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Die Welt · 1909-12-28 · 3 (28.12.1909) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
3 (28.12.1909)
Date
1909-12-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIII. JAHRG. KÖLN, 28. Dezember 1909 pIlIT^ NB'Wn rOD i"d No. 3. DER IX. ZIONISTENKONGRESS (Telephonisclior Spezialbericlit) Erster Verhandlungstag Nachmittagssitzung Präsident Dr. Nordau eröffnet die Sitzung. Er gedenkt in wunderschönen, rührenden Worten der Verluste, die die Bewegung durch den Tod erlitten hat. In formvollendeter Weise erinnert er zunächst an den Tod des Großherzogs Friedrich von Baden, des warmen Freundes der Juden und Zionisten. Er erwähnt das Hinscheiden der Frau Julia Herzl, der treuen Gefährtin des großen Führers, der Erbin eines großen Namens in der zionistischen Bewegung. Und dann folgt die lange, viel zu lange Liste der Entschlafenen, Oskar Marmorek, Dr. Leopold Kahn, Dr. Leo Kohan, Aron,Vecht und alle die vielen, die uns der Tod entrissen hat. Stehend hat der Kongreß der eindrucksvollen Ansprache gelauscht, die in ihrer Würde und Tiefe ein Meisterstück einer Stegreifrede darstellt. Das Wort erhielt dann Herr A. Eisenstadt aus Jerusalem zu einer hebräischen Begrüßungsrede, in der er als Palästinenser die Grüße Palästinas an den Kongreß überbrachte. Sodann sprach, mit stürmischem Beifall begrüßt, der Generalsekretär N. Sokolow einige einleitende Worte zum Bericht des Aktionskomitees, der gedruckt vorliegt und den wir in der ersten Kongreßnummer veröffentlicht haben. Er begann hebräisch und setzte sodann seine Rede in deutscher Sprache fort. N. Sokolow: Es war bei uns immer üblich, den Kongreßbericht zu verlesen. Diesmal wichen wir von diesem Brauch ab. Der Bericht wurde gedruckt und befindet sich in den Händen jedes Delegierten. Deshalb ist es meine Aufgabe, nur kurz über die Zusammenstellung dieses Berichts zu referieren. Früher, als der Bericht vor dem Kongreß verlesen wurde, mußten wir ihn, aus Rücksicht auf die beschränkte Zeit des Kongresses, in aller Kürze fassen. Wir haben es diesmal vermieden, den Kongreß mit der Anhörung der Dinge, die man im Druck lesen kann, aufzuhalten. Wir haben deshalb den Bericht gedruckt; er konnte deshalb auch viel ausführlicher gemacht werden. Für die Ausführlichkeit lag übrigens noch ein Grund vor: auf einigen der früheren Kongresse wurden bekanntlich auch seitens der Bevollmächtigten einzelner Landsmannschaften Spezialberichte verlesen, die verschiedene Details über die Organisation enthielten. Jetzt enthält der Ihnen vorliegende Bericht, wenn auch nicht sämtliche Details, so doch wenigstens die meisten und die allerwichtigsten. Wir hatten die Absicht, diesen Bericht eine geraume Zeit vor dem Kongreß zu veröffentlichen und an die Mitglieder des Großen Aktionskomitees zu versenden, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich gehörig im Bericht zu orientieren. Aber trotz der größten Bemühungen des Zentralbureaus erwies sich dies als unmöglich. Das für diesen Bericht erforderliche Material mußte uns von seiten der verschiedenen Landesorganisationen geliefert werden. Die Landesorganisationen haben uns aber das Material bis zu den letzten Wochen, zum Teil auch bis zu den letzten Tagen nicht abgeliefert, so daß das Zentralbureäu gezwungen war, mit der Fertigstellung bis zum Eintreffen des fehlenden Materials, d.h. bis zum letzten Tage zu warten. Es war trotz der größten Anstrengungen nicht möglich, redaktionell und typographisch die Veröffentlichung mehr zu beschleunigen, als wir es getan haben. Deshalb war es uns auch ^unmöglich, diesen Bericht in hebräischer Sprache zu veröffentlichen. Die Zeit reichte kaum aus, das Material in deutscher Sprache zusammenzustellen. Der Bericht zerfällt in drei ineinandergreifende und sich gegenseitig ergänzende Teile. Der erste Teil behandelt die Ausbreitung der zionistischen Idee, der nationalen Strömungen und der versch iedenen Bewegungen, die in irgend einem Zusammenhang mit dem Zionismus stehen, selbstverständlich mit spezieller Berücksichtigung der Berichtsperiode. Der zweite Teil enthält eine Berichterstattung über die Lage der zionistischen Organisation im allgemeinen und besondern, wie auch über deren Leistungen im Laufe dieser Periode. Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Frage der Finanzen und der verschiedenen Abrechnungen. Im Hinblick auf den eigenartigen Charakter der Probleme, mit denen sich der erste Teil beschäftigt, war es nicht möglich, diesem eine ganz offizielle und bureaukratische Form zu verleihen. Das hier in Betracht kommende Material besteht mehr in moralischen Werten, sozusagen in Imponderabilien, als in ziffernmäßig und faktisch darstellbaren Tatsachen. Das Thema hat es daher notwendig gemacht, diesem Teil des Berichts die Form einer Obersicht oder eines Referats zu verleihen. Dieser Teil beschreibt den Gang des zionistischen Geistes, der die nationale Bewegung trägt und von ihr getragen wird, seine Fortschritte sowohl wie seine Rückschritte, seine Errungenschaften und die Hindernisse und Widerstände verschiedener Natur, auf die er stößt. Die verschiedenen Beziehungen, die der Zionismus zu den anderen allgemeinen jüdischen Angelegenheiten direkt oder indirekt unterhält, machten es unmöglich, in dieser Übersicht den Zionismus von anderen Strömungen ganz abzugrenzen und denselben vollständig isoliert darzustellen. Der Zionismus hat eine Peripherie von Problemen und Gegenständen, die mit ihm mehr oder weniger zusammenhängen und die auch in diese Übersicht aufgenommen werden mußte. Der zweite Teil enthält den eigentlichen Bericht, der auf dem uns von den verschiedenen Landesorganisationen gelieferten Material aufgebaut worden ist. Selbstverständlich enthält der Bericht nicht sämtliche Einzelheiten, die zwar für jede Landesorganisation einen gewissen Wert haben mögen, aber doch wegen ihres Lokalcharakters den Rahmen eines allgemeinen Berichts überschreiten würden. Das uns gelieferte Material ist auch nicht ganz gleichmäßig. Die einen Berichte sind sehr ausführlich, die andern enthalten keine Antworten auf manche organisatorische oder statistische Fragen. Da die Landesorganisationen auf ihren Delegiertenversammlungen und in den ihnen zu Gebote stehenden Preßorganen die Gelegenheit und die Möglichkeit haben, ihre Einzelberichte zu veröffentlichen,

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