Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 50 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG I XIII. JAHRG. KÖLN, 10. Dezember 1909 g-nnb ND 'nn'tf l^DD T*D No. 50. MAKKABÄER Die Erhebung der Makkabäer bedeutet den Höhepunkt jenes Konfliktes, der dem nachexilischen Judentum einmal erwachsen mußte und schon Jahrzehnte lang vor dem Auftreten des Juda Makkabäus sich hingezogen hatte, nämlich des Konflikts zwischen Judentum und Griechentum, der das interessanteste Problem der jüdischen Geschichte jener Epoche bildet. Dieser Konflikt geht zurück bis auf das Jahr 333 vor der christlichen Zeitrechnung, wo Alexander der Große durch die Schlacht bei Issos die Herrschaft über Vorderasien gewann. Bis dahin, und zwar seit dem Jahre 538, da Kyros die Hauptstadt des babylonischen Reiches erobert hatte, waren die Perserkönige die politischen Oberherren Palästinas gewesen; jetzt wurden es mazedonisch-griechische Herrscher, aber der Systemwechsel war nicht nur ein äußerlicher, sondern von jetzt ab griff die Oberherrschaft auch auf das Gebiet des Kultus und des geistigen Lebens über. Als Alexander Asien eroberte, wollte er keineswegs die orientalische Kultur vernichten, sondern er wollte sie mit griechischem Geiste durchdringen und dadurch den Grund legen zu einem geistigen Weltbürgertum. Das Produkt dieser Bestrebungen war der sogenannte Hellenismus. Und mit dieser Kulturgröße mußte das Judentum sich jedenfalls einmal auseinandersetzen. Ober die Gestaltung der Dinge beim ersten Aufeinandertreffen dieser Kulturströmungen sind wir sehr schwach unterrichtet; erst für die spätere Zeit erwächst uns ausreichende Kunde aus den Geschichtswerken des Zeitalters. Nach Alexanders Tod rangen seine Feldherren und Staatsmänner, die sogenannten Diadochen, in mörderischen Schlachten um die Nachfolge im Reiche und zerrissen dasselbe schließlich in eine Reihe größerer und kleinerer Einzelstaaten. Zwei der neu entstandenen Sonderreiche wurden maßgebend für die weitere Entwicklung des Judentums, das von Ptolemaios I. gegründete ägyptische Reich und das von Seleukos I. aus weit gedehnten Ländern zusammengebrachte syrische Reich, zwischen welchen beiden Palästina, seiner geographischen Lage nach, der natürliche Zankapfel werden mußte. Zuerst erlangte das Ptolemäerreich die Oberherrschaft über Judäa, und so blieb es bis zum Jahre 198. Für das Judentum war das eine Zeit des Friedens, denn die Herrscher mischten sich in die nationalen Angelegenheiten des jüdischen Volkes nicht ein. Die Juden befreundeten sich sogar so mit der herrschenden Macht, daß viele von ihnen direkt in deren Land übersiedelten; in ganz Ägypten und in erster Linie in der Hauptstadt Alexandria gab es starke jüdische Kolonien. So wuchs die schon bestehende jüdische Diaspora noch mehr heran, und diese wuchs in das griechische Wesen völlig hinein. Von ihr gingen auch Rückwirkungen auf die Metropole, d. h. auf Palästina aus, so daß auch diese bis zu einem gewissen Grade dem Hellenismus verfiel, griechische Gedanken bis ins innerste Mark des Judentums vordrangen.*) Indessen darf man doch diese Erscheinung nicht für umfangreicher auffassen, als sie in Wirklichkeit war. Zwar nahmen viele Juden mit der feinern griechischen Bildung in Kunst und Wissenschaft auch die griechische Weichlichkeit und Genußsucht, sowie die hieraus stammende Leichtfertigkeit in sittlichen Dingen an,. Gewissenhafte und nachdenkende Juden hingegen bewunderten den geistigen Reichtum in den Schriften so mancher edeln griechischen Weltweisen, namentlich eines Plato und Aristoteles. In dem erwähnten Jahre 198 vor der christlichen Zeitrechnung sandte Antioches III., beigenannt der Große, der sechste unter den seleukidischen Herrschern Syriens, ein Heer nach Palästina, welches an den Quellen des Jordans die Ägypter schlug, so daß infolgedessen Palästina fortab unter syrischer Oberhoheit stand. Antioches III. ist derselbe syrische König, der uns aus der Geschichte bekannt ist durch seine Händel mit den Römern und durch die im Jahre 190 gegen diese erlittene Niederlage bei Magnesia. Eine der Hauptbedingungen, welche in dem damals geschlossenen Frieden der Sieger Scipio dem besiegten Antioches auferlegte, war die Zahlung einer großen Kriegsentschädigung. Um die benötigten Summen aufzubringen, mußte der König alle Mittel seines Reiches flüssig machen. So versprach er sich z. B. große Beute von der Plünderung eines Tempels im Osten seines Reiches (Sonnentempel in Elymais), wurde aber dabei erschlagen. *>4i i d ■*) Vgl. Freudenthal: Alexander Polyhistor (1875) S. 127—129.