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Die Welt · 1909-09-10 · 37 (10.9.1909) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
37 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 37 DIE ELT 813 Im Esthergäßlein und am „Neuen Platz", in der Kupagasse und ganz rückwärts im schmalen Josefsgäßchen knarren die Türen und hallen Schritte auf Gängen, Stiegen, undschließlich auf den holprigen Steinen: Das Herz des alten Krakau beginnt zu schlagen. In der herrlichen Wölbung der alten Schul und in Reb Maiers uraltem Bethamidrasch werden die Pulte hell vom Kerzenscheine: Das alte Krakau schlägt die Augen auf. Und während sie in den Bethäusern Arm und Stirne mit den Gebetriemen binden, hat sich die Seele des alten jüdischen Krakau aus der Enge der Gäßchen gelöst und steigt hinauf durch den grauen Himmel zu den Füßen des Vaters, umfängt seine Knie und sagt ihm alles, was sie bedrängt. Wenn sie unten die Riemen küssen und sie wieder zusammenrollen, kehrt sie aus der Höhe zurück, von stillem Glück verklärt, überreich in diesen schweren Bußtagen. Und die Pulse des alten jüdischen Krakau schlagen kräftig und gesund, wie in den besten Tagen, da diese Stadt erfüllt war von Gottes Lehre und von Gottes Liedern — bis der Jaum-Kippur verklingt. Denn dann erstirbt der Zauber, und das alte Krakau geht stumm und stolz, wie ein entthronter König in die selbstgewählte Gefangenschaft. Im nächsten Jahre wird der Weg des alten Wächters in der Slichesnacht schon kürzer sein. Von der Dietelsgasse her dringen die nüchternen neuen Häuser unaufhaltsam vor, erobern die Krakauer Gasse und drängen sich tief ins Innere des Städtchens hinein, das einst buntgestaltig und versonnen dem Wawel zu Füßen lag wie eine talmudische Legende. Einst sind wohl dem Sliches-Rufer alle Wege versperrt, und er umkreist nur mehr die geheiligte Mauer, die Ramus Grabstatt und Bethaus umschließt. Wenn du dich dann nicht erhebst, göttlicher Reb Moische Isserl, und die unendlichen Scharen rufst, die Jahr für Jahr aus weiter Ferne am Lag-Beomer an deine Gruft kamen, berauscht von deiner gütigen Weisheit und schlichten Liebe, wenn du dann nicht mit deinem ehrwürdigen Stecken, , der noch immer an deinem Betpulte lehnt, dreimal an die Fliesen schlägst, auf daß die alte Zeit erwache und für ewig auflebe, wenn du den Wächter,dann nicht hören willst und weiterschläfst — dann hat auch der Sliches-Rufer in Krakau zum letzten Male das wundersame Lied gesungen, dann stirbt sein Sang und erklingt nur mehr müßigen Träumern aus einsamen Sommernächten, wie dem Schiffer weit draußen am Meere das Glockenläuten der versunkenen Zauberstadt Vineta . . . o o o o o o o c o o o o o AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o o o o o o o o Der IX. Kongreß Der IX. Kongreß findet vom 26. bis 31. Dezember 1909 (14. bis 19. Tebeth 5670) in Hamburg in den Räumen des Konzerthauses statt. Die Schekelsammluiigen müssen überall bis zum 15. Oktober 1909 beendet sein. Die gesammelten Schekelgelder müssen bis zum 3L Oktober 1909 nach Köln oder an die Zahlstellen des J. C. T. überwiesen worden sein. Die Wahlen zum Kongreß sollen in der Zeit vom 1. bis 7. November 1909 stattfinden. Die Protokolle über die erfolgten Wahlen müssen spätestens bis zum 30. November 1909 in den Besitz des Zionistischen Zentralbureaus in Köln gelangt sein. Proteste gegen vorgenommene Wahlen sind sofort nach der Wahl gleichzeitig bei der Landsmannschaft und beim Aktionskomitee mit ausführlicher Begründung einzureichen. Nach dem 30. November einlaufende Proteste können nicht berücksichtigt werden. Die Protokolle über die Wahlhandlungen sind gemäß der nebenstehenden Vorschrift aufzunehmen. Formulare können von uns in beliebiger Anzahl bezogen werden. Zionistisches Zentralbureau, Köln Kongreßausgabe der „Weltu Während des IX. Zionistenkongresses, d. i. in der letzten Dezemberwoche d. J., wird, wie in den frühern Jahren, wieder eine „tägliche Kongreßausgabe der Welt" erscheinen. Eine rasche, objektive und umfassende Berichterstattung, wie sie durch diese Kongreßausgabe erreicht werden soll, ist nicht nur eine dringende Notwendigkeit für unsere Gesamtorganisation, sondern auch ein Propagandamittel von allergrößter Wirkung. Es werden alle Vorbereitungen getroffen, um diese Kongreßausgabe in jeder Beziehung so auszugestalten, daß sie dem Leser ein klares Bild des Kongresses bietet. Wenn aber der propagandistische Zweck dieser Kongreßausgabe erreicht werden soll, so bedarf es hierzu der intensivsten Unterstützung aller Oesinnungsgenossen. Nähere Details über die Ausgabe werden demnächst in der „Welt" veröffentlicht werden. Aber schon heute machen wir nachdrücklich darauf aufmerksam, daß die regelmäßigen Bezieher der „Welt«' Anspruch auf die kostenlose Zustellung der Kongreßausgabe haben. Ebenso erhalten sie alle ab i. Oktober d. J. neu eintretenden Abonnenten gratis. Hier bietet sich nun Gelegenheit, mit der Propaganda sofort einzusetzen. Wir ersuchen unsere Leser und Gesinnungsgenossen in allen jüdischen Kreisen, unter Hinweis auf die Kongreßausgabe der „Welt" Abonnenten für unser Blatt zu werben. Mit Probenummern und Agitationsmaterial sind wir bereit, alle Aktionen, die zur Verbreitung der „Welt** unternommen werden, tatkräftig zu unterstützen. Expedition „Die Welt" 2*

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