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Die Welt · 1909-09-10 · 37 (10.9.1909) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
37 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Die Chowewe=Zion von Monastir Der etwa vor fünf Monaten gegründete Verein „Chowewe- Zion" zählt bereits hundert Mitglieder und hat im Zentrum der Stadt ein schönes Lokal gemietet, in dem zahlreiche Vorträge zur Hebung des jüdischen Volkstums gehalten werden. Demnächst wird sich aus Mitgliedern des Vereins ein Orchester bilden, und werden türkische und hebräische Sprachkurse eingerichtet werden. NOTIZEN Taufen in Wien Das Matrikelamt der Wiener Kultusgemeinde veröffentlicht eine statistische Tabelle der Austritte aus dem Judentum im Jahre 1907, die ein wertvoller Beitrag zur Beurteilung der Wiener Taufbewegung ist. Es ließen sich insgesamt in diesem Jahre 603 Juden taufen (richtiger etwa 4/s dieser Anzahl, denn 20 °/o der Ausgetretenen bilden die Konfessionslosen). Davon waren 313 Männer, 290 Frauen und Mädchen. Dem Alter nach waren: j männl. weibl. jünger als 20 Jahre . . . i 43 51 21—30 „ ... | 131 129 31—40 „ ...! 93 74 41-45 „ ... j 23 19 46—60 „ ...; 15 15 61—80 „ ... I 8 2 Total . 313 290 Bei den Männern sind somit 13°/o jünger als 20 Jahre, bei den Frauen stehen 17 °/o in diesem Alter. 42% aller Männer und 44% der Frauen sind 21—30, 30°/o Männer und rund 26% Frauen 31—40 Jahre alt. Lehrreicher ist die berufliche Gliederung der Ausgetretenen. Es waren dem Beruf nach: männlich weiblich Advokaten...... 8 Dienstboten..... 1 14 Hilfsarbeiterinnen . . . 17 Öffentl. Beamte .... 20 Lehrerinnen..... 7 Private „ .... 43 Ohne Beruf*)..... 221 Fabrikanten..... 5 Sängerinnen..... 9 Kandelsangestellte . . 21 Schneiderinnen .... 15 Hilfsarbeiter..... 9 Schriftstellerinnen . . . 1 Ingenieure und Chemiker 15 Verkäuferinnen .... 19 Journalisten..... 9 Kaufleute....... 35 Lehrpersonen .... 6 Ohne Beruf..... 65 Privatiers....... 6 (Meister) Professionisten 4 12 Rechtspraktikanten . . 11 30 Summe . 313 Summe . 290 Wir wollen nur beiläufig bemerken, daß diese Tabelle nach andern Gesichtspunkten geordnet ist, als die betreffenden „Statistiken des Jahres 1903 und 1904, die in Dr. J. Thons „Juden in Österreich" wiedergegeben sind. Die neue Methode liefert weniger übersichtliche Ergebnisse. Immerhin ist der vorstehenden Tabelle zu entnehmen, daß von den männlichen Täuflingen Angehörige freier Berufe..........15 Beamte und Lehrer............8 Rechtspraktikanten und Studierende.....13 Fabrikanten, Kaufleute und Privatiers .... 15 Arbeiter und Angestellte..........13,5 °/o Professionisten..............1,5 °/o Private (?) und Berufslose.........34 °/o bilden. Bei den Frauen sind 76°/o ohne selbständigen Beruf, es handelt sich hier somit vornehmlich um Hei rat Staufen, oder um Frauen, die ihren Männern zum Taufbecken folgten. Bei den Männern müssen auch wirtschaftliche, Karriere- und gesellschaftliche Gründe berücksichtigt werden. °/ 10 > Die Aussichten der neuen Bankunternehmungen in der Türkei Die „Deutsche Orient-Korrespondenz" schreibt: D. 0. — Nach Änderung der politischen Gestaltung der Türkei haben sich die leitenden Stellen der europäischen Finanzmächte entschlossen, ihren Kapitalbestand in der Türkei zu vergrößern und auch andere Maßnahmen zwecks Ausdehnung ihrer Tätigkeit zu treffen. Hierher ist die Schaffung von Zweiggeschäften der „Russischen Bank für den auswärtigen Handel" und der „Deutschen Bank" zu rechnen, die in Konstantinopel jetzt eröffnet worden sind. Auch die türkische Nationalbank und die Banque Ottomane planen eine Vermehrung ihrer Filialen. Mehrere Banken gehen damit um, ihr Kapital zu erhöhen. Zweifellos wird die Befreiung der Türkei von dem politischen Druck, unter dem sie bis vor Jahresfrist gestanden, auch auf die wirtschaftliche Tätigkeit des Landes befruchtend wirken; aber es wird noch lange Zeit dauern, bis die Verhältnisse sich so gestaltet haben werden, daß industrielle und landwirtschaftliche Unternehmungen großen Stiles mit Aussicht auf Erfolg werden arbeiten können. Es liegt daher die Gefahr nahe, daß das in größeren Mengen jetzt nach der Türkei auswandernde Kapital zunächst keine genügende Beschäftigung finden wird, da die heute schon in der Türkei bestehenden Bankinstitute den Bedürfnissen des Landes vorläufig genügen. Auch haben die auswärtigen Kapitalisten mit den politischen Kräften zu rechnen, die an der Arbeit sind, die leitenden Kreise gegen das Eindringen des fremden Kapitals mobil zu machen. Von dieser Seite wird geltend gemacht, daß mit dem Anwachsen der in der Türkei angelegten fremden Kapitalien das Land in immer größerem Maßstabe vom Auslande wirtschaftlich und politisch abhängen würde. Das Unrichtige dieser Beweisführung liegt auf der Hand; aber die ungünstige Stimmung dem fremden Kapital gegenüber ist in gewissen Kreisen nun einmal vorhanden. Werden doch jetzt schon Stimmen laut, die davor warnen, dem amerikanischen Konsortium, das sich um die Übertragung von Bahnbauten in Anatolien und Türkisch-Armenien bewirbt, allzu weitgehende Konzessionen für die Ausnutzung von Bergbaurechten usw zu erteilen. Noch besitzen die Türken nicht die genügende Einsicht, um zu erkennen, welche Maßnahmen auf finanziellem Gebiete für ihr Land förderlich werden können; sie übersehen in ihrem althergebrachten Mißtrauen gegen alles Fremde leicht die guten Seiten der mit ausländischem Gelde unterstützten Unternehmungen und erblicken in der Tätigkeit der fremden Geldinstitute einen Versuch, die Bestrebungen zu untergraben, die auf eine Befreiung der Türkei von fremden Einflüssen gerichtet sind. Mit dieser dem Kapital nicht sonderlich gewogenen Stimmung in der Bevölkerung wird man in Zukunft zu rechnen haben und danach auch seine Maßnahmen treffen müssen. Nichts wäre in jetziger Zeit verkehrter, als einen Ansturm auf die wirtschaftlichen Hilfskräfte der Türkei zu veranstalten und durch übertriebene Geschäftigkeit bei den Türken den Eindruck zu erwecken, als woilte man nun das Land ausbeuten und ausrauben. Nur allmählich und unter Anwendung großer Vorsicht wird es gelingen, die wirtschaftlichen Kräfte der Türkei frei zu machen und in den Dienst der allgemeinen Wohlfahrt zu stellen. *) Meistens verheiratet, ohne selbständigen Beruf. Hickls Jüdischer Volkskalender für das Jahr 5670 (Jüdischer Buchverlag, Brünn). Blättert man in diesem Volkskalender, so wähnt man, eine nicht ohne Geschmack zusammengestellte Nummer eines gut redigierten jüdischen Blattes vor sich zu haben. Denn die Artikel stehen hier zwar auf einem etwas höheren Niveau, scheinen aber im Grunde nur für den Tag oder für die Woche geschrieben und bestimmt zu sein, während doch eine Jahresrevue etwas Monumentales an sich haben soll. Nun wird mir der Herausgeber vielleicht einwenden, daß er nichts anders geben wollte, als einen besseren Luach, einen billigen Volkskalender, schlicht und anspruchslos. Freilich, wenn er keine höheren Prätentionen hatte, so muß man sagen, daß ihm sein jüdischer Kalender, jetzt schon zum achtenmal, gelungen ist. Vor allem vermag er durch die vom Rabbiner Dr. Günzig ausgearbeiteten Tabellen Verständnis für das jüdische Jahr mit seinen Gedenktagen zu wecken und so auch erzieherisch zu wirken. Einige der im literarischen Teil enthaltenen Arbeiten sind in noch höherem Maße geeignet, jugendlichen Gemütern Liebe zum jüdischen Volkstum sowie Stolz auf die Zugehörigkeit zu dem alten sittlich hochstehenden Volke einzuprägen. Darum sollte man dieses recht nett ausgestattete, mit ein paar Illustrationen versehene Büchlein vornehmlich der Jugend in die Hand geben. Da wird sie am Grabe Herzls Tränen vergießen und, von des Helden Größe hingerissen, sich aufraffen, ihr Leben der großen heiligen Volkssache freudig zu weihen. Oder sie wird von Sonnenthals leuchtender Gestalt bezaubert, lernen, wie Weltruhm sich mit Treue zum Judentum vortrefflich paart, ja geradezu aus dieser edlen Quelle Ursprung und Fülle nehmen n.kan

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