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Die Welt · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 50)
Language
German
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8 Zionistische Landesorganisation für die südslawischen Gebiete der Österreich-ungarischen Monarchie Diese Organisation besteht als eigene Landesorganisation erst seit der zweiten Hälfte dieses Jahres. Sie wurde auf einer Versammlung der Schekelzahler Kroatiens, Slawoniens, Fiumes, der Herzegowina, Bosniens und Dalmatiens beschlossen, die auf den 22. August d. Js. von dem Verein „Theodor Herzl" in Osijek im Einverständnis mit den Vereinen in Serajevo, Brod und Vinkovce nach Brod a. S. einberufen war. Die neue Organisation wurde von der Sitzung des Großen Actions- Comites als eigne Landesorganisation anerkannt. Seit dem Jahre 1907 hat die zionistische Bewegung in den südslawischen Ländern merklich an Ausbreitung zugenommen. Die Zahl der Schekelzahler ist verhältnismäßig stark gestiegen, und auch die Spenden sind beträchtlich. Die neue Landesorganisation hat eine eigene Sammelstelle für den Jüdischen Nationalfonds eingerichtet, die sich bereits gut bewährt hat. Seit dem VIII. Kongreß sind insgesamt für den Nationalfonds und die Ölbaumspende über 7000 Kr. gesammelt worden. Im laufenden Jahre dürften die Eingänge allein 4000 bis 5000 Kr. erreichen, ein im Hinblick auf die Bevölkerungsziffer des Gebietes, in dem nur rund 35 000 Juden wohnen, gewiß bemerkenswert hoher Betrag. Die bedeutendste Schöpfung der südslawischen Zionisten ist die von Alexander Licht in Zagreb gegründete Monatsschrift;;Zidovska Smotra" (Jüdische Rundschau), die seit dem 1. Januar 1909 in Osijek als Halbmonatsschrift erscheint. Sie ist das offizielle Organ der zionistischen Landesorganisation und das einzige jüdische Blatt im ganzen Bezirk. Die Zeitung erfreut sich großer Beliebtheit und hat eine verhältnismäßig hohe Abonnentenzahl. 9 Rumänien Auch in Rumänien hat der Zionismus im abgelaufenen Jahre einen erfreulichen Aufschwung zu verzeichnen. Die Zahl der Vereine erhöhte sich von 42 auf 51, die Zahl der Schekelzahler stieg von 4500 auf 5700. Die zionistischen Sammlungen ergaben seit dem VIII. Kongreß für: Schekel............................. Lei 12 900.- Jüdischer Nationalfonds und Ölbaumspende )} 43 000.— Bankaktien.......................... „ 3 450.— Parteifonds.......................... „ 7 500.— Verschiedene Palästina Institutionen..... }) 5 500.— Verschiedene sonstige Zwecke......... „ 1 800.— Lei 74150.— gegen Lei 45000 in den beiden vorhergehenden Jahren. Dazu kommt in diesem Jahre noch der Betrag von ca. 30000 Francs, der für den Nationalfonds aus Rumänien über Paris eingegangen ist. In Rumänien erscheinen augenblicklich 5 jüdische Zeitungen, die unserer Bewegung freundlich gegenüberstehen, und zwar die beiden Wochenschriften „Egalitatea" und „Curierul Israelit", sowie die 3 Monatschriften;;ZionulÄ, die „Jüdische Zukunft" und „Hamelitz". Die „Jüdische Zukunft" erscheint in jüdischer, der „Hamelitz" in hebräischer Sprache, die Sprache d^r andern Blätter ist rumänisch. Im übrigen befaßt sich auch die ganze übrige jüdische Presse fortdauernd mit unserer Bewegung, und auch die nichtjüdische Presse steht uns im allgemeinen nicht feindlich gegenüber. 10 England Die English Zionist Federation umfaßt 41 Vereine in 25 Städten mit einer Gesamtziffer von über 3000 organisierten Mitgliedern. Zwei dieser Vereine befinden sich in den Kolonien, nämlich der Verein in Melbourne und der Verein in Shanghai. Außerdem bestehen drei der Federation angeschlossene zionistische Studentenvereine an den Universitäten in London, Cambridge und Bristol. Neben der Federation entfaltet noch der Order of Ancient Maccabaeans eine bemerkenswerte zionistische Tätigkeit. Der Orden umfaßt über 3000 Mitglieder, die sämtlich Schekelzahler sind. In den verflossenen beiden Jahren sind insgesamt 6 neue zionistische Vereine entstanden, und die Zahl der Schekelzahler hat gegen das Vorjahr um 3200 zugenommen, sie beträgt jetzt rund 8500. Die Vereine sind ausnahmslos lebhaft tätig, veranstalten regelmäßig Versammlungen und Vorlesungen über Fragen aus der jüdischen Geschichte, Literatur und allgemeinjüdischen Inhalts. Die Vereine in den größern Städten haben Kurse für den Unterricht in der hebräischen Sprache eingerichtet und organisieren hebräische Vorlesungen mit anschließender Debatte, die ausschließlich in hebräischer Sprache geführt wird. Über den überaus bemerkenswerten Aufschwung, den die Pflege der hebräischen Sprache unter der Anleitung der Federation genommen hat, unterrichtet genauer der erste Teil dieses Berichts. Außer der propagandistischen und Kulturarbeit leisten die Vereine Beträchtliches in Sammlungen für die verschiedenen zionistischen und jüdischen Institutionen, insbesondere für den Nationalfonds. In den beiden letzten Jahren betrugen die Eingänge in England für: Schekel........................ rund Jf 13 800.— Parteifonds..................... „ „ 5 500.— Jüdischer Nationalfonds und Ölbaumspende ................... „ „ 25 500.— Mikrobiologisches Institut.......... v „ 1 000.— Bezalel und verschiedene palästinensische Zwecke........... „ „ 700.— insgesamt rund J6 46 500.— Im letzten Jahre hat der Betrag der Schekelsammlung und der Nationalfondssammlung gegen das Vorjahr eine bedeutende Erhöhung erfahren. Die Poale-Zion haben nur in Manchester und Liverpool einige wenige Anhänger, der Misrachi hat in den letzten drei Jahren in England kein Lebenszeichen von sich gegeben. Im allgemeinen sind die Aussichten des Zionismus in England erfreulich, und der Fortschritt der Bewegung ist unverkennbar. Die Zahl der Gegner schwindet, wenn auch im abgelaufenen Jahre ein antizionistisches Manifest von einer gewissen Bedeutung erschien. Das Manifest war verursacht durch das Wachstum der zionistischen Bewegung an den Universitäten und von 24 jüdischen Akademikern unterzeichnet. Die Kundgebung erreichte indes nicht den beabsichtigten Widerhall in der Öffentlichkeit und verstärkte höchstens die Begeisterung derjenigen, die sie bekehren wollte. XXVIII

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