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Die Welt · 1909-09-28 · 40 (28.9.1909) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
40 (28.9.1909)
Date
1909-09-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIII. JAHRG. KÖLN, 28. September 1909 ]2^nb ao'nn'N nwn ."M No. 40.? J DAS LAUBHÜTTENFEST — EIN NATIONALES PALÄSTINAFEST Dieses Fest wurde ursprünglich das „Fest des Einsammelns", aber auch „das Fest" ohne jede Bezeichnung benannt. (Ex. XXIII, 38; Deut. XVI, 13.) Es war das Freudenfest palästinensischer Landbauer und Gärtner. In seinem Ritus und in dem ganzen Symbolenkranz, den es um sich wand, hat es diesen ursprünglichen Charakter in ungetrübter Reinheit erhalten. Seinen vollkommensten Typus besitzt dieses Fest tmserer großen Antike noch jetzt im Lande unserer Väter, in Palästina. Es wurde im grauesten Altertum, wie uns das Buch der Richter (XXI, 19) erzählt, durch die Aufführung von Reigentänzen in den Weingärten gefeiert, — also „bacchantische" Anklänge, und das noch von Schiloh her, lange vor Zion. Das Weinmotiv kommt aber in den ausführlichem Texten des Pentateuchs nicht vor. Da heißt es immer und immer wieder: Abschluß des Volljahres, Einsammeln der Bodenerzeugnisse (Ex. XXIII, 15; Deuter. XVII, 13). Bezeichnend ist in dieser Beziehung der im Vordergrund des ganzen Ritus stehende Festesstrauß. (Lev. XXIII, 40.) So ist auch selbstverständlich die obligatorische Laubhütte ohne jede Allegorie die Laube des palästinensischen Gärtners. Die Feier des Wasserschöpfens (Zech. XV, 16—19), die im Traktat Sukkoth (V) so farbenreich beschrieben wird und dessen Schilderung in der Behauptung gipfelt, daß, „wer diese Freude nicht gesehen, keine Freude überhaupt je gesehen hat", versinnbildlichte augenscheinlich den Segen des Regens, der für die bevorstehende Jahreszeit für Palästina ersehnt wird. Denselben Lokalcharakter und denselben Sinn hat auch das Regengebet (Sukk. V, 11). Merkwürdig ist es, daß auch der alles allegorisierende Philo das Laubhüttenfest in seiner einfachen Natürlichkeit auffaßte. Es ist das Fest eines ackerbautreibenden Volkes, — sagte er kurz. Als Kuriosität möge nur noch erwähnt werden, daß Plutarch in der Feier der Wasserschöpfung dionysische Spuren entdeckt hat. Die alten Hebräer haben aber ebensowenig den Dionysos gekannt, wie den Plutarch gelesen. Sie lebten in ihrem Lande und priesen den Gott der Welt, dessen besondere Vorsehung und Schutz sie für sich und für ihr Land in Anspruch nahmen. Dieses Volk war ein Volk mit einem Schicksal, mit wunderbaren Traditionen, jedes Individuum fühlte sich als ein Nachkomme — nicht nebelhafter Märchengötter, sondern großer Patriarchen. Ihr Leben war von Anfang an ein Naturleben. Sie fühlten sich verwandt mit der ganzen Natur, mit der Sonne und den Bergen und allem andern, fühlten sich aus Bäumen und Erdhaufen und Halmen von ihrem Ichgefühl umbraust. Ihre Seele war groß und volltönend wie eine Orgel in ihnen. Sie dienten Gott in der Natur, sie dienten Gott, indem sie ihr Land bearbeiteten. Das kann vielleicht nachempfunden werden, empfinden hingegen kann man es nur dort, wo das Fest entstanden ist und wo es auch jetzt gefeiert werden kann. Der Landarbeiter ist am Jahresschluß nicht nur vom einem geistigen, er ist auch von einem physischen Behagen erfüllt, jeder Nerv in ihm ist wach, er empfindet Musik im Blut. Da ist kein blinder Glaube, keine trockene Formel; da ist Leben. Es ist „die Zeit unserer Freude". Wir plappern das nach, — empfinden wir Freude? Wir flehen um Regen, — wo, wofür, für wen? Wir überlegen es nicht einmal, wir meinen es gewiß gut, und es ist schön, daß man alte Erinnerungen hochhält. Es werden schöne Gedanken dabei gedacht, andere Gedanken, die aber ebenfalls gut sind. Aber höher als all diese Kopien steht doch das Original. Ein „Bacchusfest" des Volljahres war dem jüdischen Volke fremd. Es gab keinen eigentlichen Jahresabschluß in Palästina, das in drei verschiedene Zonen zerfällt und eine Mannigfaltigkeit der Naturbedingungen, der Bodenbeschaffenheit und der Pflanzenwelt aufweist, wie sie nirgends auf einem so kleinen Raum vorkommen. Der palästinensische Gärtner kann im Laufe des ganzen Jahres, wenn er seinen Gemüsegarten bewässert, von seinem Boden Erzeugnisse haben. Manche Pflanzenarten wachsen auch regelmäßig zweimal im Jahre; in Judäa kommen zweifache Weizenernten häufig vor. Im Februar und in manchen Gegenden schon im Januar blühen die Orangen und die Mandeln; letztere sind noch im August auf den Bäumen. Die Zeit der ersten und letzten Blumen läßt sich auch nicht bestimmen. Myrten, Anemonen, Hyazinthen, Tulipane, Lilien ver- 1 'M, i\i *4r' m 1/ >\ I'!fr-j L " I. ■ iL 'i * X V iL

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