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Die Welt · 1909-09-10 · 37 (10.9.1909) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
37 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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No. 37 c ooooooooo p2jS5r l257^ DIEIqKELT NACHRICHTEN 817 721^Z OOOOOOOOO Deutschland „Ehrliche" Gegner Ein Beispiel von der gewissenlosen Art, in der bestimmte Kreise den „geistigen" Kampf mit dem Zionismus immer noch auszufechten belieben, liefert die letzte Nummer des „Israelit". In einer Korrespondenz aus Odessa, die sich mit einer als Volksverrat bezeichneten Handlung, die Herr Awinowitzki begangen haben soll, befaßt, wird dieser Herr als „einer der Führer der russischen Zionisten" bezeichnet und aus dieser angeblichen Tatsache ein nicht mißzuverstehender Zusammenhang zwischen nationalem Selbstbewußtsein und Volksverrat und ähnlichen Dingen konstruiert. Nun ist heute in den weitesten jüdischen Kreisen sattsam bekannt, daß Herr Awinowitzki seit dem 7. Kongreß, also seit 4 Jahren, weder ein Amt noch irgend eine Ehrenstellung in der zionistischen Organisation mehr bekleidet. Es kann daher kein Zweifel darüber bestehen, daß der Odessaer Korrespondent des „Israelit" dies wissen mußte. Das hindert ihn aber nicht, in seine Notitz, die an und für sich mit dem Zionismus nicht das geringste zu tun hat, den Zionismus hineinzuzerren und Herrn Awinowitzki sogar zu einem „Führer der russischen Zionisten" zu erheben. Alles nur, um dem Zionismus eins anzuhängen und außerdem wahrscheinlich — um der Wahrheit die Ehre zu geben. Und der „Israelit" scheut sich nicht, diese perfide Lüge zu verbreiten, obgleich man annehmen sollte, daß ihm das, was jeder halbwegs Eingeweihte weiß, auch nicht unbekannt ist. « Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands Der am 30. Mai gegründete Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands hat nun seine Tätigkeit aufgenommen. Die erste Vorstandssitzung fand am 15. August er. mit einer sehr reichhaltigen Tagesordnung statt. Aus dem Protokoll über diese Sitzung sei folgendes hervorgehoben: 1. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Vorsitzenden des Vorstandes wird Herr Dr. Alfred Apfel (Jugendverein Gabriel Rießer- Köln) betraut. 2. Zwecks besserer Handhabung der Verbandsgeschäfte werden verschiedene Dezernate geschaffen, und zwar: a) Die Führung der Finanzangelegenheiten wird Herrn Felix Meyer (Montefiore-Verein Frankfurt a/M.) übertragen; b) Die Statuten- und Aufnahmekommission besteht aus den Herren Alfred Fischer (Jugendverein-Hannover) und Referendar Regensburger (Jugendverein-Braunschweig); c) Die literarische Kommission bilden die Herren Dr. Apfel-Köln und Dr. Rosenkranz-Berlin; d) Mit der Geschäftsführung des Verbandes wird Herr Rabbiner Dr. Finkel, der bisherige provisorische Geschäftsführer weiter betraut. Außer den 24 bisherigen Verbandsvereinen haben ihren entgültigen Beitritt die Vereine Hannover, Frankfurt, Düsseldorf, Halle, Essen, Danzig, Halberstadt, Spandau und Bochum erklärt. Auch liegen: Aufnahmegesuche von mehreren Vereinen vor, die der Statuten- -und Aufnahmekommission überwiesen werden.— Der Vorstand regt den Zusammenschluß der Vereine zu Provinzial- resp. Bezirksverbänden an, da er sich von derartigen Verbänden eine ganz besondere Förderung insbesondere der kleinen Vereine verspricht.— Die Vorarbeiten für die Bezirksverbände sollen an verschiedenen Teilen unseres Vaterlandes bald in Angriff genommen werden. Eine besondere Aufmerksamkeit will der Verband der Frage der Versorgung der Verbandsvereine mit Rednern widmen; die literarische Kommission übernimmt es, eine Rednerliste herauszugeben. Dieselbe Kommission wird auch mit Verlegern, Buchhändlern und Schriftstellern in Verbindung treten, um den Vereinen eine Anschaffung von guten Büchern zu ermäßigten Preisen zu ermöglichen. Eine eingehende Aussprache findet über die Notwendigkeit von hebräischen Sprachkursen innerhalb der Jugendvereine statt. Auf Wunsch wird der Vorstand zwecks Errichtung derartiger Kurse, die er sehr empfiehlt, mit praktischen Ratschlägen zur Hand gehen. Die Frage zur Begründung einer Verbandszeitung soll womöglich schon in der nächsten Sitzung ihre Lösung finden. Mit Rücksicht auf die Verdienste des verewigten Dr. Gustav Karpeles wird den Verbandsvereinen empfohlen, in geeigneter Weise des Verstorbenen zu gedenken.— Die Geschäftsstelle des Verbandes befindet sich Berlin S.W., Wilhelmstr. 118. Zuschriften sind zu richten an den Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands z. H. des Herrn Dr. E. Finkel. Deutscher Judentag Breslau. Die dritte Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden, die im Oktober d. J. in Breslau zusammentreten wird, zufällig also wieder an demselben Orte, wo eben vorher die deutschen Katholiken tagten, beansprucht, abgesehen von ihrer allgemeinen Bedeutung, in der Öffentlichkeit besonderes Interesse dadurch, daß nach einem Vortrage des Breslauer Rabbiners Dr. Guttmann: „Die Idee der Versöhnung im Judentum", zwei Vorträge, die politische und wirtschaftliche Verhältnisse der Ostmarken beleuchten werden, nämlich: 1. Die Abwanderung der Juden aus der Provinz Posen (Justizrat Breslauer-Berlin), 2. Die Juden der Ostmarken. Was haben sie dem preußischen Staat und was hat er ihnen geleistet? (Justizrat Woiff-Lissa, M. d. Abg.-H.). Die Vorbereitungen zur Aufnahme der aus allen Teilen des Reichs erwarteten 4-500 Delegierten, welche die Gäste der Breslauer Gemeinde sein werden, trifft ein .von dieser eingesetzter Ortsausschuß, an dessen Spitze der Geh. Justizrat Landgerichtsrat Wollstein in Breslau steht. Neben den sonstigen Unterausschüssen wirkt diesmal ein Frauenkomitee, das sich den zu erwartenden Damen der Delegierten widmen soll; diese Neuerung ist um so berechtigter, als — ein erfreuliches Zeichen der Zeit — in diesem Jahre zum erstenmal auch unter den Delegierten selbst einige Frauen Sitz und Stimme haben werden. Während der Begrüßungsabend am 16. Oktober in der Breslauer Gesellschaft der Freunde nur die Versammlungsteilnehmer vereinen wird, ist die eigentliche Hauptversammlung am Sonntag den 17. Oktober, vormittags, im großen Saale des Breslauer Konzerthauses öffentlich; Zuhörerkarten werden in Breslau wie im Bureau des Verbandes in Berlin ausgegeben. — (Wichtiger als diese Meldungen wäre eine Nachricht darüber, ob sich an die Vorträge diesmal eine Diskussion anschließen soll oder ob auch dieser Judentag wieder lediglich eine Paradevorstellung sein soll, wie der letzte. Anm. d. Red.) Erbauliches aus Preußen Einen interessanten Einblick in die Verhältnisse an dem Kgl. Fürstin-Hedwig-Gymnasium in Neustettin gewährte eine vor dem dortigen Schöffengericht verhandelte Beleidigungsklage eines ehemaligen Primaners bzw. dessen gesetzlichen Vertreters gegen einen Lehrer der Anstalt. Bei Vernehmung eines Zeugen, ebenfalls eines ehemaligen Primaners, wurde festgestellt, daß in die an dem Gymnasium bestehenden verschiedenen Vereine (Ruder-, Turn-, Gesangvereine) jüdische Schüler nach den statutarischen Bestimmungen nicht aufgenommen werden. Es ist wohl kaum glaublich, daß die vorgesetzte Behörde von diesen Bestimmungen Kenntnis hat, wenigstens ist dies nicht anzunehmen; denn eine Verfügung des Provinzialschulkollegiums in Stettin vom 8. März d. J., nach welcher der Minister dem Gymnasium in Neustettin aus Zentralfonds eine Beihilfe von 500 Mk. zu den Kosten der Beschaffung eines Ruderboots für den Ruder- und Turnverein bewilligt habe, enthält nichts davon, daß jüdische Schüler von der Benutzung dieses Boots auszuschließen seien. Es ist — nicht allein in Neustettin — bekannt, daß an dem Gymnasium daselbst ungesunde Zustände betreffs der Behandlung jüdischer Schüler im Gegensatz zu derjenigen christlicher Konfession herrschen, daß man aber unter den Augen der Behörde und mit Wissen des Anstaltsleiters — mit dessen Einwilligung doch wohl die verschiedenen Vereine an dem Gymnasium bestehen — das Gift des Klassen- und Rassenkampfes unter den Schülern verbreitet, ist doch wohl eine ziemlich große Unverfrorenheit. Österreich (Von unserm Berichterstatter) Die Wahl in Stryj Das Lemberger Zentralkomitee der jüdisch-nationalen und zionistischen Partei Galiziens hat beschlossen, von der Nominierung eines Kandidaten für den Landtagswahlkreis Stryj abzusehen. Das Zentralkomitee wird in den Wahlkampf nicht eingreifen. Minister Dr. Dulembea hat somit nur einen Gegenkandidaten, den Sozialdemokraten Dr. Liebermann. Abg. Dr. Liebermann gehört der polnischen sozialdemokratischen Partei (P. P. S.) an. Er ist Jude. Die polnische Sozialdemokratie hat bei der Kandidierung Dr. Liebermanns offenbar darauf gerechnet, daß auch die Jüdisch- * .1 4 V" y\t . '<l 1 \ *k "K'l \ i 4t» «i** K 4,1»

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