominalwerte von mindestens \§Jt einsenden. Selbstverständlich werden hierbei nur tadellos erhaltene Exemplare gezählt, und werden die Herzlmarken ohne Rücksicht auf ihre Farbe mit 5 Pf., die Nordaumarken durchweg mit 2 Pf. per Stück und die alten Marken ebenfalls mit 2 Pf. per Stück bewertet.