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Die Welt · 1909-12-27 · 53 (27.12.1909) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
53 (27.12.1909)
Date
1909-12-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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dieÄelt KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31^^' ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIII. JAMRO. KÖLN, 27. Dezember 1909 g-nrf? ND*nrVtf TOB 1*13 No. 53. DER IX. ZIONISTENKONGRESS (Telephonisclier Spezialberich t) Die Eröffnung des Kongresses Schon mehrere Wochen vor dem Kongreß wäre t alle noch so dringenden Anfragen nach Einlaßkarten zur Eröffnungssitzung des Kongresses abgewiesen worden, und eine Stunde vor Beginn der Sitzung war der •Kiesensaal mit seinen Galerien bis auf den letzten seiner 2000 Plätze besetzt. Die festliche Versammlung bot das überwältigende Bild, das sich uns von einer Tagung zur andern immer wieder als glänzende Symbolisierung des zionistischen Gedankens dargestellt hat. Anwesend waren etwa 400 Delegierte. Die Delegierten haben auch diesmal ihre Plätze nach Landsmannschaften geordnet eingenommen. Nicht weniger als 105 Vertreter der Presse sind erschienen, für die besondere Plätze reserviert wurden. Auch die große politische Presse hat sich entweder durch eigene Berichterstatter oder Bureaus über die Verhandlungen des Kongresses berichten lassen. Die brausenden Wogen der Unterhaltung, in denen sich die gespannten Erwartungen Luft machten, waren mit einem Male einer lautlosen Stille gewichen, als die drei Hammerschläge das Erscheinen des Aktionskomitees verkündeten, und als dieses nun mit dem Präsidenten David Wolffsohn und Dr. Max Nordau an der Spitze an der Pforte sichtbar wurde und im ■feierlichen Zug die Stufen zur Estrade, die, umgeben von Lorbeerbäumen, das Bild Herzls von der Meisterhand Pilichowskis trug, herabschritt, füllte ein unbeschreiblicher tosender und jubelnder Beifall den Saal und dauerte so lange, bis das Aktionskomitee seine Plätze eingenommen hatte. Der Beifall wiederholte sich, als der Präsident Wolffsohn, an dessen Seite Max Nordau, Jakobus Kann und Professor Warburg saßen, sich zur Begrüßung des Kongresses erhob. Eröffnungsrede des Präsidenten des A. C. Präsident David Wolffsohn (mit stürmischem, sich immer wieder erneuerndem Beifall begrüßt): Verehrter Kongreß! Wir sind nun zum IX. Kongreß versammelt, und ich heiße Sie alle herzlich willkommen. Mit einer zugleich scheuen und sehnsüchtigen Erwartung sahen viele diesem Kongresse entgegen, der ausnahmsweise im Winter und in einem für uns neuen Orte stattfindet. Es wurden auch lebhafte Befürchtungen laut. Die rauhe Jahreszeit, meinten die einen, sei für die weite Reise ungünstig. Der neue Ort, glaubten die andern, sei nicht geeignet, die nötige Anziehungskraft auszuüben. Wir teilten diese Befürchtungen nicht. Wir hielten mit stärkster Zuversicht daran fest, daß, wann und wohin immer unsere nahen und fernen Brüder die Pflicht rufen mag, sich um die Fahne Zions zu versammeln, sie alle auf dem Posten sein werden. Wir sehen, daß wir mit Fug und Recht das Vertrauen zu uns selbst hatten. Zum ersten Male tagt ein zionistischer Kongreß auf deutschem Boden. Als unser Herzl den ersten Sammelruf an uns ergehen ließ, hatten wir schon damals die Absicht, unsern ersten Kongreß nach einer deutschen Großstadt einzuberufen. Die sonderbare Haltung mancher jüdischer Kreise veranlaßte uns, nach einem gastfreundlicheren Orte zu gehen. Mancher von uns hatte schon damals im Innern seines Herzens den Gedanken gehegt: Wir kommen noch einmal hierher, wenn wir etwas geworden sind! Und nun sind wir da in unserer heutigen Gestalt. Wir sind hergekommen und durften ruhig kommen, da wir hier in Deutschland einen ansehnlichen Teil unserer Partei und die Grundlagen unserer Organisation haben. Unser Kongreß, der bestimmt ist, die zionistische Idee nicht nur uns, sondern allen denkenden und fühlenden Menschen immer wieder zum Bewußtsein zu bringen, fühlt sich in einem Kulturstaate, wie es Deutschland ist, nicht fremd. Er fühlt sich insbesondere in Hamburg nicht fremd. Die berühmte Hafenstadt, in der wir jetzt tagen, die Burg der alten Hansatugend, wo so manche monumentale Zeugen einer großen Vergangenheit neben blühenden modernen Anstalten stehen, von wo aus die menschliche Kultur es vermocht hat, Meere zu umspannen und Weltteile zu verbinden, wird unserm Kongreß, der einer großen kulturellen Aufgabe gewidmet ist, ein ebenso lebhaftes Interesse entgegenbringen und ihm einen ebenso günstigen Resonanzboden bieten, wie die früheren Orte unserer Tagungen. 1*

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