Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1909-09-10 · 37 (10.9.1909) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
37 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316349-3316389--52297-3345976
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE KÖLN ARU RHEIN, KAROLINGERRING 6 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIII. JAHRG. KÖLN, 10. September 1909 q-ilfrb D"ntVtf W?N No. 37. DER IX. KONGRESS Die Wahlen und all die Vorbereitungsarbeiten für den IX. Kongreß, dessen Zeit und Ort bereits festgesetzt und kundgegeben worden sind, müssen nunmehr auf der ganzen Linie beginnen. Sie müssen mit einem ganz besondern Eifer betrieben werden, da es sich diesmal um einen Winterkongreß handelt, der nicht in die übliche Reisesaison fällt und daher gewissermaßen eine Belastungsprobe für den zionistischen Opfersinn bilden dürfte. Wir dürfen jedoch die sichere Hoffnung hegen, daß all diejenigen, die nicht mit Zufallsbanden an den Zionismus geknüpft, sondern mit ihm durch ideale Bande vereint sind, all diejenigen, für die der Zionismus Empfindung und Tat, Lehre und Begriff ist, diese Probe bestehen werden. Sollte auch die Zahl der Gelegenheitsdelegierten und „Kurgäste" sinken, so wird hingegen die Zahl der eigentlichen Delegierten hoffentlich steigen.«, Es wird behauptet, zionistische Stimmung sei überall im Steigen begriffen. Diese Behauptung ist auch wirklich wahr. Wenn wir das gänzliche Zerfallen sämtlicher jüdischen Parteiorganisationen beispielsweise in Rußland beobachten, in welchem allein, wenn auch nicht immer der organisierte Zionismus, so doch gewiß das Nationale, das Zionsfreundliche und alles, was zu Zion führt, sich erhält und gedeiht, wenn wir das Regen und Ringen der jüdischen Massen in Qalizien vor Augen betrachten, wenn wir die Anfänge, hoffentlich zukunftreiche Anfänge einer palästinensischen Tätigkeit anderer jüdischen Organisationen sehen, so können wir kaum daran zweifeln, daß der Zionismus seinen Siegeszug im jüdischen Volke hält. Die vielen Anzeichen dieser Stimmung verkennen, hieße doch in Wahrheit: mit sehenden Augen blind sein. All diese Stimmungen sollen nun . für den bevorstehenden Kongreß ausgenützt werden. Es wird behauptet, die Kleinarbeit im Zionismus sei ermüdend. Ja, sie ist es auch für die innerlich Müden, die nur der Reiz des Neuen lockt; aber auch in dieser Kleinarbeit gibt es große Momente, und einer dieser Höhenausblicke ist der Kongreß. Die Arbeit vor dem Kongreß ist keine mühsame Alltagsarbeit. Die ersten und dauerhaftesten Erinnerungen verbinden den Zionismus mit den Kongressen. Den Kongressen verdankt er alles, was er ist, und in der Kongreßatmosphäre hat sich die Erziehung seiner Organisation vollzogen. Der Kongreß ist schon an sich die größte Schöpfung des Zionismus. Er ist die einzige Instanz, die wir uns geschaffen haben. Seine Gesetze sind unsere Gesetze, der Ausfluß unseres Willens. Die Zaghaften und die Wankenden schreckten vor der Größe dieses Gedankens zurück. Sie waren gewohnt, sich immer in einem erniedrigenden Zustande der Inferiorität zu sehen. Sie waren das Eigentum, das Besitztum, die Sache1 der^Tandern: das Objekt einer Judenfrage, die von andern gestellt wurde. Für ihre eigenen Angelegenheiten existierte nur eine Methode, die der Leisetreter. Unsere zionistischen Kongresse haben die Schande des Ghettos von uns abgewälzt. Sie waren es, die dem jüdischen Bewußtsein einen ergreifenden und überwältigenden Ausdruck gegeben haben. Daran muß festgehalten werden. In richtiger Würdigung der volkserziehlichen Bedeutung des zionistischen Kongresses müssen wir dafür sorgen, daß er mehr und mehr zu einem Kristallisationspunkt für das allgemeine Judentum sich gestalte. Alle, die an der Zukunft unseres Volkes nicht verzweifelt haben, müssen nach diesem Punkte gravitieren. Wir wollen hier nichts beschönigen. Es besteht ein Mißverhältnis zwischen dem- Fortschritt zionistischer Stimmung und der Entwicklung der zionistischen Organisation. Die unbestimmte, zahlenmäßig nicht genau zu fässende Stimmung wächst, die Arbeit an der Schekelsammlung, die Zahl der Gruppen u. dgl. ist nicht befriedigend. Aber vor einem Kongreß müßte auch letztere Arbeit einen großen Aufschwung nehmen. Die Erstarkung des Verantwortlichkeitsgefühls, die ernste Auffassung der Parteipflicht sollen es bewirken, daß der Wahlakt mit großer Einsicht vollzogen werde. Möge sich ein jeder über alle Probleme gründlich informieren, möge sich ein jeder einen klaren Begriff machen über alles, was geschehen soll und über den Punkt, wo die Grenzen des Könnens liegen, wo man ausbessern und wo man vorwärtskommen kann! Der Kongreß ist die höchste Instanz, die wir für unsere Selbstbeurteilung und Selbstbetätigung geschaffen haben, und jeder Wähler beteiligt sich mittelbar (wenn er wählt) oder unmittelbar (wenn er gewählt wird) an diesen % ■ -U <r 4> i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.