Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 25 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6 ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIII. JAHRG. KÖLN, 18. Juni 1909 p-nnb D'Wtf ]VD No. 25. An unsere Leser! Mit der nächsten Nummer endet das II. Quartal des XIII. Jahrganges. Wir ersuchen alle jene Abonnenten, deren Bezugszeit abgelaufen ist, um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Posterlagscheine zur kostenlosen Überweisung der Abonnementsbeträge für die Abonnenten in Österreich-Ungarn werden der nächsten Nummer beigelegt werden. Zahlkarten unseres Postscheckkontos haben wir den Abonnenten in Deutschland, deren Bezugszeit abgelaufen ist, direkt zugehen lassen. Die Überweisung der Beträge durch Zahlkarten erfolgt gleichfalls kostenlos. Expedition „DIE WELT" t „ * / \ SOZIALE PROBLEME Es wird manchem nicht gefallen, und dennoch ist es eine unbestreitbare Wahrheit: Unsere radikalen Himrnelsstürmer werden in Amerika ganz nüchtern. Das ist keine Zufallssache; die Gründe liegen sehr tief. Amerika ist das Land der Privatinitiative und die radikalen Verstiegenheiten sind grundsätzlich unverträglich mit irgendwelcher individuellen Regung. Es ist daher durchaus kein Zufall, daß die radikalen, sozialistischen Lehren in denjenigen Staaten zunächst sich kund gaben, welche seit Jahrhunderten in einer sogenannten patriarchalischen Regierungsform sich bewegten. Die Regierung war und blieb die irdische Vorsehung, auf welche die Untertanen in gläubiger Verehrung zu blicken gewohnt wurden. Die Regierung sorgte für alles, bekümmerte sich um alles und der ehrbare Bürgersmann konnte ruhig seinen Beschäftigungen nachgehen, vorausgesetzt natürlich, daß er dazu sich vorher von der hohen Obrigkeit die Erlaubnis geholt hatte. Frankreich war von alters her das Musterbild eines von einem Mittelpunkte aus verwalteten Polizeistaates. In Deutschland konnte bei seiner unübersehbaren Zersplitterung von einer derartigen Zentralisation nicht die Rede sein. Aber die verschiedenartigen größern und kleinern Herrschaftsgebiete wurden darum nicht minder polizeimäßig verwaltet. Jeder Zwergstaat hatte seine Zwergpolizei, welche für die „Untertanen" sorgte, und ebenso war es in den Mittelstaaten. Mochten die Volksgewohnheiten, mochten die geschichtlichen Überlieferungen unter den beiden großen Völkern Mitteleuropas noch so verschieden sein, in der Auffassung von dem Wesen des Staatsregimentes und seines Verhältnisses zu den Bevölkerungen herrschte in dieser Beziehung eine sehr merkwürdige Übereinstimmung. Als dann schließlich der ganze veraltete Verwaltungsapparat versagte und unter ungeheuren Wehen der neue Staat und die neue Gesellschaftsordnung geboren wurde, da zeigte es sich sowohl in Frankreich wie in Deutschland, daß man trotz aller Redensarten, trotz aller Gesetze über Selbstverwaltung, Selbstbestimmung immer noch das allermeiste von dem Eingreifen der Regierungsgewalt fordert. In Frankreich wendete man sich bei jeglichem Anlasse an das „Gouvernement", in Deutschland ruft man bei jeder Gelegenheit den Staat an. Man muß hierin einen Niederschlag aus der Zeit jenes alten Polizeistaates erblicken. Während Amerika durch eine jahrhundertlange Übung seine Bürger daran gewöhnt hatte, daß sie selber nach ihrem 1 K, I ,; i i - J V " , r 1 V k