Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 29 (16.7.1909)
- Date
- 1909-07-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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628 DIE^ELT No. 29 Für das Mikro=Biologische Institut David Wolffsohn-Köln.........Mk. 1000. J. H. Kann-Haag............ 1000. Prof. Dr. Warburg-Berlin ....-...„ 500. Dr. Charles Dreyfuß-Manchester . . . . „ 400. Vorläufige Sammlungen in Österreich: Johann Kremenezky ...... s . Kronen 3000. Kaiserlicher Rat Alois Schweiger . . „ 500. Dr. Stand, Reichsratsabgeordneter . . „ 100. Dr. Mahl er, Reichsratsabgeordneter . . „ 100. Prof. Dr. Kellner.......... „ 100. Dr. Silberberg........... „ 300. Ing. Josef Seidener........ „ 100. Dr. Schnirer............ „ 100. Heinrich Lederer.......... „ 200. Kaiserlicher Rat C. Hirsch..... „ 300. Ing. Gebian M........... „ 100. Max Frank............ „ 100. Leo Weiss, Klosterneuburg..... „ 100. I. Wiener, Jüdischer Turnverein ... „ 100. Zionistischer Frauenverein..... „ 100. Direktor Schwarzkopf....... „ 100. Dr. Gabriel Lewy......... „ 200. M. Bentheim...........Mark 100, Frau Käthe Rieß .........Kronen 100, Dr. Suchestow........... „ 100, Direktor Pinter.......... „ 100, Direktor Aschner......... „ 100, Bankier Ad. Brecher........ „ 100, Anton Glaser........... „ 100. sind bereits folgende Beträge gezeichnet: — Prof. Weleminsky.........Kronen 100.— — Ingen. K. . . .......... „ 100.— — Kom.-Rat Anhauch......... „ 300.— — Verein Makkabäa......... „ 100.— Lippmann Bloch.......... „ 100.— _ Frau Elisabeth Perutz, Teplitz-Schönau „ 150.— _ 4 Vorstandsmitglieder, Teplitz-Schönau „ 100,— _ Kaiserl. Rat Landau.....• . . „ 150.— _ Isidor Löwit........... „ 200.— _ Geometer L. Rosenblatt....... „ 100.— _ von Inwald............ „ 150.— _ S. Altmann............ „ 300.— _ Dr. Oswald Weiss......... „ 200.— _ Julius Egger........... „ 300.— _ M. Workmann........... „ 500.— Jüdischer Volksverein „Zion", Teplitz- Schönau............ „ 100.— _ Dr. Bergmann, Pardubitz...... „ 100.— Jos. J. Leinkauf.......... „ 100.— J. Götz.............. „ 200.— _ Rab. Dr. S. Friedmann, Troppau ... „ 100.— _ Kommerzialrat M. Doctor...... „ 200.— — Weitere Spenden nehmen entgegen: The Jew ish — Colonial Trust (Jüdische Kolonialbänk), Ltd. — Brook House, Walbrook, London E. C. sowie _ seine sämtlichen Zahlstellen, sämtliche Sammel- __ stellen des Jüdischen Nationalfonds sowie die — Redaktion der „Weit", Köln, Karolingerring 6. §c □ □□□□ REVUE DER WOCHE □□□□□ )§ Wieviel ist über dieses Wort geschrieben Jüdische Solidarität (B) worden, wie hat man ung deswegen geschmäht, verleumdet — und geachtet, wie stolz waren wir selbst auf den nie versagenden Gemeinschaftssinn aller jüdischen Brüder. Welche Märchen sind nicht darüber verbreitet worden, welche mit oder ohne Absicht übertriebenen Vorstellungen davon beherrschten nicht die erleuchtetsten Köpfe. Spukt nicht die „goldenelnternationale" auch heute noch nicht nur in den Elaboraten antisemitischer Winkelblätter, sondern auch in den sehr ernsthaften Werken sehr ernsthafter Staatsmänner und Schriftsteller? Konnte es nicht auch in einem Kulturlande noch vorkommen, daß ein Jude, der etwas verbrochen hatte nur deshalb zu Gefängnis verurteilt wurde, weil der Richter höchst falscher Weise annahm, eine Geldstrafe werde von dem „Alljudentum" aufgebracht werden? Und wir selbst, wie rühmten wir uns nicht laut oder im stillen jenes durch keine Assimilation unterdrückbaren Solidaritätsgefühls, das insbesondere in den so häufigen Zeiten der jüdischen Not sich so glänzend bewährte. Die Zeiten der Not sind nicht vorüber, das Solidaritätsgefühl aber scheint wirklich allmählich in die lange Liste jener Güter eingereiht werden zu müssen, die wir verloren haben. Es ist ein hartes,Ding es sagen zu müssen, aber wir müssen es in Trauer und Scham eingestehn: Die hohe Leuchte, das weithin flammende Fanal des „Kol Jisroel arewim se bose", die unser Volk so oft erhellt und erwärmt haben, sie leuchten nicht mehr, sie wärmen nicht mehr, und nur im dunkeln flackert mühsam hin und wieder die ach so klein gewordene Flamme. Die großen Organisationen waren es, die das jüdische Volk zu Hütern und Pflegern der Flamme bestellt hat, und die großen Organisationen sind es, die jetzt, wie es scheint, ihre Aufgabe darin erblicken, in enger Selbstsucht, in treulosem Verrat, den Umkreis der Flamme abzugrenzen und niemand außer sich selbst zu ihrer Wärme zuzulassen. Neid und Mißgunst sind die Herrscher geworden, höhnende Scheelsucht wird zum Leitmotiv. Wie schmachvoll, wie erbärmlich ist das Bild, das uns jetzt die „Deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance Isra61ite Universelle" bietet! Den Zionismus denunziert sie bei der türkischen Regierung, den Hilfsverein der Deutschen Juden bei den Juden, bewährte Vorkämpfer des Judentums, die in ihrem Leben mehr Jüdisches erfaßt und geschaffen haben als sämtliche Leiter und Komiteemitglieder der Konferenzgemeinschaft zusammen, sucht sie mit dem Gift zu beflecken, das Bosheit und dünkelhafter Unverstand gebraut haben. Es ist kein Ehrentitel für die deutschen Juden, daß es gerade Deutschland ist, wo derartige beschämende Vorgänge innerhalb der Judenheit allmählich zur Tagesordnung geworden sind. Man hat so viel gerade auf deutsch-zionistischer Seite von dem „Zusammengehen" gesprochen. Wie aberhaben sich die deutschen Korporationen mit vielleicht einer Ausnahme dem Zionismus noch in der letzten Zeit gegenübergestellt! Man bekämpft ihn nicht wie eine falsche Meinung, sondern wie den verhaßtesten Gegner. Und die deutsch-jüdische Presse bemüht sich in holdem Verein, der gegebenen Parole zu folgen. Ein englisches Blatt, eine österreichische Korrespondenz bringen auf Grund lügnerischer Informationen etwas sensationell angehauchte ungünstige Mitteilungen über die Aussichten des Zionismus unter dem neuen türkischen Regime. Ehe noch die falsche Nachricht weitere Kreise gezogen haben kann, erfolgt ein offizielles zionistisches Dementi. Die jüdischtürkische Presse selbst, die es doch schließlich wissen muß, wendet sich entrüstet gegen die Verbreiter solcher in bewußter Absicht erdachten Gerüchte, und auch das wird der jüdischen Presse bekannt gegeben. Mit welcher Wollust aber stürzten sich die Zeitungen