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Die Welt · 1909-10-22 · 43 (22.10.1909) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
43 (22.10.1909)
Date
1909-10-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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946 DiE^ELT No. 43 Dr. med. D. Grün-Lajos; 4. Komitat Preßburg (Wahlort Preßburg): Kaufmann Wilhelm Steiner; 5. Komitat Neutra (Wahlort Neutra): Redakteur Leopold Lebowits; 6. Oberungarn (Wahlort Eperjes): Ingenieur Armin Beregi; 7. Westungarn (Wahlort Kapuvär): Advokat Dr. Ludwig Dömeny; 8. Nordostungarn (Wahlort Szatmär):, Bankdirektor Wilhelrn Klein; 9. Südostungarn (Wahlort Temesvär): Prof. Armin Bokor. Überdies wurden für jeden Wahlbezirk auch noch zwei Ersatzdelegierte kandidiert. Das L.-K. richtete ferner durch das A. C. an den Kongreß das Ersuchen, der ungarischen Organisation zwei Stellen im weitern A. C. einzuräumen und schlug gemäß § 23 des Organisationsstatuts für diese Stellen dem Kongreß Dr. Nison Kahan und Samuel Bettelheim vor. Das L.-K. erklärte sich gegen jedwede Änderung des Baseler Programms und sprach den Wunsch aus, daß der IX. Kongreß Mittel und Wege finde, daß die Siedlungsgenossenschaft gemäß den Beschlüssen früherer Kongresse verwirklicht werde. Aus der Bewegung In Budapest haben mit Anbruch der Herbstsaison sämtliche Vereine ihre Tätigkeit wieder aufgenommen. Allen voran geht unsere akademische Jugend. Die Makkabea entfaltet auf der Universität eine rührige Agitation, und es ist zu hoffen, daß es ihren tüchtigen Leitern gelingen wird, die Jugend unserer Bewegung zuzuführen. Die öffentlichen Vortrags- und Diskussionsabende finden allwöchentlich statt und erfreuen sich eines regen Zuspruchs: Gelegentlich der (Semester XIII) Inaugurationsversammlung am 2. Oktober hielt der Präsident stud. med. Viktor Jordan die Eröffnungsrede, und Dr. Nison Kahan sprach über das Verhältnis der Hochschuljugend zum Zionismus, am 9. Oktober behandelte Dr. Josef Schönfeld die programmatischen, und Viktor Jordan die wirtschaftlichen Fragen des Zionismus, am 16. Oktober sprach stud. jur. S. Breuer über Sozialismus und Zionismus. Im Zionistischen Mädchenverein Öeborah, der dank der opfermütigen Tätigkeit seiner Präsidentin Frl. Jolän Molnäs dem Zionismus auch in der Frauenwelt immer mehr Sympathien erringt, fand am 10. Oktober die Eröffnungsversammlung statt. Nach einer schwungvollen einleitenden Rede der Präsidentin trug David Widder einen selbstverfaßten Prolog vor, Viktor Jordan sprach über den Bezalel und Ingenieur Beregi Armin entwarf in einer meisterhaften Skizze ein treffliches Charakterbild der ungarischen Ostjuden. — Am 14. Okt. fand die Generalversammlung des zionistischen Turnvereins „Vivö et Atleticai Club" statt. Aus dem Berichte des unermüdlichen Sekretärs, cand. iur. Andar Zsoedos, entnehmen wir, daß der Klub trotz kurzen Bestehens bereits 400 ausübende und unterstützende Mitglieder zählt und in Sportkreisen sich eines guten Rufes erfreut. Der Klub wird auch am Festturnen der Jüdischen Turnerschaft in Hamburg teilnehmen. -- Der Privatbeamtenverein Iudea veranstaltet am 24. Oktober einen Nordauabend, die Jugendvereine Ivriah und Akibah haben ihre Selbstbildungstätigkeit gleichfalls aufgenommen, und der Bürgerverein „Theodor Herzl", das bisherige Schmerzenskind der Budapester Organisation, verspricht nunmehr neuorganisiert unter Anteilnahme altbewährter und neuer Kräfte ein wertvolles Glied in der Kette der Budapester Organisation zu werden. Am 10. und 11. Oktober weilte in Budapest als Gast der Soziologischen Gesellschaft Prof. Dr. Franz Oppenheim er. Sonntag sprach der illustre Gast vor einem dichtgedrängten, vornehmen Auditorium im Festsaale des Rathauses über das soziale Problem und die Agrarfrage. Montagabend veranstaltete zu seinen Ehren die Makkabea einen Festkommers, auf wrelchem die gesamte Budapester Organisation vertreten war. Durch Viktor Jordan im Namen der Makkabea und Präsident Dr. Bela Oesterreicher im Namen des ungarischen Landeskomitees begrüßt, entwickelte Prof. Oppenheimer seine Stellungnahme zu den gegenwärtigen Problemen des Zionismus, er sprach sich entschieden gegen die Herabdrückung des Zionismus zu einer Wohltätigkeitsbewegung aus, er berührte auch die Frage der Siedlungsgenossenschaft und erklärte für sein Programm am Hamburger Kongresse noch einmal — das letzte Mal öffentlich einzutreten. Den geistvollen Ausführungen unseres verehrten Gesinnungsgenossen folgte rauschender Beifall. Der gelungene Abend schloß mit einer Ansprache des Dr. Nison Kahan. Es sei noch bemerkt, daß von diesem Kommers die ganze Tagespresse, zum Teil in ausführlichen Berichten, Notiz nahm. — Am 10. Oktober fanden in Verb6 und Pöstyen öffentliche Versammlungen statt, zu welchem das L. C. Gg. Ludwig Batö delegiert hatte. Die Ausführungen des Redners fanden allgemeinen Boifall und hatten eine neuerliche Erstarkung unserer Bewegung in diesen Orten zur Folge. In Preß bürg veranstaltete der dortige Ahavath-Zion-Verein ein sehr gelungenes Simchath-Thorafest, bei welchem die Festrede Prof. Sebestyen hielt. Für den 31. Oktober wird in Temesv är eine großzügige Volksversammlung vorbereitet, die erste öffentliche Veranstaltung unserer dortigen Gesinnungsgenossen. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Bairam Die großen Fasten des Ramasan sind zu Ende, und die fröhlichen Tage des Bairam hielten ihren Einzug, deren Signum die Glückwunschvisiten und der Austausch von Süßigkeiten sind. Wenn dieses Signum auch für die politischen Vorgänge dieser Tage gelten soll, so sind nach dem Bairam bittere Dinge zu erwarten; denn schon sind die Süßigkeiten eigner Art. Bis in die althergebrachte Palastvisite des „Bairam-Handkusses" spielte der Kampf um die Privilegien der Patriarchate hinein, und nur die Rücksicht auf die Nähe des Monarchen vielleicht hat es verhindert, daß die Versuche, die Zeremonien des Empfanges der geistlichen Oberhäupter in einer für sie weniger ehrenden Weise umzuändern, in einen offenen Skandal ausliefen. Seit undenklichen Zeiten wurden die „chefs religieux" in Sonderaudienz empfangen und eine im Namen aller vom griechischen Patriarchen in griechischer Sprache gehaltene Rede entgegengenommen. Diesmal war beabsichtigt, sie mit der niedern islamischen Geistlichkeit zusammen vorzuführen und die Ansprache des Patriarchen zu unterdrücken. Die religiösen Kämpfer haben sich jedoch nach gemeinsamer Verständigung untereinander dieser Zumutung nicht gefügt und — für diesmal noch — ihren Willen und die alte Sitte durchgesetzt. Der Vorgang ist ohne politischen Inhalt, aber von schwerer symptomatischer Bedeutung. Man erwartet nach den Festen verschärften offenen Kampf. Zwar die armenische Nationalversammlung scheint geneigt, vor dem festen Willen der Regierung einzulenken, obwohl ihr Patriarch auf seinem Standpunkt unerschütterlich beharrt; aber der ökumenische Patriarch hat, von der ganzen Nation unterstützt, um so kriegerischere Zeichen gegeben; seine Auslassungen in der Presse klingen wie Fanfaren. Der Großwesir auf der andern Seite hat, nicht minder kampfbereit, drohende Worte gegeben. Wie Informationen von maßgebender Stelle besagen, wird bald nach'Wiederzusammentritt des Parlaments die Schlacht in der Kammer losbrechen. Die Griechen, Cosmidi Effendi an ihrer Spitze, werden die Attacke leiten. Was wird der Ausgang der Kämpfe sein? Welche Position werden die Juden in ihnen nehmen, oder besser gesagt, zu welcher werden sie gedrängt werden, da sie aus eigener Initiative keine nehmen werden? Das ist vollkommen dunkel. Die Großwesirkrise ist diesmal noch ohne große Erschütterung vorübergegangen. Hilmi Pascha hielt es für das Klügste, ohne Zaudern und mit aller Macht zu dementieren. Sein Schicksal ist also aufgeschoben. In den besten Beziehungen zum Komitee jedoch steht er, wenn man seiner Kontroverse mit dem „Tanin" nach ur-ir teilt, darum noch nicht; man muß demnach aufgeschoben nicht für aufgehoben halten. Der rote Zettel Das Ende des roten Zettels war vom Großrabbinat her so oft als unmittelbar bevorstehend bezeichnet worden, daß Pessimisten ihm ein recht langes Leben prophezeien wollten. Leider hatte ihr Ahnen recht. Denn es kann kaum noch einem Zweifel unterliegen, daß ein ernster Widerstand gegen seine Aufhebung da ist und mit ihr nicht so bald zu rechnen sein wird. Aus dem Munde des Großrabbiners ist uns folgende Wiedergabe seiner letzten Unterredung mit Talaat Bej, dem Minister des Innern, geworden: Der Minister: „Der rote Zettel, Eminenz, ist nach eingehenden Informationen, die wir von Subhi Bej, dem Gouverneur von Jerusalem, eingeholt haben, mehrfach Gegenstand von Besprechungen im Ministerrat gewesen. Ich kann Ihnen heute die erfreuliche Mitteilung machen, daß die Abschaffung des Papiers so gut wie beschlossene Sache ist und allerdemnächst verfügt werden wird. Wir werden dafür die ankommenden ausländischen Israeliten in eine Liste eintragen lassen, in der über ihren Aufenthalt im Lande Register geführt werden wird." Der Großrabbiner: „Exzellenz! Als ich meinen Takrir über den roten Zettel der Regierung einreichte, lag mir nicht daran, gegen die rote Farbe zu intervenieren; es macht mir nicht viel aus, ob er rot oder grün oder auch weiß ist. Mit der Einführung der Aufenthaltsliste ist ja der rote Zettel, den Sie abschaffen wollen, in anderer Form vollkommen wiederhergestellt!" Der Minister: „Das ist alles, was ich bisher habe erlangen können. Wir werden gut tun, die beiden Seiten der Angelegenheit getrennt zur Erledigung zu bringen. Sei es für diesmal die formale, die andere werde ich alsdann weiter verfolgen und hoffe, auch da zu günstigen Resultaten zu gelangen."

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