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Die Welt · 1910-01-21 · 3 (21.1.1910) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
3 (21.1.1910)
Date
1910-01-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIV. JAHRO. KÖLN, 21. Januar 1910 q-|ir6 ND"nn'tf DDP n"' Na. 3. NACH DEM KONGRESS In den jüngsten Nummern der „Welt"' haben wir die Preßstimmen über den Kongreß unparteiisch aneinandergereiht. Wir haben sowohl das reproduziert, was uns als der Kern in den Ausführungen der. Gesinnungsgenosssen erschien, die das System der bisherigen Leitung mißbilligen, als auch aus den Aufsätzen derer, die es für ihre zionistische Pflicht ansahen, für die Leitung einzutreten, die wesentlichsten Teile abgedruckt. Wir haben schließlich auch die Freunde unserer Sache zu Worte kommen lassen, die sich bemühten, die ganze gegenwärtige Sachlage objektiv zu beurteilen und ihre Bedeutung für den Zionismus in aller Ruhe, sine ira et studio, zu prüfen. Nicht haben wir gebracht, was in einigen jüdischen und hebräischen Zeitungen über die Hamburger Ereignisse geschrieben wrorden ist. Es dürfte in der jüdischen Öffentlichkeit wohl nicht allgemein bekannt sein, wie man leider Gottes in einem Teile der jüdischen Presse Tagesgeschichte schreibt und „Politik" macht. Wir werden wohl noch Gelegenheit finden, in Erfüllung unserer Pflicht gegenüber dem Zionismus und der jüdischen öffentlichen Moral diese Art der Publizistik ins richtige Licht zu rücken. Heute müssen wir jedoch diese Aufgabe, so wichtig sie uns auch erscheint, noch zurückstellen, weil uns eine noch wichtigere Pflicht ruft. Es gilt jetzt vor allen Dingen, der zionistischen Öffentlichkeit klar zu legen, welche Stellung die Leitung der zionistischen Organisation zu der neugeschaffenen Sachlage nimmt. Man soll sich nicht beklagen können, „Köln" lasse nichts von sich hören, gebe keine Richtung an, erteile keine Direktiven. Für die Leitung gibt es nur eine einzige Stellungnahme, über die alle ihre Mitglieder sich einig sind. Es ist dies die Stellungnahme des Arbeiters zu der Arbeit, mit der er betraut worden und die ihm lieb ist. An die Arbeit! — Das ist die Parole, die die Leitung der Organisation und in allererster Linie sich selbst erteilt. An die Arbeit! Denn es liegt eine Arbeit vor uns, von der wir fühlen, das unsere Kräfte ihr gewachsen sind, die wir verpflichtet und bereit sind, in Angriff zu nehmen und die wir mit Gottes Hilfe vollbringen werden. Der Kongreß ist nicht ergebnislos verlaufen. Die Vertreter des jüdischen Volkes aus allen Ländern und Erdteilen haben sich nicht vergebens in Hamburg versammelt, wenn auch nicht alle das erreicht haben, was sie dort suchten. Dies klar zu machen, ist der Zweck dieses Artikels. Zwei Fragen haben wir uns vorzulegen: Was war? Was wird sein? Denn was sein wird, soll aufgebaut werden auf dem, was war, und wer das eine nicht ohne Scheu untersucht, kann das andere nicht schaffen. Was war? Es war Unmut und Verdrossenheit in unsern Reihen. Es herrschte eine starke Unzufriedenheit in manchen Kreisen, eine Unzufriedenheit mit der Lage, in der sich der Zionismus befand. Und daß die Lage, wie man sie fand, so wenig befriedigend war, dafür machte man in allererster Linie die Leitung verantwortlich. Die Leitung sei eben keine Leitung; sie hätte zu wenig geleitet, zu wenig geschaffen. Wenn wir die erhobenen Vorwürfe von einer höhern Warte betrachten und sie kurz zusammenfassen, so finden wir, daß sie in der Hauptsache von zweierlei Art waren. Man beschuldigte die Leitung erstens, sie hätte zu wenig praktische Arbeit in Palästina geleistet. Und man hielt ihr ferner entgegen, sie hätte zu wenig Verständnis gezeigt für die kulturellen Aufgaben der jungjüdischen nationalen Bewegung. Zu diesen beiden Vorwürfen wollen wir unsern Standpunkt darlegen. Ganz zweifellos hat die Leitung, , oder sagen wir besser, haben wir Zionisten zu wenig praktische Arbeit in Palästina geleistet. Ganz zweifellos hätte hundertmal mehr geschehen können und sollen, als geschehen ist. Ganz zweifellos wäre die Judenfrage ihrer Lösung schon jetzt um ein gutes Stück näher gerückt, wenn wir mit viel größern Machtmitteln, mit einer viel größern Anhängerschar und unterMitwirkung der andern jüdischen Organisationen an die Palästinaarbeit herangetreten wären. Aber nicht das ist die Frage, es handelt sich nicht darum, was gemacht hätte werden können, wenn die Verhältnisse so gelegen hätten, wie sie nun einmal nicht lagen. Es handelt sich darum, ob tinter den

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