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Die Welt · 1909-10-29 · 44 (29.10.1909) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No. 44 , ' DIEMKE LT 973 arabischen. Diese Einteilung ist in der Art gedacht, daß die Juden der europäischen Türkei und noch einiger, von Türken bewohnten Städte, das Türkische als Umgangssprache gebrauchen, während die Juden in Arabien, Syrien und Palästina das Arabische als Muttersprache annehmen sollen. Wie lächerlich dieser Plan ist, so fand er doch Anklang in der Sukkothnummer der hiesigen „La Nation". Während der Sukkothfeiertage fand hier eine Ausstellung von Erzeugnissen jüdischer Arbeiter Salonikis statt, die großes Interesse fand und sehr stark besucht war. Die Ausstellung sollte beweisen, daß die Juden Salonikis nicht nur an Handel, sondern auch an allen gewerblichen und industriellen Arbeiten bedeutenden Anteil nähmen. Wie das Ausstellungskomitee erklärt, sollen von nun an öfters derartige Ausstellungen veranstaltet werden. Die hiesige zionistische Vereinigung „Bnei Zion" vertauscht ihr bisheriges Lokal mit einem bedeutend geräumigeren, dessen Konferenzsaal doppelt so viel Personen faßt als der frühere. Bei Gelegenheit der Einweihung dieses Lokals wurde für den Herzlwald gesammelt. An den Feiertagen erwirkten die Zionisten, daß zum ersten Male in Saloniki bei den „Alioth" für den Nationalfonds gespendet werden konnte. Außerdem liefen aus Monastir einige Spenden ein, ebenso aus einem nahen Badeorte, wo zehn Jünglinge einen Verein unter dem Namen „Bnei Zion" gegründet haben.^ Das neue türkische Vereinsgesetz hindert auch den hiesigen Klub „Bnei Zion" bei seiner Arbeit. Um jedoch seine Tätigkeit fortsetzen und entwickeln zu können, reichte er sein Programm bei der hiesigen Behörde ein mit dem Ersuchen, sein Ziel weiter verfolgen zu dürfen. Unter anderem erklärte der Klub, daß sein und aller Zionisten Bestreben sei, die Emigration der Juden, die in ihren jetzigen Wohnsitzen leiden, nach Palästina und anderen Ländern der Türkei zu fördern. Falls der Klub die geforderte Erlaubnis erhält, wird er seine Arbeit bedeutend umfassender gestalten können. In den ersten Tagen Chol Hamoed hielt Herr Advokat M. Coh en im Lokal des „Klub des Intimes" eine interessante Rede über die bisherigen und zukünftigen Arbeiten dieses Klubs. Mit begeisterten Worten pries en die Bemühungen seiner Kollegen, den nationalen Geist der Saloniker Juden zu entwickeln und zu heben. In der Tat hat man gute Früchte geerntet, doch muß noch weiter gearbeitet werden. Zum Schluß sprach er über den bevorstehenden Kongreß aller ottomanischen Juden und forderte die Anwesenden auf, sich ernsthaft so schnell als möglich an der Arbeit zu beteiligen. Die Rede wurde mit begeistertem Applaus aufgenommen. Am Donnerstag fand in einer Synagoge eine Versammlung des* rabbinischen Vereins „Teuda Bejisrael" statt. Ein junger Rabbiner namens Mordechai Saias hielt eine schwungvolle Rede über die Bedeutung des Sukkothfestes, in der er die Versammelten ermahnte, ihren Nationalismus zu bewahren, ihre Solidarität aufrecht zu erhalten und die gleichen Gefühle auch bei ihren Kindern fortzupflanzen. Gegen das Ende seiner Ausführungen wandte er sich auch mit Entrüstung gegen den Luxus, der sich bei den Juden Salonikis eingebürgert habe und der immer mehr um sich greife. Man solle das Geld, das hierzu verwandt würde, wohltätigen Zwecken zuführen. Unter den Zuhörern befand sich auch S. E. der Oberrabbiner Jacob Meir. Aus Adrianopel wird dem „El Avenir" geschrieben: Der Gemeindevorstand hat in sehr befriedigender Werse die wichtige Frage des Chachambaschi gelöst, indem er die Wahl des Rabbiners Chajirn Bitzarano aus Bukarest durchsetzte. Dieser neue Oberrabbiner beherrscht außer seinen Fachkenntnissen und den verschiedenen Wissenszweigen auch die türkische, deutsche, englische und französische Sprache, wie es sich für einen Vertreter einer so angesehenen Gemeinde von selbst versteht. Er war lange Zeit Korrespondent des „Hamagid" für Rumänien. Seine Berichte und Artikel, in denen er nicht selten für die Wiederherstellung der hebräischen Sprache kämpfte, zeichneten sich immer durch guten hebräischen Stil aus. Noch während der Zeit, in der er Direktor der jüdischen Schule in Bukarest war, erteilte er täglich vier Stunden Unterricht im Hebräischen und den jüdischen Wissenschaften. Sein vorgerücktes Alter hinderte ihn nicht, an allem Anteil zu nehmen, was das Judentum betrifft. So hat er dieser Tage einen Artikel in einer Bukarester Zeitschrift gegen die Angriffe eines Schriftstellers, Alexander Tschusko, veröffentlicht, in dem er nachdrücklich und mit großem Takt die „Schechita" verteidigt. Seine vielseitigen Kenntnisse werden ihn in seinem Vorhaben unterstützen, die moralische und nationale Entwicklung seiner Gemeinde in jeder Weise zu fördern. Der Unterstützung der Vorstandsmitglieder der Gemeinde dürfle er dabei sicher sein. „LaEpoca" bringt folgende Notiz aus Üsküb: Die anhaltende Gleichgültigkeit vieler Gemeindemitglieder, die ihre Spaltung in zwei Lager zur Folge gehabt hat, ist jetzt endlich durch die Bildung eines neuen Gemeindevorstandes beseitigt. Der neue Vorstand ist bemüht veraltete Einrichtungen abzuändern, wie auch die Angelegenheiten der „Gabella", die die Ursachen vieler Klagen waren, in moderner Weise zu ordnen. Auch den Schulen wird nun mehr Aufmerksamkeit geschenkt, und da deren materielle Lage sehr viel zu wünschen übrig läßt, so sind hier bereits Vorbereitungen für einen Wohltätigkeitsabend zw diesem Zweck im Gange. In Jschtfb, unweit Üsküb, zerstörten starke Regengüsse viele Gebäude, wobei ein Schaden von mehr als 1000 türkischen Pfund angerichtet wurde. Das jüdische Viertel wurde sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, und sehr viele arme Familien sind obdachlos geworden. Während des furchtbaren Gewitters mußten sich die Bewohner ins Freie flüchten, um nicht mit ihren Häusern von den Fluten weggespült zu werden. Wie die Halbmonatsschrift „La Nation" in einer ihrer letzten Nummern mitteilt, ist in Salonik fast die ganze Jugend für den geplanten Kongreß gewonnen, und auch in Smyrna steht man dieser Idee sympathisch gegenüber. Der „Cercle Israelite" aus Kavalla bittet, ihm das Programm zu schicken, um seinen Delegierten die nötigen Informationen geben zu können. Aus Monastir wünscht man alles, was den Kongreß betrifft, erklärt zu erhalten, da von ihm auch die Einigung der Monastirer Gemeinde, die sich gegenwärtig in Unordnung befindet, erhofft wird. Adrian opel mit seinen gut geordneten Klubs wird an den Vorbereitungsarbeiten bald teilnehmen. Vorläufig ist es noch ungewiß, was man in Üsküb und den übrigen Gemeinden über diese Fragen denkt, doch ist sicher anzunehmen, daß sie gleichfalls bereitwillig auf die Idee eingehen. Leider zeigt sich die jüdische Gemeinde in Konstantinopel, die doch an der Spitze dieser Bewegung stehen sollte, noch sehr indifferent. Außer der „Aurore" interessieren sich die übrigen Zeitungen sehr wenig für dieses Unternehmen. In einer der nächsten Nummern der „Nation" werden die Hauptlinien des Projekts veröffentlicht werden. Da jetzt die Ferien zu Ende gehen, so erwachsen für die Leute, die hier Kinder in die Schule - schicken möchten, schwere Sorgen. Die Eltern werden von einer Schule zur andern gewiesen, ohne ihre Kinder aufgenommen zu sehen, so daß schließlich alle an die Talmud-Toraschule mit der Bitte herantreten, ihre Kinder diese Anstalt besuchen zu lassen. Doch auch hier muß man Glück haben, um anzukommen, denn die Schulen sind alle zu überfüllt, um jeder Neuantneldung Folge geben zu können. Dabei wird in der Talmud- Toraschule recht wenig gelehrt, und die Bildung des Schülers ist bedauernswert. Hunderte von jüdischen Kindern wachsen selbst in der Schule ohne jegliche Erziehung auf, und bei einer Prüfung, an der ich vorige Woche Gelegenheit hatte, teilzunehmen, mußte ich konstatieren, daß viele Schüler, die bereits sechs Jahre die Schule besucht haben, nicht lesen können. Die Anstalt leidet an vielen Mängeln, vor allem fehlt ihr ein geeigneter Direktor und gute Lehrkräfte. Sind diese Lücken einmal ausgefüllt, so würde die Anstalt auch eine größere Anzahl Schüler aufnehmen können. Man hatte sich wohl schon an die Alliance gewandt, um einen geeigneten Direktor zu erhalten, doch würde selbst die Gewährung dieser Bitte wenig nützen, da viele Leute hier gegen jegliche Neuerung auf diesem Gebiete sind. Wenn der Hilfsverein sich dieser Ansialt annähme, dann würde er über die Erziehung von mehr als 1200 jüdischen Kindern verfügen. Der Hebräische Kindergarten wurde auch wieder eröffnet, und die kleinen Zöglinge besuchen ihn mit Freude. So nützlich dieses Institut für die Erziehung ist, so legen sich die Eltern der Kleinen doch die Frage vor, was später aus ihren Kindern werden wird. Denn ihre Erwägung ist richtig, daß dieser Anstalt weitere Klassen angegliedert werden müssen, damit nicht das bis jetzt Gelernte wieder vergessen wird. Ohne diese Erweiterung wäre die ganze Mühe des Kindergartens umsonst, wie ja überhaupt die Existenz und der Nutzen dieser Anstalten von der Güte der ihnen folgenden Schulen abhängig ist. NOTIZEN Vereinigte jüdische Arbeiterpartei Amerikas Aus New-York wird der „N. J. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Die IV. Jahreskonferenz der „Poalei Zion", die hier vom i. bis 6. Oktober im „Hebrew Institut" tagte, war sehr stark besucht und nahm einen eindrucksvollen und inhaltsreichen Verlauf. Nach der Eröffnungsrede des Vorsitzenden, Herrn Awrunin, sprachen Dr. Syrkin und A. Goldberg, bisherige Führer der Sozialisten-Territorialisten, über die Vereinigung der radikalen, national-jüdischen Par-

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