Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 5 (30.12.1909)
- Date
- 1909-12-30
- Page
- Seite 1229 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Das ist Geist von unserm Geiste* das ist Blut von unserm Blute das ist jüdisch! Wie eine Erlösung empfinden wir dieses Bewußtsein, diese Worte, die sich endlich aus jenem vagen Gefühl herausgeschält haben, und aufatmend gehen wir weiter zwischen diesen Dingen herum, die uns nun, da wir das Geheimnis kennen, so unendlich nahe gerückt scheinen, die wir nicht mehr als Produkte fremder Kulturen empfinden können. Und zum erstenmal seit langer, langer Zeit fühlen wir uns wieder einmal so von Grund auf heimatsfroh und bodenständig. Wir sind nicht mehr einsam und verlassen unter all den fremden Kulturvölkern, wir fühlen uns nicht mehr fremd und verlassen, — wir haben den Anschluß gefunden, den wir so lange, so lange vergeblich suchten: den Anschluß an das Judentum .. Doch genug davon! Eine andere Frage drängt sich uns auf. Unser jüdisch-kritischer, „zersetzender" Intellekt gibt sich nicht mit Argumenten zufrieden, die auf bloßen Empfindungen basieren. Er will Klarheit vor allem und unumstößliche Gewißheit und heischt eine Antwort auf die Frage: Was ist an dieser Kunst jüdisch? (Wahrhaftig, ich glaube dem Zweck dieser Zeilen besser^ entsprechen zu können, wenn ich weniger von der jüdischen Kunst als von der jüdischen Kunst rede.) Was ist an dieser Kunst jüdisch? Die Filigranarbeiten? Wir haben auch früher Filigranarbeiten gehabt. Es gab solche Dinge in derselben Ausführung, ehe es einen Bezalel, ehe es eine moderne jüdische Kunst gab. Neu ist hier nur der einzelne Gegenstand, nicht die Art; nur das „was", nicht das „wie". Und wenn auch diese silbernen Thorarollen usw., wenn sogar Broschen, Zigarettentaschen usw. mitunter eine Verwendung jüdisch-religiöser Symbole und Motive aufweisen, — rein jüdisch sind diese Kunstwerke nicht. Leichter wäre es schon, aus den Bildern, Gemälden und Zeichnungen das herauszugreifen, was als eine Äußerung der jüdischen Volksseele gelten kann. Aber auch hier darf man nicht vergessen, manches auf das Konto des Fremdländischen, des Neuaitigen, des Exotischen, des Lokalkolorits zu setzen, was vielen von uns Westeuropäern bei flüchtiger Betrachtung als nicht deutsch, nicht französisch usw. und darum etwa als jüdisch erscheinen könnte. Immerhin, — es gibt Dinge darunter, die weder orientalisch noch okzidentalisch, noch eine lose Mischung beider Kulturen bedeuten, sondern die tatsächlich eine jüdische Kunst dokumentieren. Ich möchte, um wenigstens etwas aus der großen Menge herauszugreifen, auf die neue Art von Zierbuchstaben aufmerksam machen, die, insbesondere J. Stark, dann aber auch, wenn auch in etwas gemilderter Form, Ben David in ihrem hebräischen Alphabet geschaffen haben. Und nicht nurjn Zierbuchstaben, auch in fast allen andern Zeichnungen, Ex libris, Teppichentwürfen usw., sind diese beiden — und so viele andere! — jüdisch, jüdisch, echt jüdisch. Da ich just von Buchschmuck und Ex libris-Zeichnungen rede, möchte ich des Schülervereins „Nizonim" vom Bezalel . gedenken, der hierin ganz Außerordentliches leistet. Ich kann hier unmöglich auf alles eingehen. Im Trubel des Kongresses und all der einzelnen Sonderausstellungen bleibt nur weniges haften. Darum will ich nur noch von dem sprechen, was mir das wesentlichste in der reichhaltigen Kollektion der Bezalel- Erzeugnisse schien; von dem, was die Bezeichnung „jüdische Kunst" rückhaltlos und vor allem andern verdient. Ich meine die Kunst der Teppichweberei. Aus der Werkstätte des Bezalel ist vor kurzer Zeit der tausendste Teppich hervorgegangen. Es ist ein nicht allzu großes, nicht allzu bemerkenswertes Ding, das in der Ausstellung unter den andern Sachen fast verlorengeht. Angesichts der kurzen bisherigen Schaffenstätigkeit und Schaffensmöglichkeit des Instituts, angesichts der schwierigen Verhältnisse mit denen es zu kämpfen hatte, und der geringen Hilfsmittel, die ihm zur Verfügung standen, bedeuten 1000 Teppiche eine recht beträchtliche Leistung. Aber absolut genommen, bedeuten 1000 Teppiche, als Beginn einer neuen Kultur, außerordentlich wenig. Es ist aber seltsam und scheint mir fast ein Wunder, in welch ungeheurem Maße dieser erst so kurze Zeit als „jüdische Kunst" bestehende Zweig über all das verfügt, was man von einer „jüdischen" Kunst erwartet und verlangt. Tradition (Religion, Geschichte) und Land sind die beiden Momente, die, als künstlerisches Motiv verwendet, in ihrer Gemeinsamkeit einer Kultur, einer Kunst ein nationales Gepräge geben. In keiner andern der im Bezalel gepflegten Kulturkomponenten ist die umfassende Einheit dieser beiden Momente so scharf ausgeprägt, und. in keinem andern Betrieb fehlen in so starkem Maße alle fremden Ingredienzen, aller Einschlag restlich fremdländischer Kultur wie in den Bezalelteppichen. In all den andern Sachen ist viel, sehr viel Jüdisches. Aber in einem Bezalelteppich ist wenig, verschwindend wenig Nichtjüdisches, — das ist der Unterschied. Die im Bezalel hergestellten Teppiche scheinen mir am weitesten fortgeschritten auf dem Weg, den der Bezalel geht, den wir alle gehen und gehen müssen: auf dem Weg fort von fremder Pseudokultur! Heinrich Margulies. Zur vornehmsten deutschen Geschenkliteratur, die nicht nur der Laune oder gegeben werden. Sie verdanken ihre Beliebtheit und ihre allgemeine Wertschätzung ebenso der schönen Ausstattung und dem billigen Preis wie der sorgfältigen, ja mustergültigen kritischen Bearbeitung. Den Text, der im Laufe der Zeit so leicht Entstellungen erfährt, bieten sie genau in der vom Autor gewollten Form und bringen von trefflichen Kennern geschriebene Lebensabrisse der Dichter, in denen zugleich deren literargeschichtliche Bedeutung gewürdigt wird. Sachkundige Einleitungen zu den einzelnen Werken und durch Erläuterungen unter dem Text führen in die Geisteswelt der Dichter ein und erleichtern jedermann das Verständnis ihrer Werke. Wissenschaftlichen Zwecken dienen die am Schluß der Bände angefügten Anmerkungen, Literaturnachweise und Verzeichnisse sämtlicher Lesarten, So findet man in „Meyers Klassiker-Ausgaben" aufs sorgfältigste alles das vereinigt, was der Leser heute zum Verständnis unserer klassischen Literatur bedarf. Mit ' dem gediegenen Inhalt harmoniert die vornehme Ausstattung der Bände: das schöne, holzfreie Papier, der klare Druck, der gefällige Einband. Den Werken jedes Autors ist sein Bildnis in Kupferstich, Radierung oder Heliogravüre sowie ein Faksimile beigegeben. Trotz dieser Vorzüge kosten die geschmackvollen grünen Leinenbände durchschnittlich nur 2 Mark. Erschienen sind bisher: Arnim, 1 Band; Brentano, 1 Band; Bürger, 1 Band; Chamisso, 3 Bände; Eichendorff, 2 Bände; Geliert, 1 Band; Goethe, Kleine Ausgabe 15 Bände, Große Ausgabe 30 Bände; Grillparzer, 5 Bände; Hauff, 4 Bände; Hebbel, 4 Bände; Heine, 7 Bände (16 Mark); Herder, 5 Bände; Hoffmann, 4 Bände; Immermann, 5 Bände; Jean Paul, 4 Bände; H. v. Kleist, Kleine Ausgabe 3 Bände, Große Ausgabe 5 Bände; Körner, 2 Bände; Lenau, 2 Bünde; Lessing, 5 Bände (12 Mark); Ludwig, 3 Bände; Mörike, 3 Bünde; Nibelungenlied, 1 Band; Novalis und Fouque, 1 Band; Platen, 2 Bände; Reuter, Kleine Ausgabe 5 Bände, Große Ausgabe 7 Bände; Rückert, 2 Bände; Schiller, Kleine Ausgabe 8 Bände, Große Ausgabe 14 Bände; Tieck, 3 Bände; Unland, 2 Bände; Wieland, 4 Bände. Bei Anschaffung von Klassikern, die ia in jedes Haus gehören, sollten „Meyers Klassiker-Ausgaben" in erster Linie berücksichtigt werden, Die Leguminosenfrüchte — nach Prof. Dr. Voit (Bericht der Kgl. Bayer. Akademie der Wissenschaften 18(50. II. Bd., VI) schwer verdaulich, weil Öeren Eiweißstoffe von Stärkemehlzellen umhüllt sind — werden in Liebes löslicher Leguminose im Gegensatz zu gewöhnlicher Leguminose aufgeschlossen dargeboten, indem deren Eiweiß (ca. 2-A"/o) künstlich verdaut, deren Stärke zum Teil in lösliches Dextrin umgewandelt, somit Trennung beider Stoffe durchgeführt ist. (Siehe untenstehende mikroskopische. Vergleichsansicht.) Die Suppe aus Liebes aufgeschlossenem PUanzeneiweißmehl empfiehlt sich somit durch Leichtverdaulichkeit und hohen Nährwert als Ersatz des Fleisches, namentlich bei Nahrungsverweigerung psychisch Erkrankter. Sie ist durch einfaches Aufwallen (oder besser durch zehnminutenlanges Kochen) genießbar und wird bei ihrem Wohlgeschmack dem Patienten nicht zuwider. Die Firma J. Paul Liebe, G.m.b.H., in Dresden stellt auch einen «Leguminosenkakao» her, der als hocharomatisches Frühstücksgetränk warm empfohlen wird. Hauptb unterschiede « zwischen obigem £ Präparat und £ solchen des Handels. *~ A. Liebe's lösliche Leguminose, B. Gewöhnliche Leguminose, a. Bälge von Stärkekörnern, b. isolierter Kleber, c. unaufgeschlossene Stärkekörner, d. Zellulose ( unverdaulicher Holzkörper). LECIN Appetitanregendes Kräftigungsmittel für blutarme Rekonvaleszenten, Wöchnerinnen, Schulkinder. I «/,!Mi«UlAUn« für nervöse Blutarme Lecintabletten (.«<* ■ in Apoth. od. franko ab Fabrik g. Einsendg, v. M 1.20: 1 Probeflasche Lecin, für 7 Tage ausreichend, „ „ „ „ 2.20: 80 Lecintabletten f. 30-40 Tage ausreichend. Lecinwerk Hannover (Dr. E. Laves). Verlag: „Die Welt, Verlagsges. m. b. H.", Köln. — Verantwortlicher Redakteur: Julius Berger, Köln. Für die Rubrik „Jüdischer Nationalfonds" verantwortlich: Dr. Moritz Zobel, Köln. Druck von M. DuMont Schauberg, Köln.