Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 25 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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No. 25 DIE E^ELT 543 Der Handel Palästinas (Der britische Konsiliarbericht für 1908) Eine der wichtigsten Quellen für unsere Kenntnis von der wirtschaftlichen Lage Palästinas bilden die alljährlichen Berichte des britischen Konsuls in Jerusalem, Mr. E. G. Blech, die sich durch Ausführlichkeit und Zuverlässigkeit auszeichnen. Konnten wir schon im Vorjahre mit Genugtuung auf den optimistischen Ton des vorjährigen Berichts hinweisen, so erfüllt es uns mit hoher Befriedigung, auch aus dem soeben erschienenen Berichte für das Jahr 1908*) den starken und unerschütterlichen Glauben dieses überaus sachverständigen und unparteiischen Beobachters palästinensischer Verhältnisse an eine fortschreitende Entwicklung und Zukunft dieses Landes feststellen zu können. Wir glauben es unsern Lesern schuldig zu sein, ihnen die wichtigsten Bekundungen des Berichts im Auszüge zugänglich zu machen. Zu Beginn stellt der Bericht fest, daß in der Zusammensetzung der Bevölkerung nennenswerte Veränderungen im Jahre 1908 nicht zu verzeichnen waren. Die Seifenfabrikation, die wichtigste Industrie am Platze, zeigte befriedigende Fortschritte. Der allgemeine Gesundheitszustand war gut. In Jerusalem herrschte unter den ärmern Klassen der Juden eine Genickstarren-Epidemie, der ungefähr 50 Menschen, d. i. 12°/o der Erkrankten zum Opfer fielen. Der Bericht erwähnt, daß nach einer alten Sitte zur Bekämpfung der Epidemie mehrere arme jüdische Brautpaare von den Gemeinden ausgestattet und auf dem Friedhof getraut wurden. Zu Beginn des Jahres schienen die Handelsaussichten sehr günstig. Der Regenfall war zufriedenstellend und der Stand der Ernte hoffnungsvoll. Aber die politische Unsicherheit infolge der Ereignisse in Konstantinopel Ende Juli und der Boykott österreichisch-ungarischer Waren übten einen schädlichen Einfluß auf die Entwicklung in Handel und Verkehr aus und veranlaßten viele Verbraucher, mit ihren Aufträgen zurückzuhalten. Daher zeigt die Einfuhr für 1908 gegen das Vorjahr eine Verminderung um £ 5600, d. i. nicht ganz la/o. Die Ausfuhr dagegen stieg trotz der ungünstigen politischen Verhältnisse um nicht weniger als £ 72000 oder 15°/o gegen das Vorjahr und war fast zweimal so groß wie im Jahre 1904. An der Gesamteinfuhr in Jaffa im Werte von £ 803400 war England mit £ 80000 und die britischen Kolonien mit £ 44000 beteiligt. Anderseits kamen für über £ 100000 britischer Waren über Beirut (die dadurch in der Statistik als aus der Türkei kommend erscheinen), wodurch der britische Anteil an der Einfuhr auf 27°/o des Gesamtimports in Jaffa steigt. Die Einfuhr aus Österreich-Ungarn hat natürlich infolge des Boykotts abgenommen. Indessen dürfte nach den bisherigen Ziffern dieser Ausfall im neuen Jahre bald wieder eingeholt sein. Von den übrigen Ländern hat insbesondere Rußland seinen Anteil an der Einfuhr um £ 18000 oder fast 36°/o gegen das Vorjahr erhöht, hauptsächlich infolge eines stärkern Imports von russischem Zucker, anstatt des boykottierten österreichischen. *) Diplomatie and Consular Reports No. 4222, Turkey: Report for the Year 1908 of the Trade of the Consular District of Jerusalem, Edited at the Foreign Office and the Board of Trade. London, May 1909. Vergleichende Tabelle der Einfuhr in Jaffa nach Ländern geordnet Land 1904 1905 1906 1907 1908 £ £ . £ £ £ Großbritannien . . 43 000 45 000 65 000 74 000 80 000 Britische Kolonien . 32 ooo 33 000 40 000 43 000 44 000 Türkei...... 170 000 161 000 210 000 257 000 260 000 Österreich-Ungarn . 60 000 62 000 100 000 129 000 85 000 Rußland..... 35 000 30 000 40 000 51 000 69 000 Deutschland . . . 23 000 25 000 39 000 54 000 56 000 Frankreich .... 32 000 29 000 43 000 50 000 54 000 29 ooo 28 000 50 000 42 000 49 000 Belgien ..... 22 000 18 000 25 000 33 000 42 000 Italien...... 15 000 17 000 20 000 26 000 31 000 Verein. Staaten von Amerika .... 6 000 7 000 10 000 16 000 12 000 Verschiedene . . . 6 320 9 000 18 000 34 052 21 400 Total ...... 473 320 464 000 660 000 809 052 803 400 Vergleichende Tabelle der Ausfuhr in Jaffa nach Ländern geordnet Land 1904 1905 1906 | 1907 1908 £ £ £ r* äo £ Großbritannien . . 92 000 114 000 145 000 i 160 000 164 000 Britische Kolonien . 6 000 8 000 12 000; 15 000 16 000 Ägypten..... 75 000 86 000 116 000 i 100 000 165 000 Türkei...... 20 000 31 000 50 000 51 000 59 000 Deutschland . . . 32 000 35 000 47 000 : 50 000 46 000 Frankreich .... 24 000 27 000 40 000 1 30 000 32 000 Italien...... 7 000 10 000 12 000 13 000 15 000 Österreich-Ungarn . 12 000 17 000 24 000 20 000 14 000 Verein. Staaten von Amerika .... 8 000 9 000 12 000 15 000 13 000 Belgien ..... 6 000 10 000 1 1 000 i 10 000 11 000 Rußland..... 8 000 9 500 12 000! 9 000 11 000 Verschiedene . . . 5 300 11 320 19 000 : 11 340 10 370 Total...... 295 300 367 820 500 000 484 340 556 370 Der Bericht verzeichnet mit Genugtuung die Tatsache, daß mehrere englische Kaufleute im Berichtsjahre in Jerusalem weilten und mit dem Ergebnisse ihrer Reise zufrieden waren. Er empfiehlt diese Art der Aufsuchung von Bestellungen vor der üblichen durch Benutzung von Agenten in Beirut. Es zeigt sich bei den Konsumenten die Tendenz, unter Umgehung der Kommissionäre und Ersparung der Vermittlungsgebühren Aufträge direkt an den Erzeuger zu geben. Der Konsul ist mit der Entwicklung des britischen Handels in Palästina zufrieden. Wenn auch insbesondere in Baumwollwaren die Konkurrenz groß ist, hält der britische Markt seinen Stand. In Flanellwaren konkurriert insbesondere Italien, in Wollwaren Belgien mit England. Reis kommt hauptsächlich von Rangoon. In Zwieback, Büchsenkonserven, Süßigkeiten, Konfekt und gesalzenen Fischen ist die englische Einfuhr recht bedeutend. Fischkonserven werden immer mehr ein wichtiger englischer Einfuhrartikel. In Eisenwaren liefert England Kuchenformen, galvanisierte eiserne Gefäße und ähnliche Gegenstände und eiserne Bettstellen. Werkzeuge kommen hauptsächlich aus Frankreich, zum Teil auch aus Deutschland. Schlösser werden aus Deutschland und Vorhängeschlösser aus Italien