Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 49 (3.12.1909)
- Date
- 1909-12-03
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Es hat die Form eines Zeltes, in dessen Innerem das „ewige Licht" brennt. Auf drei Seiten des Monuments ist mit großen hebräischen Buchstaben in Gold alles verewigt, was sich in jenen traurigen Tagen zugetragen hat. Auf dem Dache des Zeltes befindet sich ein großes „Magen David". Das Grab der Thorarollen ist in unmittelbarer Nähe des „Brudergrabes", in dem die Opfer jener blutigen Tage bestattet sind. Bei der Aufstellung des Grabmals wurden mehrere ergreifende Reden gehalten, die von den Anwesenden in tiefer Trauer angehört wurden. Amerika (Von unserm Berichterstatter) New York wählt Delegierte zum IX. Kongreß New York, 7. Nov. Der Zionist Council veranstaltete für gestern abend eine allgemeine Versammlung hiesiger Schekelzahler, die jedoch im Vergleich zu frühern Jahren nicht sehr zufriedenstellend besucht wurde. Die Sympathie für den Zionismus ist in Amerika in stetem Wachstum begriffen; und wenn die Versammlungen des Zionistenrates (Council) nicht dementsprechend frequentiert werden, so ist daran ausschließlich der Umstand schuld, daß die meisten Vertreter der verschiedenen Vereine sich aus dem Geschäftsstande zusammensetzen und den Sitzungen nur zu gewissen Zeiten beiwohnen können. Zunächst nahm man die Wahl derjenigen Delegierten vor, die von aus mindestens 200 Schekelzahlern bestehenden Vereinen nominiert wurden. Diese sind: der „Orden Bne Zion", „Zion. Organisation Hatechijah", „Österr.-Ung. Zionisten" und „Zion. Choral Society". Ersterer wählte einstimmig die Herren Dr. A. Blaustein und J. Spreiregen; die zweite wird Herrn Abraham Brodsky entsenden, und die zwei letztern wählten Frl. Henriette Sold, Dr. Henry Siegler und Herrn M. Norwalk. Die andern Vereine einigten sich zu Gruppen bis auf die nötige Zahl Schekelzahler und wählten folgende Herren: Rabbi N. Koblez, Dr. Tschetsik, Dr. H. J. Epstein und J. M. Rosenthal. New York wird also heuer genau so stark am zionistischen Kongreß vertreten sein, wie es in den frühern Jahren der Fall war. Die meisten der gewählten Delegaten sind hier allbekannte Zionisten, die den ihnen erteilten Anweisungen in bezug auf ihre am Kongresse zu entfaltende Tätigkeit in jeder Hinsicht entsprechen werden können. Brainin in Amerika Heute langte hier der verdienstvolle hebräische Journalist Reuben Brainin mit Dampfer „Noordam" an. Er wurde gleich bei seiner Ankunft von prominenten Zionisten und Vertretern der'Presse herzlich begrüßt. Den heutigen Tag wird Reuben Brainin zur Erholung von der langen Ozeanreise benötigen, und morgen wird er seine schon aus Europa angekündigte Vorlesungstour antreten. Die hiesigen Zionisten und hebräischen Vereine machen große Vorbereitungen, dem Gast einen großen öffentlichen Empfangsabend zu bereiten. Die jüdischen Zeitungen widmen dem Ereignisse lange Spalten und laden das Pubtikum zu den von Reuben Brainin abzuhaltenden Vorträgen dringlichst ein. Mit Reuben Brainin kommt nach den Vereinigten Staaten während des letzten Jahres der dritte Jude, mit der Absicht, das jüdisch-amerikanische Leben zu studieren. Da Brainin jedoch ein Journalist von Beruf ist, wird seine Ankunft durch die hiesige Presse, die in Brainin einen aus ihrer Mitte sieht, besonders hervorgehoben. Der „Hajom" stellt sein Erscheinen ein Mit großem Bedauern teilen wir mit, daß das erst vor drei Monaten gegründete hebräische Tageblatt „Hajom" mit dem heutigen Tage seine Laufbahn beendet. Das Blatt kündigt wohl ein „Wiedererscheinen" für Anfang des Monats Januar an; diejenigen aber, die mit den traurigen Umständen, welche diese Zeitung zum Stocken brachten, vertraut sind, wissen, daß der „Hajom" mit dem heutigen Tag für alle Zeiten untergeht. Wir wissen in der Tat nicht, warum dieser Zeitung das Los des „Haleom" beschieden war, da sich doch seit Untergang des letztern die Zahl der hebräisch Sprechenden in beträchtlichem Maße steigerte. New York zählt heute mindestens zwanzig Tausend Hebraisten, - ebensoviel darf man in den andern Städten aller Vereinigten Staaten Amerikas — insgesamt natürlich — voraussetzen. Diese Zahl hebräischer Leser würde die Herausgabe eines hebräischen Blattes für die Dauer ermöglichen, wenn die Unternehmer das genügende Kapital besäßen, das Blatt so lange zu halten, bis dasselbe allen Hebräischlesenden zugänglich gemacht werden kann. Daran wahrscheinlich fehlte es gerade. Es wird allgemein behauptet, daß die Ankunft Reuben Brainins mit der Aufhebung des „Hajom" im Zusammenhang stünde. Wäre das der Fall, könnte man dem eingegangenen Blatte eine Zukunft prophezeien, trotzdem es heute nicht mehr existiert. Brainin wäre fähig und der richtige Mann dazu, das Blatt auf ein hohes Niveau zu bringen, ihm einen Lesestoff und eine Richtung zu geben, die das hiesige hebräisch lesende Publikum vollauf zufrieden stellen würden. Jedenfalls dürfte die Anwesenheit Brainins in New York der hebräischen Sprache in Amerika einen neuen Impuls geben, und damit dürfte auch die Herausgabe eines neuen täglichen hebräischen Blattes in Aussicht genommen werden. Dr. Magnes bemerkenswerte Rede Während der Bürgermeisterwahlen, die erst vorige Woche zum Abschluß kamen, griff man die hiesige jüdische Bevölkerung wiederholt an und beschuldigte sie des sogenannten weißen „Sklavenhandels". Man glaubte damit die alte Ordnung umzustürzen und die Reformpartei ans Ruder zu bringen. Das geschah auch; aber als Mittel zum Zweck mußten die Juden herhalten. Den Anfang machte „Mc. Lures Magazin", das in einem langen erlogenen Artikel über die Ghettojuden herfiel und sie als Ausbund des unmoralischen Lebens darstellte. Der gemeine Angriff wurde von vielen autorisierten Personen und Gesellschaften energisch zurückgewiesen. Das entscheidende Wort in der Angelegenheit jedoch sprach letzten Samstag Dr. Magnes im Tempel Emanuel, wo er in Anwesenheit einer großen Zuhörerschaft gegen die immerwährenden Beschuldigungen der New Yorker Juden Protest erhob und eine energische Abhilfe in Aussicht stellte. Dr. Magnes wies an Hand trefflicher Beispiele die Unwahrheit dieser Beschuldigungen nach und rief stolz und mit dem edlen Bewußtsein eines Zionisten aus: „Es kann nicht weiter geduldet werden, daß der Jude allen kopflosen Schwätzern als Zielscheibe diene und von jedem Pfaffen und Journalisten, der sich einen Namen machen will, in den Kot gezerrt werde. Wir Juden", setzte Dr. Magnes fort, „haben unsere Fehler und Gebrechen wie alle andern Nationen, aber wir sind die einzigen, die dem abhelfen wollen, und kein anderer hat das Recht, uns unter die Lupe zu nehmen." Die Rede Dr. Magnes rief hier allgemeine Befriedigung hervor, und wird heute in der jüdischen sowohl, als auch in der englischen Presse eingehend erörtert. Im Laufe der folgenden Woche finden hier mehrere Protestkundgebungen statt. Diese Rubrik, für die die Redaktion keine Verantwortung trägt, ist Zuschriften aus dem Leserkreise zum freien Meinungsaustausch offen Prag, den 27. November 1909. Verehrliche Redaktion! Gegenüber verschiedenen Rekriminationen und Anfragen, die von Gesinnungsgenossen, darunter auch von solchen in hervorragender und verantwortlicher Stellung, wegen gewisser Vorkommnisse und Publikationen in der Prager jüdischen Wochenschrift „Selbstwehr" an meine Adresse, als die des derzeitigen Präsidenten der zionistischen Partei in Böhmen, gerichtet wurden, sehe ich mich zu folgender Erklärung genötigt, um deren gefl. Veröffentlichung ich ersuche: Indem ich mich auf die bei dem letzten böhmischen Zionistentag am 24. Oktober d. J. in Prag sowohl vom Vorsitzenden desselben, Herrn Ernst Bechert, als auch von mir abgegebene Erklärung zu diesem Thema berufe, stelle ich fest, daß die „Selbstwehr" zwar von Gg. gegründet wurde, daß sie jedoch nie offizielles Parteiorgan war, und daß jedenfalls seit Herbst 1908, wo sie in Privateigentum, nämlich in das Eigentum des Druckers, überging, zwischen der Leitung der Partei und dem Blatt keinerlei, weder offizielles noch inoffizielles, Verhältnis besteht.