Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 43 (22.10.1909)
- Date
- 1909-10-22
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3315709-3316349-3316394--52441-3346141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
948 , DIE T^ACHRICHTEN | Naftali Herz Imber Am 8. d. M. verstarb Naftali Hen Imber im Krankenhaus „Har ha-Moriah" in New York. Er war vor kurzer Zeit erkrankt und wurde im Krankenhause „Har ha-Moriah" untergebracht, wo er sechs Wochen lang sich in ärztlicher Behandlung befand. Sein Zustand hatte sich gebessert und er wurde aus dem Krankenhaus entlassen. Aber kurz darauf verschlimmerte sich sein Zustand so bedenklich, daß er abermals nach dem Krankenhaus gebracht werden mußte, wo er nach einem kurzen schweren Leiden verschied. Imber stammte aus Zlotschow in Galizien, wo er im Jahre 1853 geboren wurde, Er soll sich in seiner Kindheit durch bedeutende Fähigkeiten ausgezeichnet haben. Schon in seiner frühesten Jugend begann er seine Wanderungen. Er ging mit jugendlicher Abenteuerlichkeit über Stock und Stein. Ein Schwärmer mit guten Anlagen, aber ohne Ausdauer und ohne Beruf konnte er es nirgends zu etwas solidem und beständigem bringen. Er streifte unstät umher, — ein Wollender mit unzusammenhängenden Kenntnissen ohne praktische Verwertungsmöglichkeiten. Er wohnte lange in Wien, in Konstantinopel, in Palästina. Er kannte alle Welt und alle Welt kannte ihn. Er lebte dann längere Zeit in London, wo er von vielen unterstützt wurde, darunter auch von Zangwill, der ihn im Englischen und den er im Hebräischen unterrichtet haben soll. Zangwill hat auch diesen Typus in seinen „Children of the Ghetto" verewigt. Seit mehreren Jahren lebte er — wenn man sich dieses Ausdruckes bedienen darf — in Amerika. Es war ein Leben voll Elend und Not, aber durchglüht von einem großen Enthusiasmus. Gute Menschen verwandten sich für den im Leben verwahrlosten, im Grunde edlen und guten Imber. Sie hatten ihn gern. Er war von einer bezv/ingenden Liebenswürdigkeit im Verkehr, die ihm die Herzen zuwendete. Gar manche treffende Apercus Imbers wurden in die weitesten Kreise getragen und machten seinen Namen im besten Sinne des Wortes populär, aber in praktischer Hinsicht war 'ELT No. 43 seine Existenz leider verfehlt. Er dichtete gerne und einen Glanzpunkt seiner Dichtungen bildet die „Ha-tikwah", ein Text, dem mehr das Glück als die Muse lächelte. Habent sua fata Ii belli. Es war dies eine große Genugtuung für den guten, armen Menschen, daß sein Text zur Volkshymne geworden ist. Er trug mit sich im Herzen überall die Ideale eines galizischen Maskil und eines feurigen Palästinensers herum. Er litt und schwärmte, er verkörperte die richtige Nuance einer jüdischen Boheme und er starb wie er lebte — in Not, aber von Liebe und Begeisterung umstrahlt. Er ruhe in Frieden! Er ruhe sanft! Und möge sein Name mit unserer „Ha-tikwah" verbunden bleiben! Vortrag Dr. Oppenheimer in Wien Herr Dr. Franz Oppenheimer, stürmisch akklamiert, sprach Dienstag den 12. ds. Mts. im dichtgefüllten Saale des „Bayerischen Hofs" über „Jüdische Agrarpolitik". Der Inhalt des Vortrags deckt sich vollkommen mit dem Aufsatz Dr. Oppenheimers, der in der letzten Nummer der „Welt" erschienen ist. Wie wir erfahren, richteten die österreichischen Poale-Zion an Herrn Dr. Oppenheimer die Bitte, ein Kongreßmandat anzunehmen. Franz Oppenheimer wird wahrscheinlich dieser Einladung Folge leisten, um mit dem Einsatz seiner Autorität und seiner glänzenden Persönlichkeit am Hamburger Kongreß für die genossenschaftliche Kolonisation einzutreten. Die 25-jährige Jubelfeier der Kattowitzer Konferenz wird am 7. November 1909 zu Kattowitz, wie bereits mitgeteilt, festlich begangen. Die Anwesenheit des Präsidenten des E. A. C, Herrn D. Wolffsohn, des Delegierten des Odessaer Komitees und vieler prominenter Persönlichkeiten der Bewegung wird den Veranstaltungen einen besondern Glanz verleihen. Das Programm, dessen Einzelheiten demnächst bekanntgegeben werden, umfaßt einen Festakt im Repräsentantensaal der Synagogengemeinde am Vormittage, wobei die Bedeutung des Anlasses gebührend gewürdigt werden soll, ein Bankett und eine große öffentliche Versammlung am Nachmittage, in welcher neben Herrn Präsidenten Wolffsohn einige hervorragende Parteiführer zu Worte kommen werden. In der jüdischen Bürgerschaft Oberschlesiens und Russisch-Polens sieht man dem Festtage bereits mit großem Interesse entgegen. Aufruf! Wir ersuchen unsere P. T. Leser um « unverzügliche Erneuerung des Abonnements, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Auf vielfache Anfragen bringen wir nochmals zur Kenntnis, daß sowohl die regelmäßigen, wie auch die ab i. Oktober a. c. neueintretenden Abonnenten, die während des IX. Kongresses erscheinende Tägliche Separat=Ausgabe der „Welt" vollständig kostenlos erhalten. Wir ersuchen unsere Leser und Gesinnungsgenossen, insbesondere aber die zionistischen Vereine' und Vertrauensmänner in allen Ländern eine rege Propaganda zur Gewinnung von Abonnements für unser Blatt einzuleiten. Wie in den früheren Jahren, werden auch diesmal spezielle Abonnements für die Separat-Ausgabe entgegengenommen. Der Bezugspreis der Separat-Ausgabe wurde wie folgt festgesetzt: Für Deutschland.......... auf 1.70 Mark, „ Österreich-Ungarn....... „ 2.— Kronen, * Rußland........... „ 1.—Rubel, „ Großbritannien ........ „ 2/2 Shill., „ Holland............ „ 1.20 Hfl., „ Vereinigte Staaten....... „ 0,50 Doli., „ alle übrigen Länder...... „ 2.50 Francs. Eine besondere Aufforderung zum Abonnement der Separat-Ausgabe erscheint demnächst. Unsern Lesern und Gesinnungsgenossen, die geneigt sind, diese Aufforderungen selbst zu verschicken, stellen wir eine beliebige Anzahl derselben kostenlos zur Verfügung, und ersuchen, sich diesbezüglich mit uns in Verbindung zu setzen. Adressen, an die wir von hier aus Aufforderungen schicken sollen, bitten wir uns möglichst umgehend aufzugeben. ^Expedition „Die Welt"