Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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In größern und kleinern Organisationen und Verbänden erstreckt sieh die zionistische Organisation über die ganze Welt. Von den Ländern, in denen in der Berichtsperiode der Zionismus neuen Fuß gefaßt hat, ist besonders erwähnenswert die Türkei. Anhänger hatte die zionistische Bewegung in der Türkei schon seit ihrem Beginn. Indessen machten die damaligen gesetzlichen Beschränkungen eine offene Betätigung unmöglich. Sofort nach der Einführung der Verfassung wandten sich diese alten Anhänger des Zionismus an uns und ersuchten uns um Rat und Förderung. Es entwickelte sich bald ein enger und lebhafter Verkehr. Besonders Saloniki bildete sich alsbald zu einem Zentrum zionistischer Arbeit in der Türkei aus. Ein reges zionistisches Leben setzte ein, die jüdische Presse überbot sich förmlich in Artikeln und Abhandlangen über den Zionismus. Die Vorträge über zionistische Fragen wurden bald zu einer ständigen Einrichtung der jüdischen Vereine. Die neue zionistische Arbeit beschränkte sich nicht auf eine Stadt. In Konstantinopel fanden zionistische Vorträge statt Hier waren es besonders die Sammlungen, .die lebhaftes Interesse fanden. In Smyrna, in Kavalla, in Monastir, in Istrumsa, in Silibria usw. sind Anfänge zionistischer Tätigkeit zu verzeichnen. Sogar nach den Nachbarländern, nach Griechenland, erstreckt sich diese neue zionistische Agitation und hat in Larissa bereits die Gründung einer zionistischen Gruppe zuwege gebracht. Besondere Bedeutung für die Ausbreitung des Zionismus in der Türkei hatte die seit langem bestehende und gut funktionierende zionistische Organisation in Bulgarien. Die nahe Nachbarschaft, die mannigfachen Beziehungen, die die Sephardim der beiden Länder verknüpfen, machten eine engere Verbindung auch auf zionistischem Gebiete natürlich. Von Bulgarien aus wurde der Propaganda in der Türkei schätzbare Unterstützung zuteil. Hier verdient besonders die Turnfahrt erwähnt zu werden, die der wackere zionistische Turnverband „Makkabi" von Bulgarien aus nach Adrianopel, Saloniki und Konstantinopel unternommen hat. In Bulgarien erscheinen mehrere zionistische Zeitschriften, die Organisation ist sehr tätig, und die Sammlungen erreichen eine beträchtliche Höhe. Die so lebha't einsetzende zionistische Betätigung unter den sephardischen Juden hat auch die Organisation in Serbien-gestärkt, wenn auch die schwierigen politischen Verhältnisse eine größere Propaganda nicht aufkommen ließen. In Belgrad. Schabatz und Nisch bestehen eifrig arbeitende zionistische Vereine. In Italien existieren zionistische Gruppen in einer Reihe von Städten. Der;;Schweizerische Zionistische Landes- Verbandu entfaltet eine ersprießliche Arbeit für unsere Sache in der Schweiz. Die Schweiz war immer ein verhältnismäßig starkes Zentrum des zionistischen Gedankens. Das Land* der zionistischen Kongresse bildete von Anfang an ein nicht zu übersehendes Glied im Verbände der zionistischen Organisation. Die Leitung der schweizerischen Organisation erwägt augenblicklich eine Reformierung der organisatorischen Einrichtungen, von der sie sich schätzbare Erfolge für die Zukunft verspricht. In Frankreich ist der Zionismus leider nie sehr stark gewesen. Die krasse Assimilation der französischen Juden hat bisher größere zionistische Erfolge in Frankreich nicht zugelassen. Die wenigen zionistischen Vereine setzen sich daher meistens aus eingewanderten Juden zusammen. Diese Vereine üben eine verhältnismäßig starke Tätigkeit aus und haben in Paris insbesondere in kultureller Hinsicht schätzbare Erfolge erzielt. Neuerdings entfalten die Misrachisten eine besonders lebhatte Arbeit. Ihren Bemühungen ist es zum Teil zu verdanken, daß sich die Zahl der Schekel in Frankreich in diesem Jahre gegen das Vorjahr mehr als verdoppelt hat. In Skandinavien bestehen mehrere zionistische Vereine. Auch dort ist der Misrachi neuerdings sehr tätig. Außerhalb Europas ist natürlich in erster Linie Palästina zu nennen. In den Städten wie in den Kolonien besteht eine größere Anzahl zionistischer Gruppen aller Richtungen. Auch hier hat die Misrachiorganisation in der letzten Zeit sehr lebhaft eingesetzt und nicht unbedeutende Erfolge erzielt. Einer eigentlichen zionistischen Organisation bedarf es ja gerade in Palästina nicht mehr; eine solche wäre auch bei der eigentümlichen Struktur der jüdischen Verhältnisse des Landes nicht gut möglich. Der Zionismus in Ägypten ist ebenfalls bereits seit langem organisiert. Er hat sich in der letzten Zeit nicht so günstig entwickelt; die Organisation leidet insbesondere unter den Schwierigkeiten der Sprache, — die Propaganda muß in Hebräisch, Jüdisch, Französisch und Arabisch getrieben werden, — indessen sind bemerkenswerte Anzeichen dafür vorhanden, daß auch hier bald eine Wendung zum Bessern eintreten wird. In Afrika verdient noch die Gruppe in Deutsch- Südwest-Afrika Erwähnung, die fast alle dort wohnenden Juden umfaßt und sich der südafrikanischen Federation angeschlossen hat. Auch in Marokko, in Fez, hat sich neuerdings ein zionistischer Verein gebildet. Eine sehr tätige zionistische Organisation besitzt Argentinien. Hier wurde die Organisation in der Berichtszeit auf eine ganz neue Grundlage gestellt. Infolgedessen ist die Mitgliederzahl sehr gestiegen. Es bestehen im ganzen sechs zionistische Vereine in Argentinien. Die Sammlungen ergeben beträchtliche Summen. Insgesamt wurden für zionistische Zwecke in den letzten beiden Jahren in Argentinien fast Jt> 10 000. — gesammelt. In Australien, bestehen zionistische Vereine in Sydney, Melbourne, wo besonders der Damenverein sehr rege ist, Auckland, Wellington usw. Diese Vereine stehen in engen Beziehungen zur English Zionist Federation. In China vertritt den Zionismus der gleichfalls der English Zionist Federation angeschlossene, sehr rührige Verein in Shanghai. Der Verein gibt eine eigene Monatsschrift „Israels Messenger* heraus, das einzige jüdische Organ Asiens. Einzelne Anhänger, verstreute Gruppen gibt es natürlich in allen Teilen der Erde. Es existiert kein Land, in dem überhaupt Juden wohnen, wo nicht auch der Zionismus seine Freunde und Anhänger hat. XXXI