Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 1 (7.1.1910)
- Date
- 1910-01-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1 die3|kelt 13 DI n y PALÄSTINA □1 DI n Die Schmittahfrage in den obergaliläischen Kolonien Saffed, 20. Dezember. Der hiesige Rabbiner hat sich in der in diesem Jahre aktuellen Schniittahfrage in strikten Gegensatz zu Oberrabbiner Kuk in J.affa und zu den meisten rabbinischen Autoritäten überhaupt gestellt Da nämlich die landwirtschaftliche Kolonisation der Juden in Palästina bald 30 Jahre alt ist, so mußte schon dreimal, noch vor dem jetzigen Schmittahjahr, diese Frage behandelt werden. Immer jedoch lautete die fast einstimmige Meinung der rabbinischen Autoritäten (wie Rabbiner Jizchak Elchanan Spektor in Kowno, Rabbiner Samuel Mohilewer in Bialystok), da(3 es den Kolonisten unter gewissen Voraussetzungen erlaubt ist, ihre Felder zu bestellen. Auch in diesem Jahre hat Herr Rabbiner Kuk in Jaffa, der auch in religiösen Angelegenheiten für alle judäischen Kolonien zuständig ist, diesen Standpunkt festgehalten und den Kolonisten, nach Erledigung gewisser Vorschriften, gestattet, die notwendigen Feldarbeiten vorzunehmen. Der Saffeder Rabbiner hingegen verpönt jede Art Arbeit, insbesondere von Getreidebau, im Schmittahjahr. Er hat auch eine. Geldsammlung eingeleitet und die Kolonisten, die auf seine Anordnung hören wollen, auf das Ergebnis dieser Sammlung vertröstet. Es versteht sich, daß die strikte Durchführung dieser Anordnung den völligen Ruin der jüdischen Kolonisten herbeiführen würde. Nicht bloß, daß sie in den meisten Fällen buchstäblich Hunger leiden würden, sie wären auch gezwungen, ihr gesamtes Vieh aus Mangel an lohnender Beschäftigung und genügendem Futter mit einemmal zu verkaufen, was wieder nur mit kolossalen Verlusten für sie verbunden wäre. In der Tat hat auch die Agitation des hiesigen Rabbiners im Häuptgebiete der jüdischen Kolonisation in Judäa (von vereinzelten Kolonisten abgesehen) fast gar keinen Anklang gefunden. Auch die Kolonien um Tiberias, wie auch die nächste Kolonie von Saffed, Rosch-Pinah, schlössen sich den judäischen Kolonisten an. Nur in Jessod-Hamalah und in Mischmar-Hajarden sind mehrere Kolonisten geneigt, gemäß den Anordnungen des Saffeder Rabbiners zu verfahren. Wie wir hören, hat sich die Administration der Ica energisch für die Befolgung der Anweisungen des Rabbiners Kuk ausgesprochen und den Zuwiderhandelnden mit strengen Maßnahmen gedroht. Militärdienst . Jerusalem» 23. Dezember. Die neue Anordnung, daß auch die mchtmuselmännischen türkischen 'Untertanen von nun an zum Militärdienst herangezogen werden, hat der hiesigen jüdischen Bevölkerung schwere Sorgen verursacht. Abgesehen von den religiösen Bedenken in bezug auf rituelle Küche und Beobachtung des Sabbats und der Feiertage, -— Bedenken, die bei der jerusalemitischen Judenheit schwerer als anderswo wiegen, — wirkt noch besonders der Umstand lähmend, daß ein großer Teil von den für den Militärdienst als tauglich Befundenen bereits Familienväter sind und als Handwerker oder Krämer allein für den Unterhalt ihrer Familien zu sorgen haben. Ihre Einberufung macht daher ihre Familien brotlos. Um einigermaßen dem zu erwartenden Elend abzuhelfen, wurde hier heute ein Verein „Esrath Nschej Chail" gegründet, der zur Aufgabe hat, den Familien, die durch die Einberufung der Männer in Elend geraten, materielle Unterstützung zu verschaffen. Theateraufführung Jerusalem, 23. Dezember. Die Schüler des Tachkemoni (Misrachischule) in Jaffa haben hier in der Lämmelschule das hebräische Drama „Chaschmonaim" aufgeführt. Herr Dr. Grünhut hielt eine kurze Ansprache. Wasserleitung in Jerusalem Jerusalem, 23. Dezember. Das seit langem erörterte Projekt, die Stadt Jerusalem, die bis nun ihr Trinkwasser aus Zisternen bezieht, mit Quellwasser zu versorgen, scheint jetzt in ein entscheidendes Stadium "getreten zu sein. Die Stadt Jerusalem hat von der Zentralregierung die Erlaubnis erhalten, eine neue Steuer auf das in ihrem Schlachthause geschlachtete Vieh einzuführen. Diese Steuer, deren Ertrag auf 120 000 Francs geschätzt wird, soll dazu dienen, die Verzinsung des Anlagekapitals für eine Wasserleitung zu garantieren. Für die Wasserversorgung kommen zwei Quellen in Frage: entweder die südlich von Jerusalem, in der Richtung nach Chebron gelegene Quelle Ein Arub oder eine im Westen von Jerusalem gelegene Quelle, Ein Fara. Bei Ein Arub, das etwa ebenso hoch wie Jerusalem liegt, würde das Wasser nur um ein geringes, bei Ein Fara dagegen um etwa 600 Meter gehoben werden müssen. Zu gunsten von Ein Fara wird geltend gemacht, daß das Wasser dieser Quelle von besonders guter Qualität sein soll. Um die Konzession für die Wasserleitung bewerben sich eine deutsche Firma und die Banque Coinmerciale de Palestine, eine ottomanische Aktiengesellschaft Beide Gesellschaften haben Sachverständige aus Europa nach Jerusalem gesandt, um die in Betracht kommenden Verhältnisse an Ort und Stelle zu studieren. Sobald die technischen Fragen geklärt sind und ein Kostenanschlag aufgestellt ist, werden die Verhandlungen wahrscheinlich zu einem Abschluß kommen. . Für die Juden, welche bekanntlich die Mehrheit in der Bevölkerung von Jerusalem bilden, ist die Beschaffung guten Trinkwassers natürlich eine äußerst wichtige Angelegenheit. Jerusalem könnte an sich, vermöge seiner hohen Lage und seines gemäßigten Klimas, eine außerordentlich gesunde Stadt sein. Aber durch das schlechte Trinkwasser, das die Bewohner aus schlecht gehaltenen Zisternen bekommen, ist es heute eine derjenigen palästinensischen Städte, in denen die Malaria überaus häufig ist und in den heißen Sommermonaten geradezu epidemisch auftritt. Durch die Beschaffung guten Quellwassers wird sich der Gesundheitszustand, wie man allgemein annimmt, erheblich bessern. Arbeiterklubs Jaffa, 24. Dezember. Eine erfreuliche Erscheinung im Leben der hiesigen jüdischen Arbeiter ist die Entstehung von Arbeiterklubs, die keinen politischen Charakter tragen und darum Arbeiter der verschiedensten Schattierungen in sich vereinigen. Die einzige Aufgabe dieser Klubs ist, den Arbeitern ein Heim einzurichten, in dem sie sich in den Abendstunden einigermaßen behiglich fühlen und der Lektüre pflegen können. Bis nun sind solche- Klubs bereits in Jaffa und Petach-Tikwah begründet worden, in Jerusalem wird demnächst ein Klub begründet werden. Der Belletrist I. Ch. Brenner hat bei der Eröffnung der Klubs in Petach-Tikwah und Jaffa Vorträge gehalten. Im letztern hält auch Dr. Kohan-Bernstein hygienische Vorlesungen. Der Jaffaer Klub verfügt bereits über eine ansehnliche Bibliothek und eine größere Anzahl von Zeitungen. Seine Miete für das laufende Jahr wurde von dem Ertrage eines „Abends" bestritten, der am 18. Dezember veranstaltet wurde und eine hebräische Aufführung, Deklamationen und Tanz zum Programm hatte. Viehbestand und Viehversicherung in den Kolonien Jaffa, 23. Dezember. Auf der letzten Generalversammlung der palästinensischen Darlehnskassen, die vorigen Monat stattgefunden hat, wurde eine Kommission gewählt, die aus den Herren Dr. Thon und Muntschik in Jaffa, Kolonisten Leibowitz (Cederah) und Kolonisten Rabb (Petach-Tikwa) besteht und die" zur Aufgabe hat, die in der Generalversammlung vorgebrachten Anträge zu realisieren, den Wirkungskreis der Kassen zu erweitern und neue Genossenschaften im Interesse der Kolonien zu begründen. Als eine der brennendsten Aufgaben wird allgemein die Einführung einer Viehversichefung in den Kolonien betrachtet. Zu diesem Zwecke hat sich die Kommission mit der „Organisation der jüdischen Kolonien" in Verbindung gesetzt, um zunächst Angaben über den Viehbestand und über die Viehsterblichkeit in den Kolonien zu sammeln. Einiges Material liegt bereits vor. Danach gibt es: in PetachTikwah in Rechowoth in Gederah Pferde 116 74 23 Kühe — 102 36 Ochsen 610 114 21 Kälber — — 45 Esel 76 13 8 Ziegen 35 — Gefallen sind in den letzten 3 Jahren 2 Jahren 2 Jahren in PetachTikwah in Rechowoth in Gederah Pferde 33 21 — Kühe — 14 Ochsen 197 — 1 Kälber — — — Esel 2 1 — Ziegen 6 —