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Die Welt · 1909-06-04 · 23 (4.6.1909) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
23 (4.6.1909)
Date
1909-06-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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angeschlossen. Unter ihnen zeichnete sich bald Berek Josselowitsch durch seinen Mut aus. Er wurde in einer kleinen Stadt des Kownoer Gouvernements geboren und3bereiste ganz Europa, wo er die Kenntnis der fremden Sprachen erworben hat. Im Jahre 1794 wandte sich B. J. an Kosciuschko mit dem Vorschlag, ein Regiment jüdischer Volontäre zu bilden. Als er eine zustimmende Antwort bekommen hatte, wandte sich B. J. an die jüdische Bevölkerung mit folgender Proklamation: „Höret auf mich, Kinder Israels! Diejenigen unter euch,"die in ihren Herzen Liebe für den Allmächtigen pflegen und sich an der Verteidigung des Vaterlandes beteiligen wollen, was ihre Pflicht ist, mögen wissen, daß der richtige Moment gekommen ist. Warum sollen wir, die am meisten verfolgt und gepeinigt sind, unsere Waffen nicht erheben? Derjenige, der uns von der Knechtschaft befreit hat, wird uns auch jetzt helfen, in Gottes Namen! Ich will euer Führer sein, ich will dort der erste sein, wo die größte Gefahr droht, und ihr werdet mir folgen . . . Wir wollen für das Vaterland' bis zum letzten Tropfen Blut kämpfen, und wenn wir nicht bessere Zeiten kommen sehen, so werden nun unsere Kinder in Glück und Freiheit leben und nicht mehr ewige Wanderer bleiben. Werdet wie die Löwen und die Leoparden! Oberst Berek Josselowitsch Das jüdische Regiment wurde gebildet und hat in vielen Kämpfen Wunder von Heldentum geleistet. Besonders zeichnete es sich bei der Verteidigung von Praga aus, die nur einige Soldaten mit Berek an der Spitze überlebt haben. Darauf begab sich Berek Josselowitsch nach dem Auslande, schloß sich den polnischen Legionen der Napoleonarmee an und erlangte den Rang eines Kavallerieobersten. Am 5. Mai 1809 ist- Berek Josselowitsch in einem heldenmütigen Kampf mit den österreichischen Husarengefallen. Als das Warschauer Fürstentum gebildet wurde, hat die Regierung einen Erlaß veröffentlicht, kraft dessen eine Erneritur von 1800 polnischen Gulden jährlich der Frau von Berek Josselowitsch, Rebeka und ihrem Sohn Josef, ausgezahlt wurde. Der Sohn Bereks, Josef und sein Enkel Leo, zeichneten sich aus durch ihren Mut als Offiziere der Aufstandsarmee. Nach der Niederlage emigrierten sie nach Amerika und seither ist ihre Spur verloren. Kranke Juden Die russische Regierung hat den Aufenthalt kranker Juden im Kaukasus gestattet. Es ist beachtenswert, daß die Reichsduma im vorigen Jahre sich mit Stimmenmehrheit gegen diese „Erweiterung" der Judenrechte ausgesprochen hat. Beschränkungen Es zirkulieren Gerüchte, daß das Ministerium der Volksaufklärung das Projekt einer neuen Judenbeschränkung beim Eintritt in die Universität ausgearbeitet hat. Es soll diejenigen betreffen, die die Gymnasien als Externe absolviert haben. Die Glieder des „Verbandes des russischen Volkes" aus Tula bemühen sich bei den Behörden, daß die Aufschriften auf den Schildern der jüdischen Läden in zwei Sprachen sein sollen: in jüdischer und in russischer, damit sich die Russen nicht irren und unversehens bei den Juden kaufen. Der Kriegs minister veröffentlichte einen Erlaß, kraft welchen die Judenvolontärs die L Militärübungen gleich den einfachen Soldaten machen sollen und nicht von den Begünstigungen profitieren, die den christlichen Volontärs zugunsten stehen. In vielen jüdischen Fabriken Warschaus sind scharfe Mißverständnisse zwischen den Arbeitern und den Fabrikanten ausgebrochen, infolge der Minderung des Lohngeldes. Es ist ein „Lockout" entstanden, und als Folge davon sind viele Bankerotts der kleinern Kaufleute vorauszusehen. Eine Gruppe von Warschauer Assimilanten unternimmt die Herausgabe einer neuen Zeitung in polnischer Sprache, nach dem Muster des vor einigen Monaten (infolge Abonnentenmangels) eingegangenen Wochenblattes „Israelita". Rußland ist nach der Revolution in die Periode des sogenannten „Bogoiskatielstwo" (Gottsucherei) eingetreten. _ Die enttäuschte Intelligenz stellte die soziale und politische Tätigkeit ein und ging zur Selbstanalyse, zur Untersuchung ethischer und religiöser Probleme über. Neue Religionsverbände, speziell für intelligentere Kreise, entstanden und unter den Führern dieser jugendlichen Bewegung finden wir die Namen bekannter Schriftsteller, Gelehrten, politischer Führer usw. Die Juden nehmen selbstverständlich an dieser Bewegung wie an jeder Innovation einen nicht geringen Anteil. Sie helfen auch mit, einen „neuen Gott" zu suchen. Die Diskussionen, die in diesen Vereinen geführt werden, üben einen großen Einfluß auf die Massen des lesenden Publikums aus, doch ist dieser Einfluß sehr verschieden. Während die einen, die nach einem „neuen Gott" spähen, in einer tiefen mystischen Kontemplation Zuflucht finden, betrachten die andern die Religionsprobleme unter einem praktischen Gesichtspunkt. In der populären Zeitung „Rus" erschien ein Artikel eines Juden, eines gewissen Etinhof, der das naive Projekt der Modifizierung der jüdischen Religion auftischt. Herr Etinhof sucht den jüdischen Gott auf solche Weise zu reformieren, daß er seinem Volke eine Gleichberechtigung geben soll. Zu diesem Zwecke schlägt Herr Etinhof eine Zusammenkunft der Juden vor, auf welcher ein endgültiger Bruch mit der Mischna und dem Talmud stattfinden soll. Wie bekannt, haben die Karaiten, die nur die Bibel anerkennen, in Rußland eine Vollberechtigung. Dieses naive Projekt ist aber kein Zufall. Es ist ein Beweis dafür, wie in der letzten Zeit die Grundlage der frühern Assimilationsbewegung erschüttert wurde. Es werden heue Mittel und neue „Götter" gesucht. Professor Kellner Aus Czernowitz wird gemeldet, daß unser bewährter Gg., Herr Leon Kellner, außerordentlicher Professor an der Universität Czernowitz, zum ordentlichen Professor für englische Literatur ernannt worden ist. Schekelausweis 5669 Der nachstehend veröffentlichte zweite Ausweis der für das laufende Schekeljahr 5669 eingegangenen Schekelbeträge zeigt gegen den vor vier Wochen veröffentlichten ersten Ausweis einen Mehreingang von 9100 Mk. Immerhin läßt auch er erkennen, daß die Sammlung fast überall noch außerordentlich im Rückstände ist. Namhafte Länder fehlen noch gänzlich im Ausweis. Insbesondere sind bisher weder aus Österreich noch aus Qalizien irgend welche Beträge eingegangen, was um so mehr zu bedauern ist, als die Schekelsammlung in diesen beiden Ländern auch im verflossenen Jahre viel zu wünschen übrig ließ. Auch in Rußland hat die Sammlung offenbar noch gar nicht eingesetzt. Ebenso ist sie in England noch sehr im Rückstand. Um so erfreulicher ist die Energie, mit der die überseeischen Länder sich an die Spitze der Sammlung gestellt haben, wobei zu bemerken ist, daß Kanada nur deshalb im Ausweis noch fehlt, weil die Arbeit dort bis jetzt — und zwar mit bemerkenswertem Erfolg — auf die Sammlung für den Parteifonds konzentriert war. Bedauerlich ist, daß uns die nach Ortschaften bzw. Gruppen geordneten Listen über die Ergebnisse der Sammlungen bisher nur spärlich und unregelmäßig zugehen. Zu den in Nr. 19 nach den Resultaten der Eitizelgruppen ausgewiesenen Ländern sind bisher nur noch Deutschland, Holland und Skandinavien mit spezifizierten Ausweisen hinzugekommen. Es ist sehr zu beklagen, daß die Organisationen den großen agitatorischen Wert dieser spezifierten Ausweise offenbar noch nicht eingesehen haben. Jede Schekelzahlergruppe, die ihre Schekel an die betreffende Landeszentrale abführt, muß darauf bestehen, daß dieser Betrag nicht nur unverzüglich dem A. C. voll und ganz überwiesen wird, sondern daß das A. C. gleichzeitig auch eine Aufstellung zur Veröffentlichung erhält, die die Ergebnisse der Sammeltätigkeit der einzelnen Gruppen erkennen läßt. In der nachfolgenden Aufstellung sind bei einzelnen Ländern auch die Zahlen der Schekelzahler ausgewiesen, die der gesammelten Summe entsprechen. Die Hinzufügung dieser Zahlen ist gewiß von Interesse. Wir richten daher an die Organisationen das Ersuchen, in Zukunft nicht nur die Summe der Beträge, sondern auch die Zahl der Schekelzahler, von denen diese Beträge herrühren, an uns aufzugeben.

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